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"The Masked Singer" Carolin riecht an der Gurke – und ein Schwein bekommt Flügel

800 Stunden und teure Swarovski-Steine – Die aufwendigsten Kostüme
Sehen Sie im Video: "The Masked Singer" – das sind die aufwendigsten Kostüme der beliebten TV-Show.
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Kaum zwei Monate nach dem Finale der dritten Staffel meldet sich "The Masked Singer" bereits mit einer neuen Ausgabe zurück. So zackig dürfte es in der Sendung selbst auch gern zugehen, unterm Strich dennoch ein spe(c)ktakulärer Spaß.
Von IngoScheel

Erinnert sich eigentlich noch jemand an "The Masked Singer"-Folgen mit Studiopublikum? Eine Momentaufnahme wie aus einer versunkenen Welt, nur ein Mal, bei der Premiere im Sommer 2019, fand der Maskenball bei ProSieben bislang in vollem Saale statt. Hatte Staffel 2, die erste Pandemie-Ausgabe während der Lockdown-Premiere, noch so etwas von latent unwirklichem Lagerfeuer-Fernsehen mit Durchhalte-Faktor, ist es jetzt schon fast ein bisschen Alltag: Jury, Mummenschanz, Hupfdohlen, Stierleader, der gute Opdi – und das war es dann. Stell dir vor, es ist Fasching – und keiner geht hin. Bei "The Masked Singer" kann man es sich zumindest vor der Röhre ein wenig kommod machen und die Kamelle halt selbst verschnabulieren.

"The Masked Singer" mit neuer, alter Jury

Zehn Kandidaten sind erneut angetreten, um sich mal mehr, mal weniger kompetent, stets aber aufwändig anonymisiert, Richtung Finale zu performen. In der Jury gab es einiges an Stühlerücken. Bülent Ceylan, der Meister der merkwürdigen Mutmaßungen, lässt sein Haar wieder woanders herunter, auch Sonja Zietlow ist nicht mehr dabei. Stattdessen Oldschool-Faktor am Tisch, mit Ruth Moschner und Rea Garvey sind wieder zwei bekannte Gesichter dabei, auch Gastjurorin Carolin Kebekus kein Rookie in dieser Runde, das bedeutete fast schon ein wenig Tradition, Mathias Opdenhövel ist ja eh gesetzt.

Wie sagte es die hochmotivierte Ausnahmsweisemitguckerin an der Seite des Schreibers dieser Zeilen so richtig: "Bei der ersten Sendung muss man sich immer erstmal ein bisschen an die Kostüme gewöhnen". Und genau so war es denn auch, wobei für eine Kandidatin kaum Zeit blieb, sich näher mit ihr zu befassen, da sie sich am Ende dieses Stapellaufs bereits wieder trollen musste, aber dazu mehr nach ein paar Zeilen über das sonstige Geschehen.

War es dem nicht nur visuell, sondern eben auch auditiv von so vielen neuen Eindrücken geprägten Erlebnis geschuldet oder liegt die gesangliche Qualität dieses Mal ein paar Niveau-Nuancen unterhalb der vorigen Staffeln? Wobei – es IST ja auch gar keine Gesangsshow, es geht um den GESAMTeindruck. Auch daran muss man sich erstmal wieder gewöhnen. Bleiben also die Performances. Da war zunächst der Dino, ein zahnbespangter Allosaurus junior im Schlafanzug. Seine Version von BTS’ "Dynamite" laut Rea Garvey nur vorgetäuscht brüchig, als ewiger Verdachtsmoment-Wiedergänger war hier direkt von Dr. Alban die Rede.

