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Bahro über "GZSZ"-Rolle Jo Gerner: Fiesling in guten wie in schlechten Zeiten

Die Amerikaner haben J. R. Ewing, die Deutschen Jo Gerner. Seit 20 Jahren spielt Wolfgang Bahro den Fiesling in der Endlossoap "GZSZ". Das färbt ab, auch aufs Privatleben.

Nein, ein Darth Vader ist er nicht, kein Joker und an Hannibal Lecter wollen wir gar nicht erst denken: Dennoch gebührt Jo Gerner, dem Fiesling aus der RTL-Seifenoper "Gute Zeiten, schlechte Zeiten", ein fester Platz im Pantheon der deutschen TV-Bösewichte. Seit zwanzig Dienstjahren intrigiert sich Wolfgang Bahro in seiner Paraderolle durch die Kölner Soapwelt. Das Klischee des schmierigen Rechtsverdrehers bedient er dabei so prächtig, dass selbst Danni Lowinski auf verlorenem Posten um die Reputation des Anwaltsberufs kämpft.

So sei dem 52-Jährigen ein wenig Größenwahn erlaubt, wenn er sich im Gespräch mit dem Regenbogen-Magazin "In" mit dem großen Larry Hagman vergleicht: "Jo Gerner ist aus der Serie ebenso wenig wegzudenken wie J. R. Ewing bei 'Dallas'", stellt der Schauspieler dort selbstbewust fest. "Wenn ich bedenke, was ich in den 20 Jahren alles erlebt und gemacht habe - von Mord und Verzweiflung bis hin zu Liebe und Intrigen. Dafür kriegen andere, die das innerhalb von eineinhalb Stunden in einem Film machen, den Fernsehpreis."

Von Gerner zu Hitler

Auch wenn Bahro als Urgestein der Serie gilt, von Anfang an dabei war er nicht: Am 3. Februar 1993, in Folge 185, trat Gerner zum ersten Mal in Erscheinung. Eine zerstörische Kraft des Bösen, ein Stehaufmännchen, das zwischenzeitlich gar im Rollstuhl saß und auf wundersame Weise geheilt wurde. Einzig wenn es um seinen Sohn geht, zeigt der TV-Bösewicht menschliche Seiten. "In meiner Rolle als Vater von Dominik, wo das Vater-Sohn-Verhältnis ziemlich schwierig war, gab es zum Teil Dialoge, die ich wortwörtlich mit meinem eigenen Sohn und auch mit meiner Frau geführt habe", gesteht er. "Da dachte ich wirklich: 'Oh Gott, jetzt muss ich aber aufpassen, dass ich nicht schizophren werde'."

Was nur wenige wissen: Vor seiner Verpflichtung bei "GZSZ" spielte Bahro Theater und politisches Kabarett an der Berliner "Distel" - eine Leidenschaft, der der Schauspieler trotz Fünf-Tage-Woche treu geblieben ist. So war der leidenschaftliche "Star Trek"-Fan unter anderem auch als Adolf Hitler in dem Stück "Gasherd und Klistiere" von Rolf Hochhuth im Jüdischen Theater Bimah zu sehen. Wolfgang Bahro als ultimativer Fiesling der Deutschen. Das passt.

jwi (mit Bang und DPA)