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"Wetten, dass..?" aus Nürnberg Gottschalks Highway in die Showhölle


Der Abschied geht weiter. Doch "Wetten, dass..?" aus Nürnberg war vor allem eins: der Beweis, dass Gottschalks Zeit abgelaufen ist. Er musste sich sogar einem elfjährigen AC/DC-Fan geschlagen geben.
Von Sophie Lübbert

Als Thomas Gottschalk sein Hemd aus der Lederhose zupft, bricht Anarchie aus. Dabei lief bis jetzt alles normal: die Wetten sind gespielt, alle Promis beplaudert, die geföhnte Lockenpracht hält - nur ein paar Minuten "Wetten, dass..?"-Sendezeit gilt es noch zu füllen. Also lüpft Gottschalk das Hemd, schwingt sich auf einen Hüpfball und zwingt Couch-Gäste sowie den Kinder-Kandidaten zum Wett-Hüpfen durch die Halle. Er will gewinnen, drängelt sich vor, "Ich bin der Jubilar", schreit er. Immerhin ist das hier sein Abschied, er ist der Moderator und gleichzeitig der größte Star der Sendung. Nur: Andere sind besser. Das Kind überholt ihn in seiner drittletzten Sendung locker - nicht nur im Wetthüpfen.

Alles da, doch etwas fehlte

Dabei war in Nürnberg alles bereitet für einen großen Gottschalk-Abend. Heimatbonus für den fränkischen Moderator, eine Gästemischung, die sich auch ohne Hollywood-Besuch sehen lassen konnte, sogar ein Brettchen voller Wurst-Spieße statt der üblichen Gummibärchen auf dem Couchtisch. Fehlte nur noch ein guter Moderator.

Stattdessen kam Gottschalk. Er trat in psychedelisch gemustertem blauen Sakko vors Publikum, winkte und wurde sentimental. Keine Zeit für die üblichen Stand-Up-Witzchen, es ging direkt zur Sache: zu Gottschalk. Auf dieser "Abschiedstournee", "da habe ich ein paar besondere Gefühle", verriet er. Konkret: "Mir ist heute vieles egal". Die Ankündigung hätte es kaum gebraucht. Bully Herbig war der Erste, der es zu spüren bekam. Sieben Mal sei er schon da gewesen, erklärte Gottschalk dem Comedian, das erste Mal 2001 und seitdem "bist Du ja ein richtiger kleiner Schauspieler geworden". Herbig schaute verwirrt, aber Gottschalk ließ ihm ohnehin kaum Zeit zum Antworten. Stattdessen drängte er ihn zur Wette: Kandidat Mike wollte 30 Schaumküsse innerhalb von zwei Minuten essen und nebenbei 30 Klimmzüge schaffen. Er scheiterte, hielt dafür aber Monologe über seinen Hausarzt.

Verwunderte Gäste

Doch die Zeit drängte: Sarah Connor, Peter Maffay, Rowan Atkinson - alles Gäste, die schon mehrere Male da waren und deshalb passend für eine Retro-Sendung wie diese. Connor musste sich ein Video ihres "Wetten Dass"-Skandalauftritts im durchsichtigen Flammenkleid anschauen, Maffay ein Fotoalbum mit Bildern von Gottschalk und sich selbst in Empfang nehmen. Atkinson saß nur da und wunderte sich. Bald bekam er dabei Gesellschaft aus der Heimat: die britische Sängerin Jessie J lieferte einen brillanten Live-Auftritt ab, durfte aber auf der Couch nichts erzählen. Stattdessen bewunderte sie die Wurstspieße auf dem Tisch.

Aber ein Gottschalk duldet keine Konkurrenz, schon gar nicht von Lebensmitteln: bevor die Snacks zu viel Aufmerksamkeit von ihm ziehen konnten, verteilte er sie kurzerhand ans Publikum und bat später Kabarettistin Monika Gruber auf die Bühne. Die hatte sich ein Programm zum überraschenden Thema Gottschalk-Abschied überlegt, aber ihr Teleprompter versagte.

Hagen verzaubert

Da halfen nur noch die Wetten - und die waren wirklich gut: ein Sportler, der mit seinem Rad eine fahrende Rolltreppe hochsprang oder der spätere Wettkönig Amadei, der einen Springparcours fast so schnell schaffte wie Weltmeisterin Meredith Michaels-Beerbaum mit Pferd. Allen voran aber begeisterte die Kinder-Wette, genauer: der elfjährige Hagen, der 100 Songs von AC/DC am drei Sekunden kurzen Gitarrensolo erkennen wollte. Gewonnen hatte er schon, als er auf die Bühne marschierte und erklärte, die Wette sei kein Problem für ihn, "ist ja auch 'ne geile Atmosphäre hier". Die Lieder wusste er sofort, dann spielte er noch ein bisschen Gitarre für Hunziker. Gottschalk war begeistert von dem Jungen: "In den habe ich mich verliebt" - genauso wie das Publikum, das Hagen mehr feierte als den Moderator den ganzen Abend über.

Deshalb holte Gottschalk den Jungen am Schluss der Sendung noch einmal zu sich und überredete ihn zum Hüpf-Wettbewerb. Aber auch hier unterlag er dem Elfjährigen: Hagen gewann mit weitem Vorsprung. Jetzt war der Gottschalk-Abschied trotz aller Bemühungen des Moderators endgültig zur AC/DC-Party geworden - und damit doch noch ein Erfolg.


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