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Das Fernsehgericht tagt: "Friesland": Die Schein-Friesen

Bisher hat das ZDF mit seinen neuen Freitagskrimis nur Volltreffer gelandet. Mit "Friesland - Mörderische Gezeiten" liegt der Sender nun leider arg daneben.

Von "Judge" Kester Schlenz

Wie man lustige Krimiserien macht, hat das Erste mit der Reihe "Mord mit Aussicht" ganz hervorragend gezeigt. Da verbinden sich Witz mit Lokalkolorit und tollen schauspielerischen Leistungen. Und die Drehbücher sitzen. So etwas wollte das ZDF offenbar auch haben und schuf die neue Reihe "Friesland". Das Setting hörte sich erst einmal vielversprechend an. Das Ganze spielt nicht in der dunklen Eifel, sondern in der ostfriesischen Provinz. Möwen kreischen über Deichen, und die Leute sind so richtig schön wortkarg und "eigen". In dieser prickelnden Umgebung teilen sich die beiden Polizisten Jens Jensen (Florian Lukas) und Süher Özlügül (Sophie Dal) einen Streifenwagen. Ein ungleiches Team: Jens ist ein eher dröger Phlegmatiker, Süher die attraktive Quirlige, die unterfordert ist, sich zu Höherem berufen fühlt und heiß auf richtige Fälle ist.

So einen bekommt sie dann aber schnell: Die beiden jungen Bullen entdecken, dass der Tod einer Frau offenbar von höherer Stelle als Selbstmord vertuscht werden soll und beginnen, eigene Nachforschungen anzustellen, unterstützt von der hyperaktiven, krimibegeisterten Apothekerin und Hobby-Forensikerin Insa Scherzinger (Theresa Underberg). Natürlich gibt es reichlich Ärger, weil die Streifenpolizisten ihre Kompetenzen meterhoch überschreiten, aber schließlich deckt das ungleiche Team Abgründe aus Korruption und - wow! - Hausfrauenprostitution auf.

Brachial auf lustig getrimmt

Das hört sich ja alles ganz putzig an. Aber leider spielt die Geschichte nicht nur auf dem platten Land, sondern beruht auf einem ebenso platten Drehbuch. Das Ganze ist von vornherein so bemüht und brachial auf lustig getrimmt, dass man schnell die Lust am Gucken verliert. Die Chemie zwischen Dal und Lukas stimmt nicht, obwohl beide eigentlich sehr gute Darsteller sind. Man nimmt ihnen und dem Rest der Darsteller zudem die Friesen schlicht nicht ab. Sämtliche Figuren sind überzeichnete Holzschnitte, dramaturgisch wie mit der Axt gezimmert. Weniger wäre hier wirklich mehr gewesen.

Noch kann man die Reihe retten, denn eigentlich ist die Grundidee gut und die beteiligten Schauspieler können ja was. Man muss ihnen nur etwas Raum für Zwischentöne geben, statt dem Zuschauer mit der Tuba ins Gesicht zu blasen.

Das Urteil: Enttäuschender Beginn einer neuen Reihe. Neugier wird beim Gucken zum Kopfschütteln, dann zum Kopfschmerz. Die Therapie: Abschalten. Die Strafe wird zur Bewährung ausgesetzt. Diese Schauspieler können mehr, wenn man ihnen vernünftige Drehbücher gibt. Noch ist Friesland nicht verloren.

"Friesland - Mörderische Gezeiten" läuft am Samstag, 3. Mai, um 20.15 Uhr im ZDF.