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TV-Kritik

"Der Bachelor": "Arsch an Geschlechtsteil" und vieeel "Tequila, Tequila, Tequila!"

Obszöner Engtanz, Nervenzusammenbrüche und ganz, ganz schlimme deutsche Touris: Die neueste "Bachelor"-Folge bot reichlich Gelegenheit, sich ungläubig an den Kopf zu fassen.

Der Bachelor-Kandidatinnen

Ja, es geht langsam aber sicher aufs Finale zu. Die Gruppe der kreischenden Damen, die um Bachelor Andrej buhlen, hat sich merklich verkleinert. Inzwischen kennen wir sogar tatsächlich alle Namen auswendig! Wer wird am Ende wohl die Auserwählte des muskelbepackten Basketballers sein? Das weiß wohl nur der – Adler? Jupp, Adler. Oder jedenfalls irgendein großer Vogel (unsere ornithologischen Kenntnisse sind begrenzt, sorry), der morgens auf der Terrasse der "Ladysvilla" sitzt und den Nadine aus unerfindlichen Gründen zu ihrem "Orakel" erklärt. "Die Steffi und ich haben heute mit dem Adler gesprochen", verrät sie im Interview. Warum auch nicht. Das angebliche Fazit des "Gesprächs": Ein Einzeldate für Nadine steht an. Spoiler: Daraus wird nichts. Noch ein Spoiler: Die Aufmerksamkeit des Bachelors erregt die blonde Montiererin in dieser Folge trotzdem.

Der Bachelor, die TV-Kritik: "Arsch an Geschlechtsteil. Macht einen natürlich nicht so happy."

Zum krönenden Abschluss ihres Date bekommen Eva und "Bachelor" Andrej ein Feuerwerk geboten

MG RTL D

Der Bachelor schaut vorbei - "eine lebende Person!"

Los geht’s mit einem Spontanbesuch Andrejs in der Villa der Damen. Als es klingelt, öffnet Jenni die Tür – in Erwartung eines Briefes. Deshalb steht sie lustig gebückt vor Andrej, ziemlich auf Schritthöhe, und findet das sehr witzig. "Kein Brief, eine lebende Person!", kräht sie. Die Damen sind alle eher irritiert als begeistert – weil sie nicht geschminkt und zurechtgemacht sind. Trotzdem krallt der Bachelor sich die süße Brasilianerin Nathalia und nimmt sie, so wie sie ist, mit auf ein Einzeldate.

"So wie sie ist" heißt: Schickes Sommerkleid, frisiert und geschminkt (also, wir sehen morgens anders aus …) aber mit Plüsch-Hausschuhen. Wäre witzig, wenn das Date heute aus einer Bergwanderung bestünde, aber tut es natürlich nicht. Stattdessen geht Andrej mit der dunkelhaarigen Schönheit – shoppen. Puh, liebe Männer, es gibt einen bis zweitausend Gründe, warum die meisten Frauen das Kaufen von Kleidung lieber mit ihresgleichen erledigen. Es mag ja erstmal spaßig und gönnerhaft klingen, aber Shoppengehen mit Frauen, das ist ein Balanceakt über einem Feld aus Tretminen, glauben Sie uns das. When in doubt: Gehen Sie mit Ihrer Angebeteten lieber ins Kino, oder schön essen. Echt.

Vom Ladenlokal zum Fummelsofa - zum Handkuss

In diesem speziellen Fall besteht das Einkaufen daraus, dass Andrej und Nathalia mutterseelenallein durch ein von RTL angemietetes Ladenlokal schlurfen, Nathalia ihm unsicher ein paar Kleider vorführt und letztendlich ein hautenges, bodenlanges Abendkleid und meterhohe weiße Stilettos auswählt. Braucht man beides ja ständig. Herrje. Andrej darf dann so tun, als hätte er ihr das Kleid beim nichtexistenten Verkäufer bezahlt und Nathalia bedankt sich mehrmals unterwürfig für diesen seltsamen Ausflug.

Immerhin gibt’s anschließend noch ein bisschen romantischere Romantik – als Andrej sie zum Fummelsofa entführt und extra für die beiden ein Gitarrenfolk-Duo aufspielt. Wenn wir das richtig gegoogelt haben, handelte es sich dabei um einen jungen britischen Musiker namens Tom Speight, der die sehr merkwürdige Situation sehr gelassen meisterte. Da ist man ernsthafter Songwriter und so, und dann steht man in einer RTL-Show irgendwo in einer Clubanlage in Mexiko und soll für  Leute singen, die keinen Plan haben, wer man ist oder was man von ihnen will.

