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"Wetten, dass..?" in Bremen: "Gottschi" glänzt mit Ekel-Wette und Kuss-Attacke

"Wetten, dass..?" kann richtig unterhaltsam sein: In der Show am Samstagabend in Bremen bekam Thomas Gottschalk einen neuen Spitznamen und pöbelte kräftig über Victoria Beckham. Die Quote war allerdings miserabel.

Von Björn Erichsen

Immer wieder Action bei "Wetten, dass…": Es war so gegen 22.30 Uhr, Michelle Hunziker brauste gerade im Nieselregen auf einer Vespa einem Mann aus Südtirol hinterher, der gewettet hatte, innerhalb von fünf Minuten eine Pizza belegen und backen zu können, und zwar fahrend auf seinem Motorrad! Bei der Einfahrt ins Studio passierte es: Hunziker verlor die Kontrolle über den Roller und legte sich mit Schwung auf ihr süßes Näschen. Schock!

Die schöne Schweizerin rappelte sich sofort auf und sprintete auf Stilettos ins Studio. Der Südtiroler gewann seine Wette, servierte Thomas Gottschalk die Pizza aus dem eigens installierten Motorrad-Backofen inklusive Salat und Rotwein. Hunziker war noch sichtlich mitgenommen, doch sie tat das, was man als Nachwuchskraft in Europas erfolgreichster Fernsehshow eben tun muss: Sie putzte sich den Dreck aus dem Gesicht und enthaarte das rechte Bein von Uwe Ochsenknecht. Schön schmerzhaft mit Wachsstreifen, eine Strafe für die falsche Wettprognose.

"Bleib zuhause und iss' was"

Gottschalk zeigte sich dagegen in Bestform: Der Showmaster beschwert sich ja gerne mal, dass die Presse ihn ungerecht behandeln würde, vor allem "online" seien seine Kritiker stets gnadenlos. "Mach wieder eine bessere Show!" möchte man ihm dann immer zurufen. Denn dass das möglich ist, zeigte er am Samstag in Bremen: Obwohl die ganz große Prominenz fehlte, war es eine der besten Sendungen seit langem: Drei von fünf Wetten waren spannend, selten wurde auf der Couch so viel gelacht, dazu die grandiosen Showacts Leona Lewis und Michael Bublé. Gottschalk selbst wirkte entspannt wie lange nicht mehr, er scherzte viel, ohne dabei allzu schlüpfrig zu werden. Er überstand die Show sogar ohne eine einzige anzügliche Bemerkung über die Brüste von Michelle Hunziker.

Im Vorfeld der Show hatte es allerdings Ärger gegeben: Erst sagte Mariah Carey ab, dann auch noch Victoria Beckham. "Bleib zu Hause und iss' was", schickte er als deftige Antwort nach Los Angeles, das Publikum quittierte mit donnerndem Applaus. Zwei Körbe in so kurzer Zeit, das ist Gottschalk nicht gewohnt. Er habe die Nase voll, ewig dieser "berühmten jugendlichen Zielgruppe" hinterherzulaufen. Die haben offensichtlich auch die Nase voll von ihm: Die Quote erreichte ein Rekord-Tief von 8,94 Millionen Zuschauern, fast eine Million weniger als vor einem Monat. Vor allem Jugendliche guckten lieber "Das Supertalent".

Pastewka und Engelke ziehen "Gottschi" durch den Kakao

Einziger Gast von internationalem Format war also Hugh Grant. Und der plauderte aus, dass ihm Sarah Jessica Parker bei den Dreharbeiten für den gemeinsamen Film ("Haben Sie etwas von den Morgans gehört") die Fußnägel geschnitten habe, angeblich weil seine Füße so hässlich seien. Ob das stimmte, ließ sich nicht überprüfen, kurz nach halb zehn saß Grant schon wieder im Flieger. Mehr Sitzfleisch bewies da die deutsche Prominenz: Er sei schließlich 40 Jahre nicht abgehauen, da werde er die drei Stunden hier auch überstehen, witzelte "Stubbe"-Darsteller und bekennender Sachse Wolfgang Stumph. Gemeinsam mit Tochter Stephanie spielte er live die Balkonszene aus "Romeo und Julia" auf Sächsisch nach. Auch Til Schweiger und Nora Tschirner hielten bis zum Ende durch.

Die wahren Stars des Abends hießen Wolfgang und Anneliese Funzfichler alias Bastian Pastewka und Anke Engelke, die verkleidet als "Traumpaar der deutschen Volksmusik" kamen, und bayrisch resolut "den Gottschi" mit einem selbst getexteten Schunkelsong durch den Kakao zogen ("der Gottschalk ist so schick / er kauft so gern bei KIK"), die Knutschattacke von Engelke folgte später. Pastewka gratulierte einem sichtlich irritierten Hugh Grant zu seinem Erfolg in "Pretty Woman", während sich Engelke mit der Zielstrebigkeit einer liebestrunkenen Volksmusikantin an den smarten Briten ranschmiss: "Schau mal, der Juutsch, der wird schon nervös."

In diesem Jahr wurden bei "Wetten, dass..?" bereits Fußschweiß inhaliert, Briefmarken bespeichelt und an Hundekot gerochen. Ohne Ekelwette kam auch die Show in Bremen nicht aus: Diesmal versuchten zwei Schülerinnen 30 verschiedene Katzenfuttersorten allein durch Fußkontakt zu unterscheiden: Also tief hinein in die Fleischmasse und kräftig rumgerührt. Das sah in etwa so aus, wie es klingt (Kandidatin: "Ich spüre Brocken"), misslang aber, weil die zarten Schülerfüßchen das "Sheba mit Wild und Karotten in Steinpilzsauce" für Thunfisch von Whiskas hielten.

Am Ende des Abends hatte die sturzgeplagte Hunziker noch mal Pech: Sie verlor die Saalwette - ein wenig spektakuläres Tischfußballspiel mit einer elfköpfigen Einsatztruppe des Roten Kreuzes an einem Riesenkicker (Gottschalk: "Das würde Lothar Matthäus auch von sich behaupten"). Und musste zur Strafe (aller) ein Schweizer Volkslied intonieren, das noch mal nachdrücklich in Erinnerung rief, warum die Ex von Ramazotti während ihrer kurzen Gesangskarriere nur ein einziges Album veröffentlicht hatte.

Wettgewinner Gottschalk dagegen war glücklich: Er musste sich nicht, wie angedroht, Blut von den Rot-Kreuzlern abnehmen lassen und kann mit der letzten Sendung des Jahres zufrieden sein. Vielleicht ist es ja auch eine gute Idee für 2010: Weniger zickige Hollywood-Stars einladen, dafür einfach mal öfter eine gute Unterhaltungsshow abliefern. Dann klappt es auch wieder mit den Kritikern. Sogar online.