Keinen Zahnarzt, sondern womöglich einen guten Ohrenarzt hätte man an der einen oder anderen Stelle bei der Leopardin gebraucht. Die hatte sich nicht nur dasselbe Dress wie Carolin Kebekus ausgesucht, sondern fand in den von oberen Bereichen von Tina Turners "Golden Eye" derart eigenwillige Töne, dass kurz die Matrix ruckelte und man froh war, dass Ike Turner nicht in der Nähe war. Noch intensiver gerieten da nur die Allegorien des Leopard 2, Frau Kebekus, die meinte, sie könnte die Stimme identifizieren, dann aber doch verzweifelt scheiterte: "Das ist, als wenn man an der Gurke riecht und die dann doch nicht erkennt." Von der Gurke zu den ersten Namen, die kursierten, ein ebenso kurzer wie kaum nachvollziehbarer Weg, aber auch das ja einer der gefühlsintensiven Reizpunkte dieser Sendung: Sarah Connor. No Angels. Oder vielleicht doch einer von den Ehrlich Brothers?

Das Schwein ist Kathrin Müller-Hohenstein

Das Küken jedenfalls klang nach Veronica Ferres an einem guten Tag. Der Flamingo, so Rea, "weiß, was er tüt" und könnte "Conchita Wörst" sein. Vom Wörst Case zum Monstronauten ein kurzer Weg: Der rotgewandete Kandidat mit den extralangen Armen wurde als Liebesfrucht vom Astronauten und dem Monsterchen aus der ersten Staffel angekündigt, "Born This Way", der durchaus passende Song dazu, nicht nur die Originalinterpretin, sondern auch das Ratespielchen danach "gaga": Tore Schölermann oder Joko Winterscheidt könnten es sein. Oder vielleicht doch Tim Mälzer? Während die Leopardenlady, der Dino und das Küken im Anschluss direkt eine Runde weiterkamen, mussten Flamingo und Monstronaut noch zittern und die zweiten fünf Kandidaten durchstehen.

Das Schwein in der ersten Folge der vierten Staffel der ProSieben-Show "The Masked Singer"
Das Schwein musste sich am Ende der ersten Folge von Staffel vier der ProSieben-Show "The Masked Singer" bereits wieder vom Acker machen
© Willi Weber / ProSieben / DPA

"In der zweiten Hälfte gibt es nur noch Werbung und die Show selbst ist die Unterbrechung", die Anmerkung bereits erwähnter Mitguckerin – und in der Tat: Mit fortschreitender Sendungsdauer packt "The Masked Singer" die Commercial-Bazooka aus und feuert eine Breitseite nach der anderen ins so schöne Format. Wer bei all den durchs Bild drehenden Pizzen und Autos und Riegeln dennoch dranbleibt, bekommt einen Stier zu sehen, der "Seven Nation Army" zusammen mit Bowies "Heroes" auf die Hörner nimmt, und ein Einhorn, das wiederum Ruth Moschner mit Nora Tschirner und Jenny Elvers zusammen in einen Topf wirft. Das ominöse Quokka, übrigens ein Setonix brachyurus, ein australisches Kurzschwanz-Känguru, versuchte sich als DJ und an Faithless’ "Insomnia". Anschließend ging bei dem zu Herzen gehend traurig dreinschauenden Schweinchen die Sonne von Bob Marley auf. Mit der Schildkröte stieg das stimmliche Niveau dann doch nochmal, klang die "In the Air Tonight"-Version der trällernden Turtle nach dünnem Einstieg – und dem ikonischen Drumbreak aus dem Hause Collins – dann doch noch ein paar Zeilen lang nach Siegermaterial.

Demgegenüber stand am anderen Ende der Skala das arme Schwein, das sich dem Urteil der Zuschauer beugen und sogleich wieder vom Acker machen musste. Die spe(c)ktakuläre Enthüllung brachte schließlich das verschwitzte Antlitz von ZDF-Sport-Moderatorin Kathrin Müller-Hohenschwein, Verzeihung, Hohenstein ans Tageslicht. Fazit des ersten Durchlaufs: Verlässliches Entertainment, die Commercial-Taktung gerade mit Blick auf die zuvor kommunizierte "Straffung" des Formats, gen letztes Drittel spürbar ermüdend. Die ganz subjektiven Verdachtsmomente im Nachhall des Erlebten: Der Dino ist Klausi Beimer, der Stier Lukas Podolski. Und die Leoparden-Lady könnte Dschungelkönig Prince Damien sein. Das alles (natürlich) ohne Gewähr. In einer Woche geht es weiter.


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