Der Moderatorencheck Klum made by Klum


Moderatorentrainer Michael Rossié beleuchtet für stern.de regelmäßig neue TV-Gesichter. Diese Woche: Heidi Klum, die für ProSieben Deutschlands nächstes Topmodel sucht.

Der vermutlich längste Titel einer deutschen Fernsehshow, den es je gab: "Germany's Next Topmodel - by Heidi Klum." Da ist alles drin, was Quote macht: Top, Model, Englisch und ein bekannter Name. Und Heidi Klum sucht nicht nur den neuen Superstar, sondern sie moderiert die Ausscheidung auch gleich selbst. Warum auch nicht? Jedes zweite Model antwortet mit Piepsstimmchen auf die Frage, was sie denn mit 30 mal machen wird: moderieren. Da ist schließlich nichts zu können. Sprechen können wir alle, Sprechfehler sind heute salonfähig und wenn man den Text vergisst, gibt es einen Teleprompter. Was soll daran schwierig sein? Ein Grund, sich Heidi Klum genauer anzusehen.

Welchen Maßstab soll man nun anlegen? Soll man ein Model beurteilen, das moderiert oder eine Moderatorin, die wunderschön ist und nebenbei als Model arbeitet? Dem männlichen Zuschauer wird das egal sein, denn optisch wird einiges geboten.

Echt und sympathisch

Das erste, was auffällt, ist ihre Natürlichkeit. Sie ersetzt auch schon mal ganze Satzteile durch Geräusche, wie "ba,ba,ba" für ein Maschinengewehr. Sie schnalzt, gurrt und benutzt gut gelaunt große Gesten, wo ihr das entsprechende Wort nicht einfällt. Aber das ist echt, das ist sympathisch. So ist sie eben, die Heidi aus Bergisch Gladbach, die in der großen Welt Karriere gemacht hat.

Andererseits hört man deutlich, dass sie an ihrer Stimme sicher noch nie gearbeitet hat. Der enge, kehlige Tonfall wirkt auf Dauer sehr ermüdend. Ihre Herkunft hört man so deutlich raus, dass es den Zuschauer ein wenig desillusioniert. Wenn so ein schöner Mund "Kommt ma drekt mit" sagt, wenn sie "manschmal ihren Chaaame" spielen lässt und es "öbbahaupt ömma schwieriger wird", dann bekommt das makellose Bild von dem kometenhaft aufgestiegenen Superstar in der ersten Klasse der Topmodels (Originalton ProSieben) doch leichte Kratzer. Aber Models müssten ja nicht reden...

Auch die Formulierungen sind eher "bodenständig". Models werden "in den Bahamas" fotografiert und zwar genau "als wie ich". Wenn sie die Frage stellt, "wie man so'n Laufsteg macht", dann ist das kein Problem für einen Handwerker. Ein Mädchen war "da zu dick für", aber "wenn die Tage mehr werden", dann werden die schon sehen "wo der Hase herhüpft". Ja, "die werden sich noch überraschen!" Also ehrlich, "da hätte ich jetzt ein bisschen Bammel in den Knien!"

Eigentlich moderiert sie ja gar nicht richtig. Sie plaudert locker mit den Mädels ("Alles gut?") und die übrige Zeit beantwortet sie eigentlich nur Fragen. Und das funktioniert gut. Sie wirkt locker, selbstbewusst und entspannt. Von Starallüren weit entfernt. Außerdem ist der Cutter richtig Klasse und hilft ihr, wo es geht. Wir sehen nie mehr als drei aufeinanderfolgende Sätze von ihr, und sogar die Schnitte in den Interviews versteckt man im Off, damit sie nicht so auffallen. Ja, selbst die Werbung ist mitten in den Satz geschnitten.

Wenn wir also die Maßstäbe an die Moderation anlegen, die an die Körper der Teilnehmerinnen angelegt werden, dann reicht es für ProSieben nur deshalb, weil Frau Klum noch einen Zweitjob hat, der sie sehr berühmt gemacht hat. Aber für Männer, die ja bekanntlich viel besser sehen als hören können, kann das Zuschauen ein ganz amüsanter Zeitvertreib sein. Die Aura von Heidi Klum hat nach der Sendung ein bisschen von ihrem Glanz verloren. Ob das deutsche Fernsehen durch ihre Moderation gewonnen hat, das wird sich in Zukunft zeigen. Was war noch ihr Lieblingssatz für die angehenden Models? - "Du musst hart arbeiten!"

Michael Rossié

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