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TV-Tipp 27.12. "So ein Flegel": Kennen Sie die Urfassung der "Feuerzangenbowle"?

Statt einem Pfeiffer mit drei "F" gibt es zwei Heinz Rühmanns. Dafür vermissen wir das Heißgetränk. "So ein Flegel" ist die erste Verfilmung der "Feuerzangenbowle" - aber ist sie auch besser?

"Die Feuerzangenbowle" ohne Feuerzangenbowle: Rektor Knauer (Jakob Tiedke, r.) verwechselt den bekannten Bühnenschriftsteller Dr. Hans Pfeiffer (Heinz Rühmann) mit dem Primaner Erich, der seinem Zwillingsbruder sehr ähnlich sieht.

"Die Feuerzangenbowle" ohne Feuerzangenbowle: Rektor Knauer (Jakob Tiedke, r.) verwechselt den bekannten Bühnenschriftsteller Dr. Hans Pfeiffer (Heinz Rühmann) mit dem Primaner Erich, der seinem Zwillingsbruder sehr ähnlich sieht.

Was hab ich eigentlich ausgefressen? Moment, muss ich mitschreiben..." - Hans Pfeiffer am Telefon mit Zwillingsbruder Erich

"So ein Flegel"
05:10 Uhr, WDR, KOMÖDIE

Die DVD lag auf dem Grabbeltisch - und lockte mit einem unglaublichen Versprechen: Zehn Jahre bevor Heinz Rühmann in der "Feuerzangenbowle" spielte, war der Schauspieler 1934 schon einmal in die Rolle von Hans Pfeiffer geschlüpft. OMG! Die legendäre "Feuerzangenbowle" - sie war nur ein Remake! Und wie man das von Remakes so kennt - wahrscheinlich nur billiger Abklasch eines viel besseren Originals. Ich fühlte mich, als hätte ich den Heiligen Gral, die Blaue Mauritius und die Bundeslade zusammen aufgetan. Ein paar Euro später gehörte die DVD mir. Der Abend war gerettet.

Schon in den ersten Minuten wurde mir klar, dass die Vorlage von Hans Spoerl für diese Verfilmung (von Robert A. Stemmle) mächtig durcheinandergewirbelt wurde. Die Feuerzangenbowle fehlt. Anstatt in gemütlicher, alkoholgeschwängerter Runde öffnet "So ein Flegel" auf einer Theaterbühne. Der Schriftsteller Dr. Hans Pfeiffer (Heimz Rühmann) hat ein Pennälerstück verfasst, aber die Worte, die er seinen "Schülern" in den Mund legt, klingen falsch. Pfeiffer wurde - ganz wie in der "Feuerzangenbowle" - von einem Privatlehrer unterrichtet. Glücklicherweise hat der Doktor einen Zwillingsbruder. Erich, ebenfalls gespielt von Rühmann, sitzt mit 22 Jahren noch immer in der Oberprima fest. Und so kommt es, wie es immer kommt in diesen Doppeltes-Lottchen-Geschichten: Die beide tauschen die Rollen - erst durch Zufall, dann ganz bewusst.

Rühmann schlägt sich selbst

Dummerweise hat der weitere Verlauf der Handlung mit dem Klassiker, der Jahr um Jahr die Hörsäle füllt, nicht mehr viel zu tun. Regisseur Stemmle räumt der neu hinzu erfundenen Nebenhandlung am Theater viel zu viel Raum ein und schaltet nur sporadisch zur Schule rüber. Ja, es gibt die Lehrer Bömmel, Crey und Knauer noch - aber ihnen fehlt einfach der Witz und die Wärme im Vergleich zur Fassung von '44. Am besten sichtbar wird dies wohl in der ikonischen Szene über die "Dampfmaschine", die es auch in diese Fassung geschafft hat, aber seltsam blutleer wirkt (hier ansehen, im Vergleich die Fassung von 1944).

Auch Rühmann selbst ist zehn Jahre später einfach besser. Die Blicke schelmischer, spitzbübischer und doch stets gespickt mit dieser leisen Sehnsucht eines Mannes nach der Kindheit, die er nie hatte. Den Kauf der DVD habe ich trotzdem nicht bereut - und möchte auch Ihnen raten, sich "So ein Flegel" zumindest einmal anzuschauen. Es kommt schon äußerst selten vor, dass man zwei Buchadaptionen so direkt vergleichen kann. Und vielleicht mögen sie die Verwechslungsgeschichte von 1934 ja sogar lieber als die Pennäler-Story von 1944. Geschmäcker sind bekanntlich verschieden.

PS: Die Sendezeit am frühen Morgen ist natürlich eine große Hürde. Darum hier zwei Hinweise: Am 29.12. zeigt 3Sat den Film noch einmal etwas später am Morgen um 7.10 Uhr. Auf Youtube ist er ebenfalls zu finden - rund um die Uhr.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern und großer Fan der Feuerzangenbowle- Getränk und Film versteht sich. Wer mag, kann mit ihm auf Facebook oder Twitter über Pro und Contra dieses "weder guten noch bösen, aber leider auch nicht unschuldigen Films" (Georg Seeßlen) diskutieren.

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