Andrej und Nathalia tun, was das Drehbuch von ihnen verlangt – und schwofen ein bisschen. "Ich habe definitiv schon drüber nachgedacht, sie zu küssen", sinniert der Bachelor. Aber ohne erst schriftlich ihre Eltern um Erlaubnis gebeten zu haben, nee. Also wird nicht geknutscht. Das hat etwas alberne Folgen, als die beiden dann auf der Couch lümmeln und sich mit Schmelz in den Augen anstarren. Was nun? Also küssen sie sich gegenseitig – die Hand. Erst er ihr, dann sie ihm, dann er ihr, dann sie ihm. Also, wilder ist es 1889 wohl auch nicht zugegangen. Superromantisch finden das Date trotzdem beide. Eine Vorab-Rose gibt’s aber nicht für Nathalia. Die scheint jetzt, wo es nur noch eine gute Handvoll Kandidatinnen gibt, gestrichen worden zu sein.

"Wooo wooo, yeah!" Gruppendate! Und Jenni so: "Yeah."

"Hola chica! Whoooa!", kreischen die Mitstreiterinnen, als Nathalia heimkommt und von ihrem Date erzählt. Jenni, natürlich äußerst eifersüchtig, verzieht keine Miene. Als aber am nächsten Tag Jade, Eva und Vanessa auf ein Gruppendate eingeladen werden und "Wooo wooo, yeah!"-kreischend durchs Villenwohnzimmer rennen, kann sie ihren Unmut nicht mehr verbergen. "Yeah", knurrt sie ironisch, und irgendwie fühlen wir sie in diesem Moment sehr.

Das Dreierdate mit Andrej besteht alsdann darin, Boot zu fahren. Die Damen müssen dabei Wagenrad große Strohhüte tragen, die wohl noch vom Dreh der letzten Raffaello-Werbung übrig waren. Vanessas fliegt beinahe weg. Auf offener See angekommen, wird es aufregender. Jeweils mit einer der Damen hebt Andrej zum Para-Sailing ab. Eva meldet sich eifrig zuerst freiwillig, bereut das aber offenbar schnell wieder. Sie leidet in der Luft sichtlich Todesangst und muss sich zusammenreißen, um ihr süßes Fake-Lächeln aufrechtzuerhalten. "Hörst du mal bitte auf zu schaukeln?", faucht sie Andrej an, während sie sich an den Gurten festklammert. 

Dann ist die ewig strahlende Vanessa dran. Sie will die Gelegenheit nutzen, Andrej beim Gleitflug alles über ihre Karrierepläne zu erzählen. Zur Erinnerung: Sie ist Schmuckdesignerin. Oder Accessoires? Oder Swarovski-Stein-Setzerin? Jedenfalls erzählt sie, dass sie derzeit freiberuflich arbeite, das aber nicht ihr Langzeitplan sei. "Was denn dann?", will Andrej berechtigterweise wissen. "Ich würde gern meine eigenen Designs verkaufen", sagt sie. Häh? Was macht sie denn dann gerade? Weder wir noch Andrej sind so richtig schlauer geworden, und der Bachelor guckt dann auch mit recht ratlosem Blick in die Kamera, als er im Interview etwas zu Vanessa sagen soll. "Supercharmant wie immer", sagt er und deutet ein Achselzucken an. Da knistert nichts.

"Mir ist einfach nur schlecht. Und schlecht und schlecht."

Und dann ist da ja noch Jade, die ja vermutlich wirklich eine Herzensgute ist, aber eben aussieht, als sei sie direkt von der Stange im Stripclub in die Show gestolpert. Genau wegen dieses Looks winkt RTL sie vermutlich auch von Folge zu Folge durch, und selbst die sexy Blondine wundert sich inzwischen darüber. Sie will von Andrej wissen, warum er sie immer weiter wählt, aber kein Einzeldate mit ihr will. Die Antwort? Höfliches Larifari. "Ne hundertprozentige Antwort, warum ich noch da bin, habe ich nicht bekommen", ärgert sich die Kölnerin.

