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"Ich bin ein Star": Fremdschämen für den Frauenflüsterer

Dschungelcamp, Tag 10: Das Camp-Klo quillt über, Giulia greift zum Putzlappen, Mausi seift den Günther ein. Und alle müssen lernen, dass Taten die Zuschauer nicht beeindrucken. Vielmehr entscheidet die suggestive Macht der Moderatoren übers Bleiben und Fliegen. Wer ist wohl der Nächste?

Von Kathrin Buchner

Waren es Sonja Zietlows fortwährende Hetzkampagnen gegen den selbstverliebten Frauenflüsterer, seine schlechten Prüfungsergebnisse oder war es gar der dringende Verdacht, der Verursacher des Scheißhaufens im Dschungelklo zu sein, der dem Möchtegern-Superagenten den Rausschmiss beschert hat? Die Frage wird sich wohl nie klären lassen. Möglicherweise ist es einfach die Summe der einzelnen Teile. Jedenfalls: Nach Langweiler Meziani ist auch Peter Bond raus.

Dabei saß Mausi Lugner schon auf gepackten Koffern. Was sie wohl so sicher machte, dass sie rausfliegen würde? Fühlt sie sich als Ausländerin womöglich ausgegrenzt? Dabei hat sie im Schaumbad mit Waschbär Günther etliche Sympathiepunkte gutgemacht. Seinen massigen Körper hat Mausi mit Hingabe geschrubbt, bis der in die Seife eingebaute Schlüssel für die Schatzkiste mit den Chips rausgefallen ist. Die Zotigkeit des alternden Sunnyboys, der beim Rubbeln "Gefühle" bekommt, hat sie mit Charme und Gekicher pariert und hat sich wie ein Sahneschnittchen abschlecken lassen.

Die gnadenlose Abschussliste der Sonja Zietlow

Wovon die zeltenden Fernsehmarionetten keine Ahnung haben, ist die suggestive Macht der zynischen Moderatoren: Und wenn sich Giulia Siegel zu Recht über die Unberechenbarkeit der Zuschauer wundert, die offensichtlich die Leistungsbereitschaft des durch zahllose Dschungelprüfungen gebeutelten Bond nicht anerkennen, kann sie eins nicht wissen: Während Sonja Zietlow Mausi ganz süß findet, steht seit Anfang dieser Staffel Peter "Selbstüberschätzung"-Bond ganz oben auf ihrer verbalen Abschussliste. Der Bond, der gesteht, neun Jahre Single gewesen zu sein, und der sich als Frauenversteher im Camp so viele Freundinnen gemacht hat. Selbst die dauergrinsende Gundis-Rambozambo weint ihren Herzschmerz an seiner Schulter aus.

Schließlich ist es das, was den Reiz dieser Show ausmacht, die Diskrepanz zwischen Fremd- und Eigendarstellung. Die Ohnmacht der Teilnehmer darüber, in welchem Licht sie dem Zuschauer präsentiert werden, welche Gesprächsfetzen eingebaut werden, welche Gesten die Kamera einfängt, welche despektierlichen Kommentare die Moderatoren über sie lancieren - mit ihrer nackten Haut sind die Kandidaten dem grellen Scheinwerferlicht ausgeliefert, das schlimmere Verletzungen zufügen kann als die UV-Strahlen der Sonne - zumindest der Seele.

Gefahr fürs Kuschelcamp droht nur von außen

Doch innerhalb der Dschungeltruppe herrscht Teamgeist: Da wird Gutmensch Norbert, die Sportskanone, von seinen lieben Urwald-Kollegen für die Prüfung auserkoren, damit er sich auch mal den Zuschauern präsentieren kann. Da greift Mutter-Beimer-Giulia freiwillig zum Putzlappen, um die Kacke im Klo zu beseitigen, und bewahrt das auch noch als kostbaren Moment der Erinnerung in ihrem Gedächtnis. Die Maden-Ratten-Expedition wird zur Wellness-Wonne, Nico Schwanz mutiert zum braungebrannten Schönling, Oldie Ingrid bekommt rosa Apfelbäckchen, Li-la-Laune-Bär Günther setzt sogar seine Tabletten ab. Was sich für uns als Club der Langeweiler darbietet, zeugt von tiefer innerer Harmonie - auch wenn die Kompagnie-Großmutter Ingrid die Geltungssucht der Falsch-Tittenträgerinnen in leisem Flüsterton am Feuer gegenüber Natur-Pur-Fan Norbert beklagt, besser gesagt analysiert. Wirklich böse ist sie dabei nicht, eher erstaunt. Die Chemie im Camp stimmt - keiner ist frühzeitig freiwillig gegangen, keine Prüfung wurde abgebrochen.

Kein Wunder, dass Pseudo-Bond der Abschied schwer fällt, wie er in seiner Abschiedsrede salbungsvoll wie ein Priester beteuert. Da kann man dem begnadeten Selbstdarsteller nur wünschen, dass der Aufprall ins wahre Leben nach dem Kuschel-Camp nicht allzu hart ausfällt. Womöglich gibt es ein böses Erwachen, wenn sich seine frischgebackene Freundin Carolin Riess vor lauter Fremdschämen schon aus dem Staub gemacht hat - laut "Bild" seien ihr nämlich seine Nacktbilder, seine Pornovergangenheit und seine Schulden peinlich. Am Fall Bond ist die Diskrepanz zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung besonders drastisch - seine Möchtegern-Coolness bei dem Dschungel-Intermezzo könnte ihn das persönliche Glück kosten - ob sich das lohnt für ein paar zehntausend Euro Expeditions-Honorar?

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