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Das Fernsehgericht: "Tag der Wahrheit": Huch, dieser deutsche Thriller ist ja richtig gut

Florian Lukas kapert ein Kernkraftwerk. Und das macht er so überzeugend, dass dem Zuschauer Angst und Bange wird. Der spannende TV-Thriller "Tag der Wahrheit" besticht durch Action und Tiefgang.

Von Kester Schlenz

Florian Lukas spielt in "Tag der Wahrheit" einen Terroristen, der ein Kernkraftwerkt stürmt und zu einem Super-GAU entschlossen scheint

Florian Lukas spielt in "Tag der Wahrheit" einen Terroristen, der ein Kernkraftwerkt stürmt und zu einem Super-GAU entschlossen scheint

Ein Alptraum wird wahr: das Kernkraftwerk Haut-Rhin an der deutsch-französischen Grenze wird überfallen. Ein zu allem entschlossener Terrorist (Florian Lukas) dringt mit Waffengewalt in das Gebäude ein, besetzt die Leitstelle des Reaktors und vertreibt alle Angestellten. Offensichtlich hat er genaue Kenntnisse der technischen Abläufe, denn nachdem sich der Attentäter verbarrikadiert hat, schaltet er den Kühlkreislauf des Reaktors ab und sprengt die Steuerung der Notkühlsysteme. Drei Stunden nur bleiben den Kraftwerksbetreibern und der Polizei, um die Lage wieder unter Kontrolle zu bringen. Denn dann wird wegen der ausgeschalteten Kühlung die unkontrollierte Kernschmelze einsetzen. Ein Super-GAU droht, der Hunderttausende das Leben kosten und ein riesiges Gebiet im Dreiländereck für Jahrzehnte unbewohnbar machen würde. Ein Angriff auf den Attentäter scheint ausgeschlossen, weil er Zugriff auf sämtliche Überwachungskameras des AKWs hat und die Kernschmelze in nicht einmal einer Minute unumkehrbar in Gang setzen kann.

Erschreckend verletzliche Atomkraftwerke

Parallel erzählt der Film "Tag der Wahrheit", wie die deutschen Staatsanwältin Marie Hoffmann (Vicky Krieps), gemeinsam mit dem französischen Polizisten Jean-Luc Laboetie (Benjamin Sadler) den mutmaßlichen Selbstmord des Strahlenschutzexperten Bernard Feyermann untersucht, der im Kernkraftwerk Haut-Rhin gearbeitet hat. Schnell wird klar, dass der Überfall auf den Reaktor und der Tod des Strahlenschutzexperten zusammenhängen. Und nicht nur das: Der vermeintliche Terrorist entpuppt sich als ehemaliger Techniker des Kernkraftwerkes, der bei einem vertuschten Zwischenfall verstrahlt wurde und nicht mehr lange zu leben hat. Das Einzige, was er noch will, ist, dass die Öffentlichkeit von den lebensgefährlichen Sicherheitsmängeln des Reaktors erfährt. Er verlangt, dass der zuständige Energieminister und ein Verantwortlicher des AKWs vor laufenden Kameras gestehen, dass Haut-Rhin schrottreif ist und vom Netz genommen werden muss. Während - trotz der Gefahr durch den Eindringling - im Leitstand ein SEK-Einsatz vorbereitet wird, versucht Marie Hoffmann, Beweise für die Vorwürfe des Attentäters zu finden und macht eine schockierende Entdeckung ...

"Tag der Wahrheit" ist ein sehenswerter, packender Thriller. Er zeigt erschreckend glaubwürdig, wie verletzlich die zum Teil hoch betagten Kernreaktoren sind, von denen in ganz Europa noch rund hundert in Betrieb sind. Das Ganze wirkt beklemmend realistisch. Buch und Regie sind stimmig, die Darsteller hervorragend. Vor allem Florian Lukas zeigt als verbitterter, aber entschlossener Attentäter wieder einmal, wie intensiv und überzeugend er spielen kann.

Im Namen des Fernsehvolkes ergeht folgendes Urteil: Unbedingt ansehen.

"Tag der Wahrheit" läuft am 14. Januar um 20.15 Uhr im Ersten.

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