Der Wink mit dem Zaunpfahl war überdeutlich. Aber als Andrej und die Damen schließlich wieder an Land sind, bittet er NICHT Jade, noch zu bleiben. Sondern Eva. Autsch. Die beiden hängen dann am Rand eines Whirlpools ab und Eva erzählt von ihrem Ex, einem zehn Jahre älteren Typen, der beruflich in Mumbai zu tun hatte. Was wir uns denken: Das hat sie sich doch ausgedacht. Was Andrej sich denkt: Oha, sie steht also auf alte Säcke mit Geld! "Ich kenne auch Frauen, die für Fluglinien arbeiten", murmelt er vielsagend – Eva ist ja Flugbegleiterin – und Andrejs Bekannte legen offenbar reihenweise Millionäre flach. So so. Dann stellt er noch klar, dass er niemals in Evas Lieblingsstadt Düsseldorf ziehen würde und gerade wenn man denkt, dass da ja gerade wirklich gar nichts harmoniert, knutschen die beiden plötzlich innigst im Pool. Wo kommt das denn jetzt her? Da kommen wir nicht ganz mit!

Als Andrej später darüber nachgrübelt, wie kompliziert das Jonglieren mit den verschiedenen Kandidatinnen ist, sagt er folgenden sehr schönen Satz: "Ich baue hier einfach parallel Verbindungen zu Personen auf." Ist er wirklich Profisportler und nicht Politiker? Auch einen schönen Satz sagt die eifersüchtige Jenni, als Eva zurück in die Villa kommt und von der Knutscherei erzählt: "Mir ist einfach nur schlecht. Und schlecht und schlecht."

Andrej, Jenni, Steffi und Claudia scheinen trotzdem Spaß zu haben. Ist vermutlich der Tequila.

Aber auch Jennis fünf Minuten kommen. Und zwar am nächsten Tag. Sie wird Teil eines in vielerlei Hinsicht bemerkenswerten Gruppendates, zusammen mit Nadine, Claudia und Steffi. Und ja, wir hatten schon wieder vergessen, dass Claudia a) noch dabei ist und b) existiert. Sorry, Claudia! Die lustige Gruppe möchte jedenfalls gemeinsam mit Andrej den Dia de los muertos feiern, den mexikanischen Feiertag der Toten, der – falls es Sie interessiert – ganz bestimmt rein gar nichts mit dem zu tun hat, was wir da im Fernsehen sehen. Andrej verspricht den Mädels, dass sie sich heute mal so richtig unters Volk mischen. Dafür verkleiden sie sich albern, schminken sich gruselig und kippen im Vorfeld ein paar Tequila. Und dann "mischen sie sich unters Volk": Im Herzen irgendeiner Hotelanlage wird für die deutschen Touris, die zuhause behaupten wollen, total in die hiesige Kultur eingetaucht zu sein, ein recht trostloses Theater aufgeführt. Mariachi-Band, tanzende Damen mit Totenkopf-Schminke, drumrum blassnasige Touristen und ein paar irritierte Mexikaner, die kichernd ihre Handys zücken, um das Spektakel zu fotografieren.

Andrej, Jenni, Steffi und Claudia scheinen trotzdem Spaß zu haben. Ist vermutlich der Tequila. Nur Nadine hat keinen Spaß. Sie die linke Hand in die Hüfte, die rechte hält eine Kippe und sie sieht aus wie eine bockige Peggy Bundy an Karneval. Und dann fängt sie an, bitterlich zu heulen. "Ich hab' das Gefühl, dass du mich von einer ganz anderen Seite kennenlernst, wie ich wirklich bin!", wehklagt sie. Wir hingegen haben das Gefühl, dass Andrej sie gerade von der absolut richtigen Seite kennenlernt. Weil er ein Ehrenmann ist, tröstet und umarmt er sie, aber das Sexometer ist definitiv in diesem Moment auf minus 2000 gefallen. Das wird spürbar, als er ihr schließlich einen Wangenkuss gibt, der wohl bei seiner Großtante leidenschaftlicher ausgefallen wäre.

Was ist die einzige Antwort auf diese merkwürdige Gefühlskrise? "Tequila", schlägt Andrej vor. "Tequila, Tequila, Tequila!", juchzt Nadine ein bisschen zu enthusiastisch. Es wird also noch einmal angestoßen. "Auf uns, ihr Schweinebacken!", schmeichelt der Bachelor den Damen.

