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Das Fernsehgericht: "Der blinde Fleck": Auf dem rechten Auge blind

Der Film "Der blinde Fleck" erzählt von den Recherchen eines Journalisten zum Attentat auf das Oktoberfest 1980. Er trug dazu bei, dass 34 Jahre später die Untersuchungen wieder aufgenommen wurden.

Von Hannes Roß

Benno Fürmann spielt in "Der blinde Fleck - das Oktoberfestattentat" den Journalisten Ulrich Chaussy, der die Hintergründe des Attentats recherchiert.

Benno Fürmann spielt in "Der blinde Fleck - das Oktoberfestattentat" den Journalisten Ulrich Chaussy, der die Hintergründe des Attentats recherchiert.

Es ist mehr als drei Jahrzehnte her, dass Deutschland durch einen der größten Terroranschläge der Nachkriegsgeschichte geschockt wurde. Damals, im September 1980, starben 13 Menschen und mehr als 200 wurden verletzt, als auf dem Münchner Oktoberfest eine Bombe explodierte. Der Anschlag brachte Franz-Josef Strauß neun Tage vor der Bundestagswahl, bei der er Helmut Schmidt als Kanzler stürzen wollte, in Bedrängnis.

Zwar präsentierten die Ermittler schnell einen Täter: Den auch in der Bombenexplosion getöteten Studenten Gundolf Köhler. Doch anders als von den Behörden dargestellt, scheint er kein sozialisolierter Einzeltäter zu sein. Er ist Mitglied der berüchtigten rechtslastigen Wehrsportgruppe Hoffmann, die paramilitärische Übungen in den bayerischen Wäldern veranstaltet. Eine Gruppierung, die Strauß als Ministerpräsident von Bayern immer wieder als ungefährliche Spaßtruppe heruntergespielt hatte. Der Fall wirft noch heute ein Schlaglicht darauf, dass bereits Jahrzehnte vor den NSU-Morden der Staatsschutz den rechten Terror in Deutschland unterschätzte.

"Die Unbestechlichen" nach bayerischer Art

Der Spielfilm "Der blinde Fleck" erzählt angenehm kühl und unaufgeregt die Geschichte des Journalisten Ulrich Chaussy (Benno Fürmann), der versucht die wahren Hintergründe des Oktoberfestattentats ans Licht zu bringen. Er misstraut der Einzeltätertheorie, die der Staatsschutzchef Hans Langemann (Heiner Lauterbauch) der Öffentlichkeit verkaufen will. Ein bisschen erinnert das Erzählmuster des Films an "Die Unbestechlichen", jenen legendären Watergate-Enthüllungs-Thriller mit Robert Redford und Dustin Hoffmann. Nur eben zwei Nummern kleiner: Der Informant heißt hier nicht "Deep Throat" und wartet nicht im Halbdunkeln einer Tiefgarage in Washington, sondern er will Maier genannt werden und sich auf einem bayerischen Kleinstadtbahnhof zum heimlichen Informationsaustausch mit dem Journalisten treffen.

Dass "Der blinde Fleck" trotzdem ein packender Polit-Krimi ist, ein gut fiktionalisiertes Stück deutsche Zeitgeschichte, liegt daran, dass er auf Showeffekte und Übertreibungen verzichtet. Das Drehbuch, das Regisseur Daniel Harrich gemeinsam mit Ulrich Chaussy verfasste, hält sich weitestgehend an die recherchierten Enthüllungen, die Chaussy als Reporter des bayerischen Rundfunks in jahrelanger Kleinarbeit über das Oktoberfestattentat zu Tage förderte. So wurden Aussagen von Zeugen, die auf weitere Mittäter hinwiesen, vom Staatsschutz ignoriert, und Journalisten mit gesteckten Exklusivinformationen manipuliert.

Für den Reporter Chaussy brachte der Film eine große Genugtuung. Im Dezember vergangenen Jahres forderte der Generalbundesanwalt Harald Range die deutschen Geheimdienste zur Herausgabe sämtlicher Akten zum Oktoberfest-Attentat auf. 34 Jahre nach dem Attentat laufen die Ermittlungen wieder. Wer selbst in den Akten und Recherchen von Chaussy lesen will, der bekommt unter www.oktoberfest-attentat.de einen Einblick in seine Arbeit. Die Suche nach der Wahrheit, sie geht weiter.

"Der blinde Fleck - Das Oktoberfestattentat" läuft am Mittwoch, 4. Februar, um 20.15 Uhr in der ARD.