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"Wetten, dass...?" aus Berlin: Queen Uma macht den Unterschied

Auf die Reich-Ranicki-Qualitätsdebatte ging Thomas Gottschalk nur am Rande ein - und steigerte sich stattdessen in eine der besseren "Wetten, dass…?"-Ausgaben. Dabei kam ihm ein Glücksgriff bei der Gästeauswahl zugute: Uma Thurman bescherte der Couch-Runde Inspiration und Charme.

Von Peter Luley

"Ist unsere Jugend noch bereit, sich für Bildung hinzugeben?", wollte Thomas Gottschalk eingangs von seinem als Wettpate geladenen Spezi Günther Jauch wissen, "hier im ZDF ist das ja keine Frage, aber du bist da bei RTL natürlich schon manchmal umgeben von Dingen…" Er habe den Auftrag bekommen, diese Frage "im Interesse eines gewissen Bildungsfernsehens zu stellen", fügte er entschuldigend hinzu und parodierte Marcel Reich-Ranicki: "Frrragen Sie den Jauch!", polterte er im Tonfall des Literaturkritikers. Jauch antwortete cool, es komme halt auf die Auswahl der Sendungen an - und damit hatte es sich auch schon mit Verweisen auf die große TV-Qualitätsdebatte.

Eine gute Entscheidung, denn so konnte der Entertainer, gewandet in eine lilafarbene Lederhose, in der 177. "Wetten, dass…?"-Ausgabe das tun, was er im günstigen Fall besser kann: einen Kessel Buntes dirigieren, Leuten ein Podium bieten, wenn sie von sich aus Esprit versprühen.

Die Anfangsphase gestaltete sich trotz der routinierten Kabbeleien mit dem bewährten Sparringspartner Jauch noch schwergängig. Niedlich, aber bemüht waren die Kinderwetten um ein Flohwalzer spielendes Mädchen sowie einen sechsjährigen Jungen, der alle 43 US-Präsidenten aufzusagen vermochte. Ein bisschen abgedroschen die Idee zweier Bürokollegen, sich Radiergummis mit einem als Schleuder eingesetzten Locher in den Mund zu schießen. Nett, aber belanglos die Konversation mit Gold-Gewichtheber Matthias Steiner. Und geradezu gequält die Kommunikation mit Ami-Rocker Kid Rock, der nach seinem Liedbeitrag noch für eine Pflicht-Frist auf der Couch Platz nehmen musste. Die maßvolle Hauptattraktion der ersten Stunde bildete da ein eingelöster Wetteinsatz von Günther Jauch, der in Kniestrümpfen und Turnschlappen rhythmische Sportgymnastik aufführen musste.

Erst als Kid Rock die Kinder rausgebracht und Alicia Keys ihre "Superwoman" abgeliefert hatte, kam mit Anke Engelke und Ulrike Kriener zum ersten Mal Leben in die Runde. "Du bist nicht der Vater", konterte die erfrischend schnippisch aufgelegte Engelke Gottschalks Hinweis auf ihre Schwangerschaft. Um wenig später, als der Gastgeber ihr die Hand auflegte, in Anspielung auf dessen berüchtigte Antatscherei zu kieksen: "Das war die erste Berührung, da werd' ich gleich wieder schwanger". "Das ist das Väterliche, ich werd' doch immer missverstanden", verteidigte sich der Attackierte grummelig. Kurz staunen konnte man über zwei Mädchen, die es schafften, sich per Pusten in Badeschaum über Musiktitel zu verständigen. Und dann, um 21.45 Uhr, war es so weit: Uma Thurman enterte die Bühne. Von da an ging's rapide aufwärts.

Der große Lichtblick

Schon bei der Vorstellung der in Woodstock geborenen Hollywood-Aktrice schien sich Gottschalk mehr Mühe zu geben als gewöhnlich, wusste Details über ihre Hippie-Familie und sprach mit ihr so interessiert wie interessant über ihren deutschen Großvater und ihre schwedische Mutter. Und weil Thurman seine Themensprünge locker wegsteckte, selbst auf doofe Fragen wie die, ob Kollegen wie Travolta und Clooney wirklich so toll seien, gute Antworten hatte (sind alle übermenschlich toll, nur manchmal etwas kleiner, als man denkt), entstand mehr als der übliche "Always a pleasure"-Smalltalk, über den "Wetten, dass…?" ja so oft nicht hinauskommt. Dass Gottschalk erst nach mehrmaligem Falschaussprechen einfiel, zu klären, ob ihr Vorname denn nun "Juma" oder "Uma" laute (Letzteres) - geschenkt. Schon dass er's überhaupt tat, muss als Besonderheit gewertet werden.

Angesichts dieses unverhofften Höhenflugs war es nur standesgemäß, dass die "Pulp Fiction"-Heldin auch die mit Abstand spektakulärste Wette des Abends zu beschirmen hatte: einen Kletterer, der behauptete, ein 18-stöckiges Hochhaus in Frankfurt am Main schneller an Saugnäpfen über die Außenfassade erklimmen zu können als ein trainierter Treppenläufer auf konventionellem Weg. "Yes he can", votierte Thurman, bescherte der Runde damit gleich noch eine kleine Obama-Wahlnachlese - und lag richtig: In einem spannenden Wettkampf, den die Mimin mit begeisterten "Go, go, go, go!" und "Yes, yes, yes, yes"-Rufen anfeuerte, schaffte er es. Und ihre Anteilnahme für den Kandidaten ging noch weiter: "What does he win?", fragte sie nach dem Bravourstück fordernd mit Blick auf ein als Gewinnspielpreis bereitstehendes Luxusauto, "kriegt er das Auto oder so?" Da lief auch Gottschalk zu Hochform auf: Nach der halbscherzhaften Bitte, ihm "nicht die Sitten zu versauen", entwarf er flugs verschiedene Szenarien, brachte ein Essen mit Queen Uma als Alternative ins Spiel und wirbelte herum, dass es ein Spaß war.

Kurzes Tänzchen mit Pink

Nun konnte praktisch nichts mehr schiefgehen. Ehrlich erfreut wirkte Gottschalks Ansage der Rocksängerin Pink. Nach deren Song warf er ihrer Band ein lässiges "They call me the 'Wetten, dass…?'-Dude" zu und wagte mit der Sängerin ein Tänzchen. "Lucky boy", kommentierte diese Gottschalks Platz an der Sonne neben Thurman, und der, nun ganz in seinem Element, erheischte gar noch ein Pink-Geburtstagsständchen für seinen Sohn.

Derart beseelt, konnte man gelassen die befremdliche letzte Wette eines Lehrers aus Texas bestaunen, dem es gelang, sich in einer Minute sehr oft mit dem Fuß an die eigene Stirn zu treten, und den globalen Starkoch Jamie Oliver beim Fahrradfahren mit Handicap bewundern. Nebensächlich, dass Gottschalk am Ende kurz durcheinander kam, ob er die Flohwalzer-Saalwette nun verloren oder gewonnen hatte. Diese Show hatte ein Herz und ein Zentrum gehabt, das wusste auch der Gastgeber. "So entspannt" seien Hollywoodstars nicht immer, bedankte er sich bei Uma Thurman und seufzte: "Ich könnte dich in die nächste Sendung rüberziehen". Wahrhaftig: Eine solche Retterin könnte er öfter gut gebrauchen.