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"Schlag den Star": Lena gegen Lena oder: "Nein, wir sind nicht auf Werbung?"

Lang, länger, Lena: "Schlag den Star" stellte mit sechs Stunden einen neuen Rekord auf. Dieser verdankte sich auch dem einen oder anderen dringenden Bedürfnis der Siegerin Lena Meyer-Landrut.

Von Mark Stöhr

Lena in Oslo

Sauber abgesahnt, Lena Meyer-Landrut. Für 100.000 Euro muss eine Oma lange stricken. Dazu noch eine satte Summe vom Klamotten- und Schuhsponsor, der sich ein Hörnchen freuen konnte über die pausenlose Logopräsenz, egal ob auf dem Tretroller oder an der Säge, beim Bücken oder Blamieren. War ein runder Abend. Gut, es war auch ein langer Abend. Fünf Stunden, um genau zu sein. Das macht Pi mal Daumen aber immer noch 16.000 Euro pro Stunde plus Boni. Mal ganz superspröde sozialdemokratisch gefragt: Seid ihr noch ganz dicht?

Schlag den Star

Lena Meyer-Landrut (l.) trat bei "Schlag den Star" gegen Lena Gercke an. In einem Spiel sollten die Frauen auf Schießscheiben zielen.


Beide Luxus-Lenas hatten vor der Show schon viel Geld. Jetzt hat die Musik-Lena noch mal einen ganzen Batzen mehr. Verdammte Axt. Dafür trank sie Tomatensaft – der blanke Horror! – und ruinierte sich beim CDs-Umdrehen die Fingernägel. Bereits nach dem ersten Spiel – einer Hängepartie an Seilen – war sie "voll am Shaken". Sollte heißen: Ihre Hände zitterten wie verrückt. Beim Serienquiz gleich danach traf sie kaum den Buzzer, was andererseits gut mit ihrer Ahnungslosigkeit korrelierte. Stunden später dann, es war genau um 1.45 Uhr, streikte Lenas Blase. Pinkelpause im laufenden Betrieb. Kein Witz. Alle sind schon komplett zermürbt und zerstört, beweinen ihren verlorenen Sonntag und überhaupt ihr nutzlos verschwendetes Leben – und Lena Meyer-Landrut geht aufs Klo.

Monströser Live-Irrtum

Diese Show ist ein einziger monströser Live-Irrtum. Dass gestern ein neues groteskes Level erreicht wurde – Rekord! Glückwunsch! –, war allerdings auch ein Verdienst der anderen Lena. Der Ex von Khan-Khedira, die jetzt Schlümpfe synchronisiert. Lena Gercke ist ein Schaltjahr-Kind und hat daher nur alle vier Jahre Geburtstag. Das macht sie offenbar sehr lässig im Umgang mit dem Vergehen von Zeit. Man könnte auch sagen: Die 29-Jährige hat sehr, sehr lange Beine, aber eine noch viel längere Leitung.

Was für ein Grübeln, was für ein Hadern. Beim Golf-Darts drehte und wendete sie so lange den Schläger, dass man fürchtete, das Spiel müsse wegen Materialermüdung abgebrochen werden. Ständig fragte sie nach, um ja nichts falsch zu machen oder überhaupt mit irgendwas anzufangen. Zwischenzeitlich lag sie mit 5:40 Punkten zurück. Erst ab dem zehnten Spiel wurde es besser, was aber mehr an der wachsenden Bocklosigkeit ihrer Konkurrentin lag, auch sie komplett entnervt von Gerckes Rumgegurke. Was man sich von der Model-Lena gemerkt hat: Sie trinkt ausschließlich Wasser und Tee und findet Neapel hässlich. Ihr einziger guter Ausspruch in fünf Stunden war ganz am Ende: "ultimativer Abfuck". Den kann man immer mal gebrauchen.

Eltons plautzige Normalität

Die tragische Figur in dieser zähen Gemengelage aus Eitelkeit, Ehrgeiz und Unvermögen ist Alexander Duszat alias Elton. Wenn er die Showtreppe runtergewackelt kommt wie der Karnevalsprinz von Rösrath, bringt er eine plautzige Normalität in das Show-Ungetüm. Das ist angenehm. Letzten Endes ist Elton aber nichts weiter als ein Angestellter des Schweinesystems Privatfernsehen. Und das heißt für ihn vor allem: diese wahnsinnigen Werbeblöcke wegmoderieren. Deren Dramaturgie ist ein einziges Mysterium. Warum platzen sie oft mitten in die Spiele – während etwa der minutenlange Umzug vom Studio ins Freie plus anschließendem Klamottentausch der Lenas in Gänze übertragen wird ("Nein, wir sind nicht auf Werbung")? Ist das eine Prüfung von Elton in einem Fach, in dem er grottenschlecht ist – Improvisation?

Um ziemlich genau 2.10 Uhr fand das Spektakel schließlich ein Ende. Lena Gercke erlebte im 15. Spiel ihren "ultimativen Abfuck", als sie den falschen Klotz aus einem Holzturm zog und ihn damit zum Einsturz brachte. Lena Meyer-Landrut riss die Arme in die Höhe und hüpfte kreischend über die Bühne, als hätte sie gerade zum zweiten Mal den Eurovision Song Contest gewonnen. Geld macht halt doch glücklich, egal wie viel man schon davon hat. Die 25-Jährige will ihren Gewinn allerdings spenden. Das Geld geht an den gemeinnützigen Verein Visions for Children e.V., der sich weltweit für das Recht von Kindern auf Bildung einsetzt.

Lena in Oslo