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"Schicksalsjahre" mit Furtwängler: Krieg und Chaos, Make-up und Strähnchen

Sie strahlt, weint, resigniert und steht wieder auf. Und die Deutschen fiebern mit. Der erste Teil von "Schicksalsjahre" mit Maria Furtwängler war ein Quotenerfolg. Heute Abend geht es weiter. Freunde großer Gefühle werden besser bedient als Geschichtsinteressierte.

Von Elena Pelzer

Wolfgang lebt", durch diesen Anruf gerät Ursula Heyes (Maria Furtwängler) Welt 20 Jahre nach dem vermeintlichen Verlust ihres Mannes erneut ins Wanken. Ein Anruf und ein Schicksal, stellvertretend für das, was vielen Ostflüchtlingen im Zuge des Zweiten Weltkriegs widerfahren ist. Zu sehen im ZDF-Zweiteiler "Schicksalsjahre".

Der Auftakt war ein voller Erfolg: 8,06 Millionen Zuschauer verfolgten Furtwänglers "Schicksalsjahre", während die Bremer "Tatort"-Kollegen nur auf 7,58 Millionen Zuschauer kamen. Um 20.15 Uhr ist die Blondine heute Abend wieder auf der Flucht vor der Roten Armee und verzehrt sich nach ihrer großen Liebe.

Die Story: Ursula arbeitet in Danzig und lernt dort Wolfgang Heye (Pasquale Aleardi) kennen. Eine Liebe, der nur vier Jahre, aber immerhin zwei Kinder vergönnt sind, ehe sie der Krieg und die Flucht auseinander reißen. Als sich das Ende des Krieges abzeichnet, flieht Ursula Heye mit Kindern und Eltern vor der Roten Armee. Nach Kriegsende macht sich das Ehepaar auf die Suche nacheinander, doch die Auskünfte des Suchdienstes des Roten Kreuzes zerstören alle Hoffnung: Wolfgang erhält im zweiten Teil die Nachricht, seine Familie sei auf der von einem sowjetischen Torpedo getroffenen "Gustloff" ertrunken und der Ehefrau Ursula wird mitgeteilt, ihr Mann sei in Stalingrad vermisst. Erst zwanzig Jahre später kommt es zum dramatischen Wiedersehen - aber nicht zum Happy End.

Die Grundlage des Zweiteilers bildet das Buch "Vom Glück nur ein Schatten" des ehemaligen Regierungssprechers Uwe-Karsten Heye, ein Sohn des von Furtwängler und Aleardi gespielten Paares. Produziert wurde der Film von TeamWorx, einem Spezialisten für Kriegs- und Nachkriegsstoff, der dem deutschen TV-Publikum bereits "Die Luftbrücke", "Dresden" oder "Die Flucht" beschert hat. Allen ist gemein, die Theorie der "Prosthetic Memory" zu belegen. Die besagt, dass derartige Filme mehr über die Zeit aussagen, aus der sie stammen, als über die Zeit, in der sie spielen.

"Schicksalsjahre" bildet keine Ausnahme: Die Perspektive ist die der Opfer - und die werden hübsch zurecht gemacht. Maria Furtwängler strahlt, kämpft, verzagt und rafft sich wieder - all das mit dezentem Make-up und ebenso dezent zurückgehaltenen schulterlangen, gelockten Haaren. Dazu trägt sie noch blonde Strähnchen. Eine Frisur wie sie fehlplatzierter für die 40er kaum sein könnte.

Gefühle statt Geschichte

Große Gefühle werden schon besser umgesetzt als große Geschichte: Gekonnt zeigt der Film wie der Krieg die geradezu kindliche Freude und Naivität der Liebenden zerstört und sie Überleben und Tod in ihrem Innern verankern, wie bereits Uwe-Karsten Heye in seinem Buch vermerkt: "Noch immer spüre ich den tiefen Schrecken und das Gefühl abgrundtiefen Verlassenseins." Und am besten ist Furtwängler, wenn sie ihren Mann bis zur Raserei vermisst - körperlich wie seelisch. Aber ab und an wird "Schicksalsjahre" zur Klischee-Romanze, etwa wenn Ursula und Wolfgang bereits nach dem ersten Date von Schicksal sprechen, romantische Musik leise im Hintergrund klimpert, und der verliebte Heye gar noch einen übermütigen Hopser hinlegt, nachdem seine neue Angebetete im Haus verschwunden ist.

"Schicksalsjahre" ist ein Film über eine Frau im Krieg, über große Gefühle, Liebe und Verzweiflung. Doch ein Abbild der Kriegsgeschichte? Diesem Anspruch wird der Film nicht gerecht.