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Henriette Confurius in "Tannbach": Das bezaubernde Mädchen aus der Vergangenheit

Henriette Confurius ist das neue Gesicht im deutschen TV. Ihre Spezialität: Rollen wie die im ZDF-Dreiteiler "Tannbach". Keine gibt so überzeugend wie sie die junge Frau aus der Vergangenheit.

Von Kester Schlenz

Henriette Confurius: Wer ist die Schöne aus "Tannbach"?
Henriette Confurius

Henriette Confurius ist zurück in der Rolle, für die sie 2015 den Bambi erhielt. In dem ZDF-Mehrteiler "Tannbach - Schicksal eines Dorfes" begeisterte sie damals Zuschauer wie Kritiker. Der Bambi war nicht ihre erste Auszeichnung: Bereits zwei Mal, 2004 und 2009, wurde sie beim Deutschen Fernsehpreis mit dem Förderpreis geehrt.

Schon dieser Name: Henriette Confurius. Das klingt nach Tochter aus bestem Hause. Nach Klavierunterricht und Tischsitten. Und wenn Vater wieder mal zu streng ist, dann reitet Henriette wütend mit ihrem Hengst Werther ohne Sattel über die Latifundien. Schönes Klischee. Henriette Confurius lacht. Sie weiß, dass sie gern so besetzt wird im deutschen Fernsehen.

Die höhere Tochter. Die junge Gräfin. Oder die "Holzbaronin". Letztere spielte eigentlich Christine Neubauer im gleichnamigen TV-Film vor zwei Jahren. Aber als die Handlung in die Vergangenheit springt, musste Henriette Confurius ran und Frau Neubauer in jungen Jahren verkörpern. Gut hat sie das gemacht.

Auch im #link;http://www.stern.de/kultur/film/kinotrailer-die-geliebten-schwestern-2127003.html;Kinofilm "Die geliebten Schwestern"# überzeugte sie als Ehefrau des Dichters Friedrich Schiller. Kein Zweifel: Historische Stoffe liegen Henriette Confurius. Ihr schönes Gesicht mit den grünblauen Augen und der markanten Nase wirkt wie aus der Zeit gefallen. Stets umwölkt von einem Hauch Melancholie und einer Sehnsucht nach dem unverfälschten Leben.

Mit Bravour gibt Confurius die empfindsame, aber starke junge Frau, die in voremanzipatorischen Zeiten ihren Weg gehen will. Kostüme trägt sie mit einer beinahe aufreizenden Selbstverständlichkeit. Nie wirkt sie dabei verkleidet. Immer zeitgemäß. Und vor allem: stets glaubwürdig. Ein Vollprofi mit 23 Jahren.

"Bin in die Schauspielerei reingerutscht"

Confurius wurde 1991 in Berlin geboren. Ihre Eltern trennten sich, als sie acht war, und Henriette sowie ihre beiden Brüder wuchsen bei der Mutter auf, einer Niederländerin. Die arbeitete damals als Schauspielerin, und so kam Henriette sehr früh mit ihrem späteren Job in Berührung. "Ich bin in die Schauspielerei so reingerutscht", sagt sie. "Meine Mutter hatte mich mit zu einem Casting genommen. Der Regisseur Ulrich König sah mich und sagte zu mir: 'Sprich bitte mal das Wort Molekularbiologin aus.'" Sie tat es und scheint den Mann sofort überzeugt zu haben. "Er hat mir eine winzige Rolle in seinem Film gegeben, wo ich eigentlich nur auf dem Schoß meiner Filmmutter sitzen und sie von ihrer Arbeit abhalten sollte. Das hat Spaß gemacht. In seinem nächsten Film bekam ich dann eine größere Rolle."

Confurius wurde schnell zu einer gefragten Kinderdarstellerin und blieb bei der Schauspielerei. Gelernt hat sie es nie. Es gab nicht mal Privatstunden. Kaum zu glauben, wenn man sie auf dem Bildschirm oder der Leinwand sieht. Confurius ist ein Naturtalent, die ihre oft emotionalen Rollen mit beinahe erschreckender Glaubwürdigkeit spielt. Jede Gefühlsregung kann man in ihrem Gesicht sehen. Sie packt den Zuschauer sofort.

Technik, sagt sie, sei das nicht. "Ich finde es wichtig, meine Rollen auch zu spüren. Ich spiele das eigentlich nicht, ich bin das in dem Moment. Das strengt mich am meisten an. Denn manchmal beschäftigt mich das sehr lange noch. Aber diese Emotionen sind auch der Grund, warum ich meinen Beruf so liebe."

Die vielen historischen Rollen mag sie. Sie findet es spannend, sich in den Kopf einer Gleichaltrigen zu versetzen, die in einer anderen, weniger freien Zeit gelebt hat. Sie fragt sich stets vor den Dreharbeiten: Was bedeutet das für das Leben dieses Mädchens, in so einer Zeit aufzuwachsen? Was bedeutet es für sie, sich zu verlieben? "Ich weiß ja", sagt Confurius, "wie sich die Liebe anfühlt. Das ist manchmal schwer genug. Aber wie schwer muss das sein, wenn man obendrein gesellschaftlichen Zwängen ausgesetzt ist?" Mit Zwängen sieht sie sich auch in ihrem nächsten großen Film konfrontiert: "Tannbach – Schicksal eines Dorfes". Dieser wuchtige ZDF-Dreiteiler festigt ihr Image als die Frau fürs Historische weiter.

"Tannbach": Ein Dorf wird geteilt

"Tannbach" erzählt die bewegte Geschichte eines fiktiven Dorfes an der Grenze zwischen Bayern und Thüringen. Die Handlung beginnt in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs. Anna von Striesow (Confurius), die Tochter adliger Gutsbesitzer, muss mit ansehen, wie ihr privilegiertes Leben in kurzer Zeit zusammenbricht. Die Mutter (Natalia Wörner) wird erschossen, der Vater (Heiner Lauterbach) gerät in Kriegsgefangenschaft. Schließlich teilen die amerikanischen und sowjetischen Sieger nach einigem Hin und Her das Dorf. Anna muss im Osten bleiben. Der Striesow’sche Landbesitz wird enteignet, und Anna als Angehörige des dekadenten Adels steht im neuen, sozialistischen Deutschland vor dem Nichts.

Aber da ist ja noch der junge, fesche Friedrich (Jonas Nay) aus einfachen Verhältnissen. Adel trifft Arbeiterklasse. Liebe entflammt, und das junge Paar versucht einen Neustart zwischen Zwangskollektivierung und Wiederaufbau. Das ist bewegendes, gut gemachtes Gefühlsfernsehen. Mit starken Frauenrollen: Neben Confurius brillieren Nadja Uhl und Martina Gedeck. Auch die Männerparts sind solide besetzt: Heiner Lauterbach mimt den zackigen Grafen, Roland Zehrfeld einen aufrechten Kommunisten, und Alexander Held zeigt als Nazi wieder einmal, wie bravourös er die Drecksau geben kann.

Nur im dritten Teil geht der Geschichte etwas die Luft aus. Da wird das Ganze etwas zu hastig zu Ende gebracht und auch schnell die Stasi mit abgefrühstückt. Macht aber nichts. Henriette Confurius ist ja da. Sie ist der dramatische Dreh- und Angelpunkt aller drei Teile. Und sie langweilt in keiner Sekunde.

Trotz der paar Schwächen: Henriette Confurius hat in "Tannbach" ihre Meisterprüfung abgelegt. Sie zeigt: Auch wenn sie selbst keineswegs blaublütig ist, adelt sie jeden ihrer Filme.

Teil 2 und 3 von "Tannbach - Schicksal eines Dorfes" laufen am 5. und am 7. Januar um 20.15 Uhr im ZDF. Wer Teil 1 verpasst hat, kann ihn sich in der ZDF-Mediathek anschauen.