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Das Fernsehgericht: "Wir tun es für Geld": Keine Witzchen über die "Scheinehe"

Diana Amft und Florian Lukas als Paar, das nur aus steuerlichen Gründen heiratet: Mit der biederen Komödie "Wir tun es für Geld" liefert die ARD Gründe für die Abschaffungs des Ehegattensplittings.

Von Oliver Creutz

Moritz (Florian Lukas) und Ines (Diana Amft) haben gerade geheiratet - jedoch nur aus finanziellen Gründen

Moritz (Florian Lukas) und Ines (Diana Amft) haben gerade geheiratet - jedoch nur aus finanziellen Gründen

Reden wir über: Diana Amft. Sie hat schöne blonde Haare, so lang, so gelockt. Sie hat ein offenes, gleichmäßiges Gesicht, eine leicht spitze Nase. Sie ist die Sorte Frau, die ganz alltäglich aussieht, der wir so im Alltag aber nie begegnen. Nie würde sie an der Kasse vor uns anstehen, nie uns in einer Bar bedienen. Sie wirkt so nah und ist doch weit entfernt. Ideale Voraussetzungen, um in Deutschland angehimmelt zu werden.

Ein bisschen Star ist Diana Amft geworden dank der RTL-Serie "Doctor's Diary", welche die Karriere vieler Mitwirkender (Julia Koschitz, Elias M'Barek) auf ähnliche Weise beschleunigt hat, wie am Forschungszentrum CERN Teilchen beschleunigt werden. Man muss aber sagen, dass Diana Amft aus ihrer Bekanntheit bislang nicht viel gemacht hat. "Christine", eine Single-Sitcom auf RTL: eingestellt. "Josephine Klick", eine Polizisten-Sitcom auf Sat1: ein eher bescheidener Erfolg.

Bitte schafft das Splitting ab!

Jetzt der ARD-Film "Wir tun es für Geld": eine Steuerbetrüger-Komödie. Ines (Amft) heiratet Moritz (Florian Lukas), knutscht aber nach der Trauung mit Bernd herum. Sie hat Moritz nur wegen des Geldes geheiratet: Er verdient als Archivar so wenig, dass ihr eigener Steuersatz rapide sinkt - dem Ehegattensplitting sei Dank. Liebe Politiker, bitte schafft das Splitting ab, so bleiben uns in Zukunft Komödien wie diese erspart.

Den überwiegenden Rest des Films geht es darum, dass die Scheinehe nicht auffliegen soll. Warum ist dem Drehbuch-Autoren (Jens Urban) eigentlich kein Witzchen mit dem Wort "Scheinehe" eingefallen? Etwa: Die beiden führen eine Ehe, durch die mehr Scheine in der Geldbörse bleiben. Hat da jemand gelacht?

Warum spielt man bei so einem Film mit?

Der Steuerbetrug wird erschwert, als neben Moritz ausgerechnet ein Finanzbeamter einzieht. Einer, der die Polizei ruft, wenn in der Nachbarwohnung zu laute Jazzmusik läuft. Der junge Moritz hört nämlich gern Altmänner-Jazz. Was wiederum dem Steuerprüfer mit Namen Ekkehard Stöckelein-Grummler (Mördergag-Name!) dann doch behagt, weshalb er sich Moritz auf recht bücklingshafte Weise nähert: Er kocht ihm Kartöffelchen.

Genug der Inhaltsangabe, springen wir zum Ende: Ines und Moritz kriegen sich doch! Dank Ekki, dem Steuerfuchs. Hat auch was mit Tango zu tun.

"Wir tun es für Geld" - das wäre eine ehrliche Antwort auf die Frage der Schauspieler, warum man bei so einem Film mitspielt. Diana Amft aber sagt, sie habe es aus Lust getan. Weil eine Komödie wie diese doch anspruchsvoll zu spielen sei. Es gibt zwei Sorten von Schauspielern: Die einen beklagen ständig, dass es in Deutschland viel zu wenige gute Drehbücher gebe. Die anderen schwärmen, dass ein Drehbuch wie jenes zu "Wir tun es für Geld" gefühlvoll und unterhaltsam sei.

Florian Lukas, der Preise für "Goodbye, Lenin" und "Weissensee" erhalten hat, muss offenbar auch schauen, wie er seine Miete bezahlt, anders lässt sich nicht erklären, warum er bei dieser Klamotte mitgemacht hat. Und Diana Amft könnte mal über eine Image-Korrektur nachdenken, will sie ihren Glanz erhalten. Sonst fällt sie uns bald nicht mehr auf, sollte sie tatsächlich mal in der Kassenschlange vor uns stehen.

Urteil: Es ist Freitagabend, die Weltmeisterschaft pausiert. Man sollte die Zeit nutzen. Geht raus, redet miteinander, küsst euch, oder macht eure Steuererklärungen! Der Fernseher kann heute ausgeschaltet bleiben.

"Wir tun es für Geld", ARD, 27. Juni, 20.15 Uhr

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