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Meinung

Late-Night-Show auf RTL: Von wegen "gefährlich ehrlich": Amira und Oliver Pocher sollten bei lockerer Unterhaltung bleiben

Amira und Oliver Pocher stehen in der RTL-Late-Night-Show "Pocher – gefährlich ehrlich!" gemeinsam vor der Kamera. Der Name ist aber nicht Programm. Vor allem nicht, wenn es um so wichtige Themen wie Sexismus geht.

Oliver und Amira Pocher 

Oliver und Amira Pocher sind donnerstags um 23.15 Uhr in der RTL-Late-Night-Show "Pocher – Gefährlich ehrlich!" zu sehen

Picture Alliance

Es hätte wirklich spannend werden können: Was unter dem Titel "Pocher – gefährlich ehrlich!" mit dem großmäuligen Oliver Pocher und seiner selbstbewussten Frau Amira als Gesichter im Vorfeld große Erwartungen schürte, entpuppt sich spätestens nach Folge drei als eher halblustige Unterhaltungsshow. Der Name ist so gar nicht Programm. Vor allem nicht, wenn so wichtige Themen wie Sexismus nur mal eben schnell überflogen werden.

Vorab: Natürlich ist es eine RTL-Late-Night-Show, die vor allem unterhalten soll. Da sind Themen wie die umstrittene Netflix-Doku "Tiger King" oder ein Fitness-Duell mit Tobias Wegener, die es in Folge drei zu sehen gab, auch gut aufgehoben. Aber die neue Sendung mit Oliver Pocher und seiner Frau Amira hat Erwartungen geschürt, die sie nicht erfüllen kann.

Amira und Oliver Pocher schlagen auf Instagram andere Töne an

Und die Erwartungen hat das Paar selbst aufgebaut: Auf Instagram zeigen sich sowohl Oliver als auch Amira Pocher in Parodien nämlich nicht nur unterhaltsam, sondern sie sprechen auch immer wieder wichtige Dinge an, die sie stören. Oliver Pocher etwa hat es sich in den vergangenen Wochen zur Aufgabe gemacht seine Meinung über verschiedene Influencer kundzutun und diese scharf zu kritisieren. Was schon an Mobbing grenzte, war zumindest ehrlich. Auch wenn er dabei deutlich übers Ziel hinausschoss. Aber auch wichtige Themen wie Pädophilie hat das Paar in der Vergangenheit angesprochen – und das, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen.

Oliver und Amira Pocher sagen den Kampf gegen Pädophilie auf Instagram an.

Genau das fehlt allerdings in der TV-Show. Der Ton, den die Pocher-Fanbase mittlerweile gewohnt ist, weicht dort einem locker-flockig anmutenden Gespräch zwischen dem Ehepaar, das unvorbereitet und wenig fokussiert wirkt. Dass die beiden aber eigentlich wissen, wie man Klartext spricht, ist genau das, was daran stört.

Statt also wirklich mal "gefährlich ehrlich" über ein Thema zu sprechen, werden gefühlt zwanzig Themen angerissen, aber nie diskutiert oder ein neuer Blickwinkel geboten. Es gibt mal einen witzigen Satz, einen lustigen Einspieler und einen halbnackten Pocher, der glaubt, es würde ausreichen, wenn er ein bisschen vor der Kamera herumalbert, um für eine gute Show zu sorgen. Das ist aber der falsche Ansatz.

Wenn Sexismus thematisiert wird, dann aber bitte richtig

Wenn das das Konzept der Show sein soll, müsste man sich allerdings einen anderen Titel dafür suchen. Und: Man müsste so wichtige Themen wie Sexismus komplett weglassen. Denn das war in Folge drei Inhalt der Show – wurde aber derart unangemessen behandelt, dass man den Pochers nur raten kann, einfach wieder bei Influencern oder dem Wendler zu bleiben. Denn statt sich wirklich mit diesem wichtigen Gebiet zu beschäftigen gab es hier und da ein Witzchen, mehr nicht.

Oliver Pocher kam zum Beispiel auf ein aktuelles Werbevideo von Designer Philipp Plein zu sprechen, in dem GNTM-Siegerin Jacky zu sehen ist. Sie räkelt sich leicht bekleidet auf einem Lamborghini, spreizt die Beine und das Ganze wird mit einem Rap-Text unterlegt, der herablassender nicht sein könnte. Daraufhin übersetzte Pocher zwar den Text des Songs – und zeigte damit auf, wie sich das junge Model in ihrem ersten Modeljob nach dem Sieg eigentlich herabwürdigen lässt. Eingeordnet wird das Ganze allerdings nicht.

Amira Pocher über "dick pics"

Amira Pocher sagte zwar ironisch: "Macht viel für die Frauenrechte und die Wahrnehmung der Frau in diesen Zeiten." Aber auch das ist keinesfalls "gefährlich ehrlich", sondern höchstens gefährlich lapidar. Zu allem Überfluss erklärte Amira Pocher, dass sie noch nie "dick pics" erhalten habe. Das würden sich sicherlich viele Frauen wünschen. Es macht die 27-Jährige aber auch zur falschen Person, um darüber zu sprechen und sich dem Thema anzunehmen, es zu diskutieren und Frauen, die damit Berührungspunkte haben, zu verstehen und anzusprechen. 

Durch die Witze in der Show entsteht sogar das Gefühl, dass Themen wie Sexismus nicht wichtig seien oder es sogar noch lustig sei, wenn sich Frauen durch Jobs wie die von Philipp Plein erniedrigen lassen. Das hätte das sonst so großmäulige Ehepaar definitiv bewerten, beurteilen und ansprechen müssen. Und nicht in ein paar Halbsätzen darüber hinweg gehen, um dann ungalant zum nächsten Thema zu galoppieren. Weglassen wäre die besser Option gewesen.

Wenn man also wirklich "gefährlich ehrlich" sein will, müsste das in Zukunft definitiv anders aussehen. Amira und Oliver Pocher sollten sich überlegen, ob sie nicht doch lieber bei lockerer Unterhaltung bleiben und weniger Erwartungen schüren, vielleicht unter einem Titel, der besser passt: "ungefährlich, aber unterhaltsam" – wäre doch eine Überlegung wert.