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Aus von "Doctor's Diary": Und ewig lockt das Kino

Typisch deutsch? Das Aus für die erfolgreiche Fernsehserie "Doctor's Diary" stimmt Barbara Thielen traurig. In den USA funktioniere das besser, sagt die Serien-Entwicklerin von RTL.

Von Sarah Stendel

Wer in diesem Jahr die Emmy-Verleihung verfolgt hat, musste schon sehr genau hinsehen, um sie nicht mit den Oscars zu verwechseln: Gwyneth Paltrow hat nun neben ihrem "Shakespeare in Love"-Oscar auch einen Emmy für "Glee" im Schrank. Martin Scorsese wurde für seine Drama-Serie "Boardwalk Empire" geehrt. Kate Winslet flippte bei der Auszeichnung für ihre Rolle der "Mildred Pierce" fast aus. Ob TV oder Kino scheint Hollywoodstars mittlerweile egal.

Da hinkt Deutschland noch hinterher, wie die Serie "Doctor's Diary" nun gerade zeigt: Die Sitcom in Weiß begeisterte drei Staffeln lang erfolgreich Kritiker und Publikum. Trotzdem wird sie nun abgesetzt. Der Grund: Das Team um die Schauspiel-Stars Florian David Fitz und Diana Amft finde einfach keine Zeit für eine Fortsetzung. Zu gefragt seien die einzelnen Mitglieder der Eigenproduktion von RTL und ORF mittlerweile. Und zu verlockend sind offenbar die zahlreichen Filmprojekte, denen sich sowohl Fitz und Amft, als auch der Serienautor Bora Dagtekin momentan widmen.

US-Stars machen es vor

"In Deutschland besteht immer noch gefühlt diese Abstufung: Kino, TV-Film, Serie, Sitcom, Soap. Dabei ist das qualitativ längst nicht mehr so", sagt Barbara Thielen, Leiterin des Bereichs Fiction bei RTL, im Gespräch mit stern.de. Das sei ein grundsätzliches Problem. "Es fehlt das Verständnis, in einer Serie zu spielen und trotzdem andere Projekte zu machen. Hier wollen sich alle weiterentwickeln." Thielen habe dafür zwar Verständnis, sei aber trotzdem traurig. Sie persönlich empfinde gerade den Wechsel zwischen Serie und Film als ideal. Dass das wunderbar funktioniert machen US-Stars wie Jennifer Aniston schließlich schon lange vor.

Zwar konzentriert sich auch eine Jennifer Aniston mittlerweile verstärkt auf die große Leinwand, doch ist der Wechsel zwischen Fernsehen und Kino mittlerweile alltäglich. US-Serienstars arbeiten häufig nebenbei für Kinoprojekte. Im jungen Ensemble der Erfolgsserie "Gossip Girl" hat beispielsweise fast jeder bereits einen Filmauftritt vorzuweisen - zusätzlich zu seiner Serienverpflichtung. Hauptdarstellerin Blake Lively drehte in diesem Sommer sogar parallel: an Oliver Stones Thriller "Savages" und der Teenieserie. Auch ein Serienheld wie Hugh Laurie spielt neben seiner Paraderolle als "Dr. House" immer wieder in Filmen mit, zuletzt in der romantischen Komödie "The Oranges". Nicht zu vergessen die Wandler zwischen den Welten Sarah Jessica Parker, Kiefer Sutherland oder Neil Patrick Harris.

Kommt die Serie auf die Leinwand?

"Ich weiß nicht, warum das in anderen Ländern anders läuft und wie man dem Problem entgegenwirken könnte. Auf lange Zeit verpflichten bringt nichts, wenn keiner Lust darauf hat", so Thielen. Das sei aber bei "Doctor's Diary" nicht der Fall, "hier ist es wirklich an Terminproblemen gescheitert".

Aus welchen Gründen auch immer: Für die Fans der Serie ist die Entscheidung der Macher enttäuschend. Denn auch wenn der Autor Bora Dagtekin im Gespräch mit "quotenmeter.de" bereits Hoffnung auf eine filmische Fortsetzung schürt, sieht Barabra Thielen dafür erst einmal keine Zukunft: "Bei einem Filmprojekt stünden wir ja vor dem gleichen Problem: Wie kann ich alle zusammenkriegen?" Vielleicht lockt die Leinwand ja dann doch wieder.