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ARD-Show "Brot und Spiele": Sommerloch Maximus

"Panem et Circensis" sollten es in der ARD werden. Tatsächlich reichte es nur für angejahrte Gladiatoren, Wandern mit Jens Riewa und Gegenstände-Raten mit Maite Kelly. Wenigstens der Moderator fand es "sensationell".

Von Ingo Scheel

Jetzt kommen wir zu einem Höhepunkt des Abends" entfährt es Matthias Opdenhövel. Die Uhr zeigt 22.27 Uhr. Das "Geschichtsspektakel" in der ARD hat da schon deutlich über zwei Stunden auf dem Buckel. 135 Minuten Graham-Brot und Spielereien. Eine Römerin namens Astrid hat einen Spielstein gedreht. Maite Kelly und Franzi van Almsick haben sich mit Sand einreiben lassen. Ralf Möller, der ewige Zigarrenstumpen aus Hollywood, den Satz "Das ist ein Vogelhäuschen" geflüstert. Jens Riewa, den unkaputtbaren Zossen der "tagesschau", hat man bei einer Art prähistorischen Dschungelprüfung, einer Rheinufer-Wanderung in Kettenhemd und Lederstiefeln, mit Kameras begleitet. Riewa schwitzt und ächzt und plumpst schließlich zur Rast an ein Lagerfeuer. Ausgezehrt von der ungewohnten Anstrengung drückt sich der leutselige TV-Mann antiken Pamps rein. "Ich esse alles" entfährt es ihm. Nun denn - ist es wohl doch kein Fatsuit, Riewa sieht tatsächlich so aus.

Shitstorm Simon greift zum Mikro

Jetzt also - Opdenhövel kündigt es an - ein Höhepunkt des Abends. Endlich - werden sich die tausenden von Zuschauern sagen. Zwei Stunden lang haben sie sich auf der Tribüne des Archäologischen Parks in Xanten wundgelegen, der Familienblock verlangt nach Schwung in der Bude. Und den gibt es: Der Kampf der Gladiatoren steht an. Der Ruhrpott-Vandale gegen den Gentleman-Boxer, Ralf Möller vs. Henry Maske. Am Kommentatoren-Mikrofon ausgerechnet Steffen "Shitstorm" Simon, der sich zu diesem Altherren-Showdown mehr ins Zeug legt als noch vor wenigen Tagen bei der Fußball-EM. "Ein Baum von einem Mann", schwärmt er vom nicht ganz austrainierten Möller. "Sehen sie sich diesen unglaublichen Körper an," freudentröpfelt der Mann mit dem Zehn-Euro-Haarschnitt in seiner prähistorischen Sprecherkabine ins Mikro. "Ihm fehlen sieben Zentimeter zu Ralf Möller", weiß Simon über Maske zu berichten. Gut, dass man von weiteren Details verschont bleibt.

Vangelis hören und Opdenhövel sehen

"Wirkt das jetzt wie Kirk Douglas?" fragt Maske im Einspielerfilmchen und wähnt sich als zweiter Spartacus. Nein, tut es nicht, lieber Henry, möchte man antworten. Eher so, als würde das Lindenstraßen-Ensemble Szenen aus "Das Leben des Brian" nachspielen. Der Höhepunkt selbst dauert fünf Minuten: Maske klopft Möller ein wenig auf dem Schild herum, Möller tänzelt etwas und klopft zurück. Lustig wehen die Federn an ihren Helmen im Xantener Abendwind. Am Ende gewinnt Maske mit 4:2. Endlich mal wieder Vangelis hören. Opdenhövel beschlägt die Brille vor Begeisterung: "Sensationell!". Das Kerner/Pilawa-Syndrom ist beim einst nicht uncoolen Ex-Stadionsprecher von Borussia Mönchengladbach mittlerweile so weit fortgeschritten, der Linksträger im silbernen Anzug würde auch eine Heizdecken-Verkaufsveranstaltung "sensationell" finden.

Fessel, knebeln und neben Troubadix legen

Spektakuläres Infotainment, verpackt in eine Spielshow - oder wahlweise umgekehrt - hatte die ARD mit "Brot und Spiele" angekündigt. Die Idee: Zwei Teams, darunter neben den bereits Erwähnten weitere TV-Nasen wie Bernhard Hoecker und Maite Kelly, treten gegeneinander an. Die Spiele sollten verschiedene Aspekte des Lebens im Alten Rom thematisieren, dazwischen History-Clips und Computeranimationen als didaktische Pausenfüller. Letztere waren durchaus kompakt und gelungen, im Kontext Samstagabend-Unterhaltung jedoch merkwürdig platziert. Der Gameshow-Anteil dagegen, ein kruder Mix aus "Spiele ohne Grenzen", pseudohistorischem Hokuspokus und "Wetten, dass..?" auf Malle hatte so mal so überhaupt nichts mit Geschichtsunterricht zu tun.

Am Ende schließlich eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte: Xanten wird von der angekündigten Schlechtwetter-Front verschont, die Sendung kann wie geplant in Gänze durchgeführt werden. Die gute Nachricht: Wenigstens wird nicht überzogen. Wäre "Brot und Spiele" ein Asterix-Comic, das Ende für die Verantwortlichen wäre klar - fesseln, knebeln und neben Troubadix unter den Baum legen, beim Teutates!