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TV-Kritik "Adam sucht Eva" Rasiert, gesugart und gewaxt - Kahlschlag im Tropenparadies

"Adam sucht Eva" führte die Teilnehmer auf eine Insel in der Südsee
Das RTL-Nackt-Format "Adam sucht Eva" führte die Teilnehmer auf eine Insel in der Südsee.
© RTL
Achtung, Penis-Parade! Bei der Nackt-Dating-Show "Adam sucht Eva" führen wieder Single-Männer ihr Gehänge spazieren. Darunter zum ersten Mal auch Prominente. Der Anblick ist ernüchternd, vor allem für die Frauen.
Von Mark Stöhr

Nackt sind alle gleich. Da gibt es keine Stände, nur Ständer. Da trinkt Max, ein Desinfektor aus Essen (Typ Stiftpenis), aus dem gleichen Becher wie Sarah Joelle, ein Pocher-Luder aus Köln. Man glotzt zusammen auf die Südsee ("Echt schön hier") und tauscht Anekdoten aus ("Ich war seit fünf Tagen nicht kacken"). Macht einfach mal die Beine breit und lässt die Eier baumeln.

Doch irgendwann taucht zwangsläufig die Frage auf, was so ein Desinfektor eigentlich genau macht. Und Max erzählt nicht ohne Stolz, dass er im Krankenhaus immer dann zum Einsatz kommt, wenn ein Patient mit einer ansteckenden Krankheit sein Zimmer geräumt hat. "Ich bin so eine Art Ghostbuster mit Sprühflasche", schüttelt er sich vor Lachen, dass sein dünner Schlauch pampam auf den Boden klopft. Und die anderen FKK-Camper fangen sich augenblicklich an zu kratzen und kriegen überall Blitzherpes. Mösig, Pardon, müßig zu erwähnen, dass sich Max bereits schon wieder auf dem Weg zurück nach Deutschland befindet.

Kompletter Kahlschlag untenrum

Das Konzept von "Adam sucht Eva" ist zu ausgeklügelt, um es bis ins Detail zu erklären. Daher nur so viel: Es gibt eine "Insel der Versuchung", auf der alle erstmal ankommen. Wer sich in Challenges wie dem Kokosnuss-Wettlauf auszeichnet, darf in Begleitung auf die "Insel der Liebe" übersetzen, um dort auf das Eintreffen von Emotionen und/oder Erektionen zu warten. Letzte Station ist schließlich ein Luxusresort, wo sich die Verkuppelten angezogen gegenübertreten. Warum auch immer. Ist noch jemand wach?

Nun könnte so ein Nacktformat eine günstige Gelegenheit sein, um sich auf den neuesten Stand in puncto Schamhaar-Mode zu bringen. Doch so sehr man auch suchte, es war nichts zu finden. Kein Triangle, kein Landing Stripe, von einem Naturbusch gar nicht erst zu sprechen. Ob Männer oder Frauen, Normalos oder Promis: Alle rasiert, gesugart und gewaxt, der komplette Kahlschlag untenrum - oder wie wie man den Haarlos-Look im Fachjargon nennt: Hollywood-Cut.

Der Blick war also frei auf Vagina und Wiener. Aber damit macht man heutzutage keinen Zwölfjährigen mehr wild. Punkt eins. Punkt zwei: Langweiler bleiben auch ohne Klamotten Langweiler. Und von denen gibt es in Französisch-Polynesien momentan eine ganze Menge.

"Popöchen" und "Hammerkanonen"

Nehmen wir Marlena, die Einzelhandelskauffrau aus Buxtehude. Meine Güte. Das nackte Phlegma. Hängt den ganzen Tag unter der Decke rum und kommt nur zum Duschen raus. Drückt sich dauernd halbpsychopathisch ihre Brustwarzen ein. Erklärung: "Dann sehen sie eine Zeitlang besser aus." Oder Kushtrim aus Duisburg. Ein Maurer ohne Mörtel. Hält sein Gehänge (Typ Mini-Möhre) in die Sonne und übt Ghetto-Grimassen. Auch Daniel Köllerer (Typ Slim Jim), ein österreichischer Ex-Tennisprofi, wegen Spielmanipulationen vom Weltverband lebenslang gesperrt, hat bisher noch keinen vernünftigen Aufschlag bei den Frauen platziert.

Einzig Jesse, ein Türsteher aus Saarbrücken (Typ Moby Dick), macht Betrieb. Der Muskelprotz ist völlig durchgedreht. Tanzt, strippt, findet alles geil, was zwei Brüste hat, am geilsten aber sich selbst ("Ich bin ja mega, seh' saugut aus und hab' einen geilen Body"). Wird, wenn er sich nicht runterkühlt, leer ausgehen bei den "Popöchen" und "Hammerkanonen". Sarah Joelle Jahnel, das erste Objekt seiner Begierde, muss man immerhin zugute halten, dass sie nicht übertrieben hohl ist. Übt Starallüren. Sollte dringend mit ihrem Zahnfleischlächeln in ärztliche Behandlung.

Was den zähen Auftakt der dritten Staffel "Adam sucht Eva" gestern erträglicher machte, war die Aussicht auf heute. Denn dann landen die richtigen Kracher auf der Insel. Üble Sexisten und Ex-Populisten wie Ronald Schill. Oder supersofte Heulsusen wie Peer Kusmagk. Dann hat das Paradies endgültig Pause - und der nackte Blödsinn bricht sich richtig Bahn.


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