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"The Voice of Germany" bei Sat.1 Buzzer dir einen!


Es ist geschafft: Die erste Runde mit den Blind Auditions bei "The Voice of Germany" ist vorbei. Die sechste Show zog sich etwas in die Länge – ein Highlight hob aber immerhin zwei Juroren aus ihren Stühlen.
Von Hannah Wagner

Zum sechsten Mal hieß es am Freitag "Bühne frei" für die Kandidaten von "The Voice of Germany": Junge Menschen treten im Fernsehen gegeneinander an, um einen Titel für ihre Stimme zu gewinnen und – im besten Fall – eine Musikkarriere zu starten. Bewertet wird das Ganze von einer Jury. Noch eine Castingshow halt. Doch diese Variante möchte anders sein. Diese will echte Talente hervorbringen, wird ständig für ihre qualitative Hochwertigkeit, ihre Nüchternheit und Professionalität gelobt.

Das Prinzip: Alles fängt erst einmal ganz normal an. Wie bei jeder anderen Castingshow auch. Aufgeregte Menschen reden von ihrer "größten Chance", ihrem "Lebenstraum", den sie sich mit der Teilnahme an dieser Show erfüllen wollen. Nach einem kurzen Statement geht es auf die Bühne: Der Kandidat singt, die fünf Jurymitglieder müssen sich beim Urteil vollends auf ihr Gehör verlassen – sehen können sie den jeweiligen Sänger nicht. Die Jury, bestehend aus Nena, Rea von Reamon, Xavier Naidoo sowie Alec Völkel und Sascha Vollmer von The BossHoss sitzt mit dem Rücken zur Bühne in ausladenden Drehstühlen. Gefällt eine Stimme, können die fünf einen am Sessel angebrachten Buzzer drücken. Der Stuhl dreht sich um, und der Kandidat ist eine Runde weiter. Drücken mehrere Juroren, kann der Künstler sich aussuchen, mit wem er in den nächsten Wochen gerne arbeiten möchte.

Allgemeine Buzzer-Freundlichkeit

So weit so gut. Das Positive am neuen Format ist auf jeden Fall eines: Alles, was vollkommen talentfrei ist, schafft es bei dieser Sendung nicht ins Fernsehen. Die programmierten Totalausfälle, die den Zuschauer vor Fremdscham im Sessel winden lassen, wurden im Vorhinein aussortiert. Auf die Bühne darf hier nur, wer Talent und eine schöne Stimme hat. Das macht das Zuschauen natürlich sehr angenehm. In der letzten Runde der "Blind Auditions" konnte man sich also wieder an frischen, klaren Stimmen und ihren Geschichten erfreuen, die nicht allzu massiv auf die Tränendrüse drückten.

Auch die Jury freute sich zweifelsohne: Von 15 angetretenen Kandidaten verpassten lediglich drei den Sprung in die nächste Runde. Aber vielleicht lag die allgemeine Buzzer-Freundlichkeit auch schlicht daran, dass die Jurymitglieder ihre Teams vollbekommen mussten. Jeder Coach darf 16 Sängerinnen und Sänger in seinem Team haben, die in den nächsten Shows gegeneinander antreten. The BossHoss und Rea Garvey schienen ihren roten Hot Button zeitweise jedenfalls eher mit dem einer Gameshow zu verwechseln. Frei nach dem Motto "Jippieh, ich habe den Song erkannt" drückten sie fleißig drauflos. Auch Nena konnte sich nur schwer zurückhalten, bei all dem Talent, was ihr zu Füßen lag. Sie buzzerte sogar noch, als ihr Team eigentlich schon voll war. Der einzige, der sich bedeckt hielt und hier und da noch etwas rumzumäkeln hatte, war Xavier Naidoo: Die Töne zu schief, der Gesang zu stumpf – eben das, was ein Profi so sagen muss, wenn ihm was nicht gefällt.

Das Prinzip verliert an Originalität

Im Großen und Ganzen fügte sich auch diese letzte Episode der Blind Auditions mehr in die Reihe Ringelpietz mit Anfassen als fieser Castingshow-Kampf. Gerade dadurch war sie aber auch ein bisschen dröge. Nach sechs Sendungen ist das Prinzip spätestens ein bisschen alt geworden. Wir wissen, alle die gesungen haben, können das auch. Die großen Überraschungen blieben aus – keine Stars, die sich aus der Masse hervorheben. Einziges Highlight war der letzte Kandidat: Stefan Zielasko aus Düsseldorf mit seiner Version von "Nur in meinem Kopf". Nena und Rea tanzten, alle drückten und Xavier Naidoo ließ sich sogar zu einem Jubelruf hinreißen. Obwohl er sich genauso gut oder schlecht anhörte wie die anderen. Vielleicht kann ein Stimm– und Gesangslaie wie ich das aber auch nicht beurteilen. Wenn ich einen schiefen Sänger neben einem tollen höre, weiß ich, wer besser ist. Zwischen zwei guten den besseren auszumachen – zu viel verlangt. Aber dafür haben wir ja die Jury. Und die findet eh alles toll. Auch für die, die sie nach Hause schicken gibt es tröstende Worte, Lob und gute Wünsche.

Noch weitere Blind Auditions, und den Zuschauern wäre es langweilig geworden. Gut also, dass es ab kommender Woche in eine neue Runde geht. Ob hier dann auch wirklich neues Format neues Glück bedeutet, wird sich zeigen. Vielleicht wird bei "The Voice of Germany" ein neuer Superstar geboren. Wahrscheinlicher ist aber, dass auch der Gewinner dieser Sendung früher oder später irgendwo im Casting-Nirwana verschwindet – egal wie gut er sein mag.

Hannah Wagner

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