HOME
TV-Kritik

Neue Dating-Show bei RTL: Auftakt von "Bachelor in Paradise": Von null auf Charakterschwein binnen zwei Cocktails

Im Paradies ist keine Zeit zu verlieren, wer weiß, wann man verjagt wird. Brauchte es beim normal gebräuchlichen "Bachelor" noch drei, vier Abende, um sich zu häuten, geht es im "Paradise" direkt zur Sache. 

Von Ingo Scheel

TV-Kritik zum Show-Auftakt von "Bachelor in Paradise" bei RTL

In der erste Nacht von "Bachelor in Paradise" (RTL) waren die Männer in der Überzahl. Welche der Ladies erhielt keine Rose und darf nicht länger im Paradies verweilen?

"Isch kann es nisch mehr abwarten. Isch freu misch!" - das "Paradise", das Paradies, hat kaum seine Tore geöffnet, da schischelt sisch ein längst vergessener Schound zurück in die Ohren. Domenico ist wieder da. Scheische noch eins. Das streng gescheitelte Es-Zeh-Ha aus der Zwischenwelt. Der der Dating-Show. Hartnäckig, aber unambitioniert. Geil, aber gleichgültig. Oder um es mit Alexander von Eich zu sagen: "Das ist ein schöner Strohhut. Aber Du kannst ihn nicht tragen!"

Eben noch rummelten hier Full-Moon-Partys, eröffneten Auswanderer aus -Kirchhellen ihre Bratwurst-Büdchen, massierten Damen mit festem Handgriff dem darbenden Touri den 5er-Lendenwirbel zurück ins Kreuz, heute heißt es auf Koh Samui in Thailand: Das Privatfernsehen ist da - und hat ein Dutzend Namenlose im Schlepptau. Kaum hat man sisch vom Wiedersehen mit Domenico erholt, vor gefühlt vier Wochen noch Märchenonkel für Jessica Paszka, da kippt der Van des Privatsenders schon die Komparsen an den Strand, so schnell kann man kaum den Colada nachschenken.

Viele Wiedersehen bei "Bachelor in Paradise"

Erika hat sich schon einmal im Fernsehen verliebt, also warum soll es nicht nochmal passieren? Johannes, nicht nur mit dem Vornamen, sondern auch im Wesen mit dem Universaladapter-Charme eines Johannes B. Kerner ausgestattet, ist ebenfalls wieder dabei. "Schöne Zähne. Schönes Lächel", radebricht Domenico, und man möchte ihm aus lauter Mitleid ein "n" kaufen. Bevor wir jedoch nach dem Kleingeld fingern, zitiert Johannes schon aus seinem letzten Balz-Bolero beim Bachelor: "Now We Talking". Die Sonne brennt heiß, vielleicht sind hier Worte oder Satzteile auch schlischt und ergreifend schon weggeschmolzen.

Mit der Faust in der Tasche entert schließlich Yeliz den Ring, die Knöchel jener Hand, die Daniel Völz in der letzten "Bachelor"-Staffel den Kiefer richteten, scheinen mittlerweile abgeschwollen zu sein. Marvin schlurft rein und hat noch weniger Ambitionen als Domenico, Christian entblättert seinen ganzen Personalberater-Charme und Olli, Ex-Bachelor, der "Party-Bachelor", scheint schon von Natur aus mit einer Betriebstemperatur-Flatrate ausgestattet zu sein. Er mag es "pralliger", freut sich "auf viele Bikinis" und hat in punkto Charme die Arschloch-Grenze so selbstverständlich überschritten, als wäre er an seinem eigenen Junggesellenabschied mit einer Magnum-Flasche Batida im Blut am Ballermann auf die Welt gekommen.

"Gern drallig. Gern ein Pfund mehr drauf."

Caro scheint für derlei Seelenknorpel keinen Blick zu haben. Sie hat sich die Lippen aufspritzen lassen, die Augenbrauen auftätowiert, drei Typen abgeschossen, das war es in den letzten drei Jahren. Was unverändert geblieben ist: Ihre Schwäche für eben jenen Olli. Bevor der ihr schließlich, als eine Art Wiedergutmachung für den in einer früheren Staffel gegebenen Korb, am Ende seine zerdrückte Rose überreicht, lässt er seinen inneren Schweinehund, von Natur aus eh nur nachlässig fixiert, von der Leine: Er mag es, so gesteht er später, nicht nur "prallig", sondern auch "drallig", also "gern ein Pfund mehr drauf", kündigt mit Wonne seine Toilettengänge an und kontert restmenschliche Zuwendung von Caro mit: "Na, gibst du dir noch ein bisschen Mühe, bevor ich die Rose vergebe?"

Während man zunehmend hofft, dass die fast meditative Stille der guten Yeliz einzig der Kräftebündelung dient, um Olli die verdiente Portion Augen-Tee zu verpassen, fallen die Würdeschranken wie die Spielsteine am Domino Day: trägt ein grünes Jäckchen aus einer alten Kaschperl-Aufführung, Olli nennt Christian einen "Spasti", nur weil der nicht so schnell folgen kann. Was in der Tat ein wenig verwundert, wo er doch, wie Evelyn lustvoll feststellt, so "schön durchblutet" aussieht.

Eine gewisse Saskia, die sich "schon mal an einen Araber hat versteigern lassen", liegt plötzlich am Strand wie Tom Hanks’ Volleyball in "Cast Away", Philip bekommt Pupillen wie Stecknadeln, Pam guckt trotzdem gern und tief hinein und für Erika, am Schluss dem Treiben rosenlos entronnen, bon-motiert, dass man sie jetzt schon ein wenig vermisst: "Das ist das reinste 1-Sterne-Büffet hier". Oder, um es mit Johannes zu sagen: "Ich dachte, dass mehr Frauen mit Klasse kommen würden."

Vielleicht hebt sich die Klasse bei den Ladys ja in dem Maße, wie sie bei den Herren sinkt. Im Trailer zur nächsten Folge kündigt sich Paul Jahnke an.