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"Weissensee"-Star Jörg Hartmann: "Der Erfolg des Rechtspopulismus hat mit der Krise des Mannes zu tun"

Interessante These: Der Schauspieler Jörg Hartmann führt den Erfolg des Rechtspopulismus auf überforderte Männer zurück. Das sagte der "Weissensee"-Star in einem Interview.

Jörg Hartmann und Florian Lukas in "Weissensee"

Jörg Hartmann und Florian Lukas in der ARD-Serie "Weissensee"

ARD

In der ARD-Serie "Weissensee" spielt er den linientreuen Stasi-Offizier Falk Kupfer. Privat vertritt der Schauspieler Jörg Hartmann dagegen sehr differenzierte Ansichten über den DDR-Staat und die Menschen, die ihn getragen haben. So habe er durch die Beschäftigung mit seiner Serienfigur viel gelernt darüber, wie leicht Menschen ein Unrechtssystem legitimieren können: "Wenn man an die Sache glaubt, kann man auch die Methoden verteidigen", sagt Hartmann im Gespräch mit "Zeit.de". Er habe nicht verstanden, warum Falk Kupfer für viele ein Arschloch ist.

Die in dieser Woche (Dienstag bis Donnerstag) ausgestrahlte vierte Staffel von "Weissensee" zeigt die letzten Monate der DDR vom Mauerfall bis zur Wiedervereinigung. Für  liegt in diesen Monaten die Ursache für vieles, was das Verhältnis von Ost und West belastet. Ostdeutsche seien damals von vielen als minderwertig abgestempelt worden. Während in vielen Filmen die Einheit als Erfolgsgeschichte mit Happy End dargestellt werde, seien die interessanten Sachen im Hintergrund abgelaufen: "Wie sich da etwa westdeutsche Banken und Versicherungen die größten Tortenstücke gesichert haben." Damals sei ein Unmut entstanden, der bis heute anhalte.

"Weissensee" zeigt die Wendezeit

Ähnlich hat sich auch Schauspieler Florian Lukas im stern-Interview geäußert. Auch er glaubt, dass viele Probleme des heutigen Deutschlands ihre Ursache in der Zeit der Wiedervereinigung haben: "Es wäre langsam mal an der Zeit darüber zu sprechen, was passiert ist. Ich rede nicht nur von Verletzungen und Traumata, sondern von Brüchen, die einfach da sind, die es zu bewältigen galt. Und die die meisten Leute auch bewältigt haben."

Während sich der in Ost-Berlin geborene Lukas dagegen verwehrt, ostdeutsche Männer im Allgemeinen zu diffamieren, gesteht sich der gebürtige Hagener Hartmann ein, dass er heute mit einem anderen Gefühl nach Dresden fährt als früher. "Dieses Abdriften des Ostens ins Rechtspopulistische macht mir schon Sorgen." Doch auch Hartmann verwahrt sich gegen das "Vorurteil des frustrierten Ostdeutschen". Er hat eine andere Erklärung für den Erfolg des . Für den "Tatort"-Darsteller hat das mit der Krise des Mannes zu tun. "Der ist völlig überfordert damit, dass die Frau ihm nun auch offiziell ebenbürtig ist und nicht mehr nur das Heimchen am Herd ist." 


che