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Bambi Verleihung 2017: Auch mal an die Anderen denken

Bei der Bambi-Verleihung beeindruckten vor allem die Menschen, die weniger für sich und mehr für andere tun. Aber es gab auch kritische Töne von Comedian Monika Gruber, die mehr Zusammenhalt unter Frauen forderte, und Regisseur Fatih Akin, der sagte: "Rassismus ist scheiße".

Von Andrea Zschocher

Ich oute mich, ich habe in meinem ganzen Leben noch keine Preisverleihung gesehen. Also bis zum gestrigen Tag. Und ich verrate es Ihnen gleich zu Beginn, ich habe im Grunde auch nichts verpasst. Sollten sich die Regularien nicht gerade in diesem Jahr zu meinen Ungunsten verändert haben, dann stehen bis auf drei Kategorien alle Gewinnerinnen und Gewinner im Vorfeld fest. Das allein reicht schon um bei mir sämtliche Spannung im Keim zu erdrücken. Von Spannung war der "Bambi" meilenweit entfernt. Aber ich habe dennoch etwas gelernt. Nämlich, dass viel zu viele Menschen sich selbst in den Mittelpunkt stellen. Um allen Spöttern den Wind aus den Segeln zu nehmen, ja, mir ist sehr wohl bewusst, dass ich mich mit meinen Erfahrungen an den Beginn dieser Kritik gesetzt habe. Ich wollte nur schauen ob Sie aufgepasst haben.

Das Licht auf andere lenken, statt nur auf sich selbst

Denn die Menschen, die auf der Bambi Verleihung am meisten beeindruckt haben, das waren die, die sich trotz Auszeichnung so gar nicht wichtig nahmen. Die ihren Moment der Dankesrede nutzten um ein Licht auf andere zu werfen. Oder wenigstens auf Missstände hinzuweisen. So gewannen die Schwestern Melati und Isabel Wijsen in der Kategorie "Unsere Erde" für ihr Engagement "Bye Bye Plasticbag", bei dem sie sich für ein Verbot von Plastiktüten auf Bali einsetzen.

Bambi

Die Schwestern Melati und Isabel Wijsen wurden für ihr Umwelt-Engagement mit einem Bambi geehrt

Mit zehn beziehungsweise zwölf Jahren beschlossen die Schwestern der Vermüllung ihrer Heimat den Kampf anzusagen, fünf Jahre später bekamen sie dafür Standing Ovations in . Maria Furtwängler, die die Laudatio auf die jungen Frauen hielt und anmerkte, dass es zu wenig gute weibliche Vorbilder gäbe, fragte sich, wieso die Mädchen nicht Angst vor dieser riesigen Aufgabe hatten sondern einfach loslegten. Reichlich merkwürdig ist diese Idee, gerade dann wenn der Ruf nach Vorbildern doch so groß ist. Wenn Jede und Jeder eben doch zaudern würde, wie weit kämen wir dann?

Die Verleihung des "Stille Helden"-Bambi war wohl der bewegenste Moment des Abends. Waltraud Hubert betreut im UKE Hamburg demenzkranke Kinder. "Erwachsen wird hier niemand", hieß es in dem Einspieler, der die Arbeit der Kinderkrankenschwester näher bringen sollte. Als sie den Bambi überreicht bekam war sie zunächst sprachlos, bedankte sich dann aber bei ihrer Chefin dafür, dass sie diesen seit zehn Jahren ausführen dürfe.

Die "happy few"

, der einen Sonderpreis für seinen in Deutschland am 23. November startenden Kinofilm "Aus dem Nichts bekam", fand dagegen klare Worte. "Rassismus ist scheiße", sagte Akin. "Hier, und überall auf der Welt." Im schönsten Hamburger Slang dankte er dann aber auch noch seiner "tip-top Frau." Joachim Gauck, ausgezeichnet mit dem "Millenium"-Bambi dankte nicht seiner Frau, freute sich aber, dass er "das Tier" Zuhause auf Höhe seiner Urenkel stellen kann, damit die "das anfassen können und ihre Freude daran haben".

Ihm selbst machten vor allem die Auszeichnungen Freude, die nicht an die "happy few", also den wenigen Glücklichen wie Claudia Schiffer, Hugh Jackman oder Heino Ferch vergeben wurden, sondern an die Menschen, die etwas bewegen. "Ich sollte diesen Bambi mit allen teilen, die etwas tun über ihr eigenes Ego hinaus", erklärte er, und verwies darauf, dass sich mindestens 30 Millionen Menschen ehrenamtlich engagieren. "Ich mag Menschen die mehr können als ich und kann mich unendlich mit ihnen freuen", sagte der ehemalige Bundespräsident und das war sicher keine leere Worthülse.

Für mehr Frauennetzwerke und mehr Mut

Bambi

Comedian Monika Gruner forderte mehr Zusammenhalt unter Frauen

Monika Gruber, ausgezeichnet mit dem "Comdey"-Bambi nutzte ihren Moment für die Forderung nach mehr Zusammenhalt zwischen Frauen. Ihr Plädoyer für mehr Netzwerken unter Frauen und gegen kritisches Taxieren war ein so wichtiges Statement. "Wenn wir uns endlich dazu durchringen könnten, unsere Zeit nicht mehr mit solcher heidiklumschen Kleinmädchengehirnwäsche" zu verbringen, dann, so Gruber, "könnten wir den Laden rocken".

Vielleicht greift sich die Hubert Burda Stiftung, die den Bambi ja auslobt, da zukünftig auch an die eigene Nase. Denn der Publikumspreis wurde zwar durch die Zuschauer gewählt, zur Wahl standen aber ausschließlich männliche Moderatoren. Ist ja nicht so, als gäbe es nicht auch Frauen, die einen verdammt guten Job machen. Gerockt hat der Bambi 2017 jetzt wahrlich nicht so recht. Aber es gab Highlights. Ai WeiWei, der für seinen Mut ausgezeichnet wurde und der darum warb, das Vertrauen in die Menschheit nicht zu verlieren. Laudator Sigmar Gabriel war auch stolz darauf, dass "heute Sehnsuchtsort und nicht ein furchtbarer Ort" sei. Aber diesen Sehnsuchtsort gelte es zu verteidigen.

Vielleicht sind das auch die Schlagwörter des Bambi-Abends: Freiheit, Ungerechtigkeit, Mut, Selbstbestimmung. Das sind Werte die zählen. Ob eine Claudia Schiffer ihre Dankesrede komplett von Karteikarten abliest, Helene Fischer ihren Florian Silbereisen als Fels in der Brandung bezeichnet (und er ihr ein "gern geschehen" zuhaucht) oder Hugh Jackman Iris Berben fragt, ob sie noch seine Handynummer hat - all das sind kleine Randnotizen. Im Fokus sollten die Menschen stehen, die für sich, für andere, für die Umwelt einstehen. Der Bambi hat mit vielen Auszeichnungen eine neue Richtung vorgegeben. Würde es nächstes Jahr noch ein schmissigeres Konzept, weniger mit dem Handy filmende Menschen und eine kürzere Einspieler bei allen Kategorien geben, vielleicht wäre ich sogar wieder mit am Start.

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo