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"Wetten, dass..?" in der Kritik: Lanz' perfekte Fassade bröckelt

Die zweite Ausgabe von "Wetten, dass..?" mit Markus Lanz als Moderator war aus Quotensicht ein Riesenerfolg. Tom Hanks empfand die Show jedoch als Folter. Ist Lanz ein Supertalent oder Superärgernis?

Von Katharina Miklis

Es muss dieser Moment gewesen sein, als Tom Hanks sich endgültig in der Hölle wähnte, die sich in Deutschland Samstagabendunterhaltung nennt: Markus Lanz spielte Sackhüpfen. Und Tom Hanks, der für diese Aktion puschelige Katzenöhrchen tragen musste, konnte nur ungläubig zuschauen. "Ich glaube Tom Hanks fragt sich gerade, wo er eigentlich ist", erkannte Lanz die Situation ganz treffend. Willkommen bei Europas größter Samstagabendshow. Oder, um es mit Markus Lanz' Worten zu sagen: "Wow, hui, uuhh!".

Einen Tag nach der vernichtenden Kritik von Sofagast Hanks legte dieser nach und klagte auch der Nachrichtenagentur DPA sein Leid. Schauspielkollegin Halle Berry und er wären wie Sänger Robbie Williams gern früher gegangen, hätten aber nicht gewusst, dass sie gedurft hätten, sagte der US-Filmstar.

Es stellt sich allerdings auch die Frage, ob die Wiederbelebung des alten Partydampfers "Wetten, dass..?" überhaupt die richtige Entscheidung gewesen ist. Und vielleicht auch, ob Lanz der Richtige für diesen Job ist. Denn trotz guter Quoten wird Kritik am Gottschalk-Nachfolger laut.

Dabei waren die bösen Worte von Hanks nicht mal nötig, eine Debatte über den Südtiroler anzustoßen. Lanz arbeitete am Samstag selbst daran, seine Sympathiepunkte zu verspielen. Nicht nur, dass er vom Ablesen seiner Moderationskärtchen ähnlich überfordert schien wie einst Gottschalk. Seine mit viel Fleiß aufgebaute Fassade aus Emsigkeit und Perfektion bröckelte schon in der zweiten Sendung. Zum Vorschein kam die Erkenntnis: Der ist ja gar nicht so uneitel. Der tut nur so!

Flehend fordert Lanz die Bestätigung der Zuschauer ein

Markus Lanz kokettierte bei der Ausgabe aus Bremen derart mit seiner Bescheidenheit, dass die wahre Absicht des ZDF-Supertalents im grellen Licht erstrahlte: Nahezu flehend forderte er die Bestätigung der Zuschauer ein. So ließ er zum Beispiel die ganze Sendung über keinen Zweifel daran, wie furchtbar und unangenehm es für ihn sei, dass er bei der nächsten Ausgabe von "Wetten, dass..?" aus Freiburg leichtbekleidet mit der Menstrip-Gruppe Chippendales auftreten müsse. Das war sein Einsatz bei der verlorenen Stadtwette. ZDF-Intendant Thomas Bellut wird ihn kaum höchstpersönlich dazu gezwungen haben. Aus freier Entscheidung heraus bei den Chippendales aufzutreten, zeugt von einem hohen Maß an Selbstverliebtheit.

Nun gehört sicherlich eine große Portion Selbstverliebtheit dazu, diesen Job zu machen. Das war bei Thomas Gottschalk nicht anders, der "Wetten, dass..?" ebenfalls zur Egoshow machte. Der Unterschied: Gottschalk nahm sich dabei nie allzu ernst, und gab freimütig zu, eitel zu sein. Lanz dagegen, der mal in einem Interview sagte, Eitelkeit bei Männern sei peinlich, trägt seine betonte Uneitelkeit zur Schau.

Noch hat er seine Zuschauer damit nicht vergrault: Über zehn Millionen Zuschauer schalteten am Samstag ein. Das sind zwar drei Millionen weniger als bei der Premiere jedoch immernoch weitaus mehr, als Gottschalk zuletzt sehen wollten. Allerdings ist die zweite Sendung kaum ein Gradmesser. Auf die fünfte oder sechste Ausgabe wird es ankommen. Markus Lanz wird daran arbeiten müssen, zu seiner Eitelkeit zu stehen. Oder sie abzulegen. Nur mit Authentizität wird er die Zuschauer auf Dauer halten können. Grummelnde Hollywoodstars hin oder her.

  • Katharina Miklis