HOME

Maria Furtwängler im ARD-"Tatort": Ein neuer Mann für die beliebteste Kommissarin

Maria Furtwängler packt als Charlotte Lindholm in ihrem 18. "Tatort" das Tabu-Thema Schwulenfeindlichkeit im Fußball an. Bei ihren Recherchen unter Hooligans trifft die beliebteste "Tatort"-Kommissarin zudem einen attraktiven Mann.

Ein Fußballprofi mit schwulem Doppelleben, Hooligans, die Morddrohungen im Internet verbreiten, dazu noch ein schmieriger Spielerberater: Der neue ARD-"Tatort" mit Maria Furtwängler "Mord in der ersten Liga" (Sonntag, 20.15 Uhr, ARD) beleuchtet schonungslos die Schattenseiten des Fußballgeschäfts.

DFB-Präsident Theo Zwanziger selbst hatte Maria Furtwängler auf die Idee gebracht, das Thema Homophobie und Fußball im TV-Krimi zu thematisieren. Herausgekommen ist ein zwar leicht überfrachteter, aber sehenswerter "Tatort", in dem Kommissarin Charlotte Lindholm wie gewohnt cool ermittelt, bis ein neuer Mann in ihr Leben tritt und sie etwas aus der Spur bringt.

Das "Tatort"-Team tauchte tief in die Welt des Bundesligisten Hannover 96 ein, durfte sogar in den Kabinen drehen: Beeindruckende Szenen entstanden im mit 49 000 Zuschauern gefüllten Stadion vor dem Nord-Derby gegen den Hamburger SV im November. Lindholm feuert mit ihrem Sohn David auf der Tribüne die Heimmannschaft an. Wenige Stunden später liegt Davids Idol, der talentierte Spieler Kevin Faber (Stephan Waak), erschlagen am Maschsee. Musste er sterben, weil er mit kritischen Interviewäußerungen Hooligans gegen sich aufgebracht hatte? Welche Rolle spielte sein Freund und Teamkollege Ben Nenbrook (Luk Pfaff)? Oder hatte Faber trotz schwangerer Freundin Verhältnisse mit Männern, war der Mord am Ende eine Beziehungstat?

An Lindholms Seite ermittelt bei ihrem 18. Niedersachsen-Fall der bodenständige Polizist Paul Näter (Fritz Roth), ein eingefleischter 96-Fan, der geradezu empört ist, als die Kommissarin davon spricht, das Opfer könnte schwul gewesen sein. "Es gibt Millionen Schwule in Deutschland, aber keinen Schwulen im Fußball", meint Lindholm dazu ironisch. Der Film will Mut machen, das Tabu Homosexualität im Fußball zu brechen, lässt aber letztendlich offen, ob es möglich ist, nach einem Outing eine Karriere in der Bundesliga fortzusetzen.

Gleichzeitig wirft Regisseur Nils Willbrandt in "Mord in der ersten Liga" ein Schlaglicht auf die Hooligan-Szene. Hier tummeln sich nicht nur Prolls und Typen aus dem Rotlichtmilieu, sondern auch gescheiterte Jurastudenten und Bankangestellte. "Man wird doch noch ein bisschen Dampf ablassen können", sagt einer dieser Freizeit-Schläger. Unerschrocken betritt Lindholm eine Hooligan-Kneipe, schleicht sich nachts zu einer verabredeten Prügelei in der U-Bahn und dringt sogar in die Wohnung eines Hooligans ein, um dessen Computer zu checken. Im "Tatort" dürfen LKA-Beamte eben viel mehr als im wirklichen Leben.

Bei ihrer Undercover-Fahndung trifft die eiskalte Blonde auf einen angeblichen Hooligan, den sie schnell als verdeckt recherchierenden Reporter enttarnt. Jan Liebermann (Benjamin Sadler) ist gut aussehend, verwegen, geheimnisvoll und vielleicht der neue Mann an der Seite der schönen Kommissarin. Maria Furtwängler würde die Beziehung gern weiterverfolgen: "Es ist spannend, den beiden dabei zuzusehen, wie sie aufeinandertreffen", sagt die Schauspielerin im ARD-Presseheft. Ingo Naujoks war als Lindholms Mitbewohner Martin nach 16 Fällen ausgestiegen, weil er kein Entwicklungspotenzial für seine Rolle mehr sah.

Der Neue macht eine gute Figur, auch als Lindholm ihn bis in die Umkleidekabine und fast bis unter die Dusche verfolgt. Der 40-jährige Benjamin Sadler, bekannt durch zahlreiche TV-Produktionen wie "Contergan" oder "Dresden", lässt seine Zukunft im "Tatort" allerdings noch offen. "Man wird sehen", sagte er dazu bei der Vorstellung von "Mord in der ersten Liga".

Christina Sticht, DPA / DPA