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Ende für "Doctor's Diary": Gelobt, gefeiert, abgesetzt

Die Serie "Doctor's Diary" hat das deutsche Fernsehen geprägt. Selten war eine heimische Produktion so beliebt bei Zuschauern und Kritikern. Nun wird sie abgesetzt. Der Grund: Sie ist einfach zu erfolgreich.

Von Katharina Miklis

Als die Krankenhausserie "Doctor's Diary" vor drei Jahren bei RTL an den Start ging, stellte sie eine Trendwende im deutschen Fernsehen dar: Endlich waren heimische Produktionen wieder erfolgreich. Die totgeglaubte deutsche Serie wurde zum Leben erweckt. Der Mut des Senders, nicht allein auf amerikanische Erfolgsproduktionen zu setzen, zahlte sich aus. Selten hatte eine in Deutschland produzierte Comedy-Serie einen derartigen Erfolg. Es gab gute Quoten und massenhaft Preise für die Serie von Drehbuchautor Bora Dagtekin ("Türkisch für Anfänger"), in deren Mittelpunkt das chaotische Leben und Lieben der Assistenzärztin Margarete "Gretchen" Haase steht. Auf den Deutschen Fernsehpreis folgten der Deutsche Comedypreis, der Adolf Grimme Preis und auch der Bayerische Fernsehpreis. Eine neue Generation deutscher Serien war geboren: Der Erfolg der Reihe machte den Weg frei für eigenproduzierte Formate wie "Danni Lowinski" oder "Der letzte Bulle".

Jetzt wird die Serie also eingestellt. Eine vierte Staffel wird es nicht geben. Der Grund: Sie ist einfach zu erfolgreich. Ihren Schauspielern, allen voran Florian David Fitz, Diana Amft und Kai Schumann, stehen alle Türen offen. Filmangebote stapeln sich. Für "Doctor's Diary" bleibt da keine Zeit.

Durchbruch für Fitz und Amft

Vor allem für Florian David Fitz bedeutete "Doctor's Diary" der Durchbruch. Zwar war er bereits zuvor hin und wieder im Fernsehen zu sehen, mal beim "Bullen von Tölz", ein anderes Mal im "Polizeiruf" oder bei "Rosamunde Pilcher". Seit dem Erfolg der deutschen Arztserie, in der er den leitenden Oberarzt Marc Meier mimt, spielt er jedoch in einer anderen Liga. Aktuell ist er in Til Schweigers Kinofilm "Männerherzen" zu sehen. Für seine Rolle im Tourett-Drama "Vincent will Meer" erhielt der 36-Jährige den Bambi und den Deutschen Fernsehpreis als bester Schauspieler. Das Drehbuch dazu hatte er selbst geschrieben. Die Verfilmung seines Regiedebüts "Jesus loves me", nach einem Roman von David Safier, hat er gerade abgeschlossen. Momentan bereitet er sich laut Management auf die bevorstehenden Dreharbeiten von "Die Vermessung der Welt" vor (Regie: Detlev Buck).

Auch Kollegin Diana Amft ist dick im Geschäft. Im wahrsten Sinne: Seit ihrem Erfolg als genusssüchtige Ärztin Gretchen Haase ist sie auf die Rolle der deutschen Bridget Jones festgelegt - mal für die ARD ("Liebe und andere Delikatessen") ein anderes Mal für Sat.1 ("Plötzlich fett!"). Gerade erst vor ein paar Tagen war sie an der Seite von Uwe Ochsenknecht im ARD-Krimi "Der Bulle und das Landei" zu sehen. Ihr Film "Frisch gepresst" nach dem Roman von Susanne Fröhlich ("Moppel-ich") kommt demnächst ins Kino.

RTL verliert einen Quotengaranten

Die etlichen Verpflichtungen der Serienbeteiligten bedeuten nun also das Aus für die Reihe, die in den vergangenen Jahren beim Publikum und Kritikern bestens abgeschnitten hatte. Vor allem für den Sender, der sich bislang mit dem Prestigeprojekt schmücken konnte, ist das bitter. "Nach vielen Gesprächen mit allen Beteiligten vor und hinter der Kamera ist jetzt klar, dass sich das Team von 'Doctor's Diary' auf längere Sicht nicht mehr zusammenbringen lässt, da sie von anderen Projekten beansprucht werden", erklärt die RTL-Bereichsleiterin Fiction, Barbara Thielen. "Wir bedauern diesen Umstand sehr und hätten gerne noch eine weitere Staffel beauftragt." Nach drei Staffeln mit insgesamt 24 Folgen findet die von Polyphon produzierte RTL-Serie damit ein überraschendes Ende. Kleiner Trost: Zum Abschied bietet RTL das Serien-Finale noch einmal zum kostenlosen Online-Abruf an.