Bis hierhin fanden Sie den Abend schon unangenehm und irgendwie – fragwürdig? Dann hat Ihnen bestimmt gefallen, als die Damen auf die starke Idee kamen, zur Mariachi-Band auf die Bühne zu hüpfen. "Aber das ist deren Show!", merkt Steffi korrekt an und ziert sich. Aber Jenni scheucht alle nach oben. "Megacoole Idee", findet sie. Und dann hampeln die vier angeschickerten Single-Frauen neben der stoisch weiterspielenden Band auf der Bühne herum. Deutsche Touristen in einem Bild? Hier ist es. "Das war cool, oder?", kichert Jenni später. "Dank uns!" Dank euch, genau, ist klar.

Unangenehmer geht's ja eigentlich kaum, aber dann setzt RTL das Party-Grüppchen auch noch auf ein – Bierbike. Ein Bierbike! Während die Damen also radeln, murmelt Nadine: "Ich spuck' heut Abend noch!" Sexy. Später erzählt sie treuherzig in die Kamera: "Ich bin mir vorgekommen wie so'n VIP. Jeder hat gerufen: Holla! Holla!" Man möchte sie fast gern haben, obwohl sie völlig wahnsinnig ist.

Am Ende dieser Nacht sind alle, wirklich alle, herzlich besoffen

Die verbliebenen Kandidatinnen in der Villa durften sich übrigens ihre eigene kleine Party ausrichten. Auch sie mussten sich schminken und bekamen dafür Tequila von RTL. Das führte zum gewünschten Ergebnis: Zu fortgeschrittener Stunde räkeln sich die Ladys lasziv am Pool, betanzen sich gegenseitig und reiben primäre Geschlechtsteile aneinander. Natürlich wird auch Evas Ausruf ("Du bist ja nass!") nicht rausgeschnitten, der sich natürlich auf Pool-Nässe bezog und nicht auf… ach, lassen wir das einfach. Es ist zu billig. Kurz: Am Ende dieser Nacht sind alle, wirklich alle, herzlich besoffen.

Und dann steht die sechste Nacht der Rosen an. Andrej muss eine Sache klarstellen und nimmt sich direkt Eva beiseite. Geht es ihr bei Männern wirklich nur ums Geld? Auf diese Frage hin hätte sie ihm direkt eine klatschen können, mit einer gewissen Berechtigung. Sie ist völlig überrumpelt, wie er auf diese Idee kommt und wirkt ehrlich getroffen. "Das ist eine Sache, die überhaupt nicht meinem Charakter entspricht", erklärt sie. Andrej wirkt erleichtert und verteidigt verlegen, dass er sie überhaupt gefragt hat. "Ich find's super. Danke", sagt Eva. "Ich find's super"??? "Danke"??? Das wäre jetzt nicht unbedingt unsere Reaktion auf so einen Vorwurf gewesen, aber naja.

Es folgt ein Plausch mit der labilen Nadine, die Andrej schon mal sachte auf Ausscheiden vorbereitet. Irgendwie nett von ihm. Er sorgt sich wirklich um die aufgeregte Blondine. Dann wird noch getanzt, warum auch immer, und Jenni beobachtet mürrisch, wie der Bachelor sich an anderen Kandidatinnen reibt. "Arsch an Geschlechtsteil. Macht einen natürlich nicht happy", resümiert sie. Als Andrej später dann noch gut gelaunt mit Steffi schäkert, rastet die sportliche Brünette dann beinahe ganz aus.

Die Stimmung ist so eisig, dass es sogar Andrej auffällt. Deshalb macht er sich schnell daran, die Rosen zu verteilen. Am Ende gehen Claudia und Nadine leer aus. Claudia, hübsch, sympathisch – aber leider irgendwie zu unauffällig. Nadine – ist eben Nadine. Sie heult, und deshalb heulen dann sofort auch alle anderen. Sogar Andrej wischt sich (wieder mal, aber wir finden das ja gar nicht schlecht) ein Tränchen weg.

In der nächsten Folge, soviel verriet der Bachelor den verbliebenen Damen schon mal, geht die Reise dann anderswo hin. Irgendwie haben wir langsam auch echt genug von der mexikanischen Küste, so hübsch sie auch ist.

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