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Dschungel-Finale: Kuheuter-Nippel ja, Kroko-Vagina nein

Die elfte Staffel des Dschungelcamps ist überlebt. Marc Terenzi ist Kunich of the Dschangl. Überraschend ist nicht sein Sieg. Dass er etwas vom kategorischen Imperativ versteht hingegen schon.

Von Sylvie-Sophie Schindler

Dschungelcamp 2017: Das sind Höhepunkte des Finales

Vagina ist nicht gleich Vagina. Kein Nietzsche, kein Hegel, kein Kant hat sich je zu dieser Erkenntnis durchgerungen. 16 Tage Dschungelcamp aber sind die vielleicht härteste Prüfung für das, was man beim Menschen Verstand nennt. Und danach weiß man, was man noch nie zu wissen gehofft hatte. Marc Terenzi hat nun eine Krone auf dem Kopf, mit Blumen, mit Blättern, in Händen einen holzgeschnitzten Regentenstab – er ist der elfte Dschungelkönig. In der Sprache des singenden Strippers heißt das: Kunich of the Dschangl. Der – übrigens wenig überraschende - Sieger also des kakerlakigsten RTL-Promi-Outlet ever und Nachfolger von Menderes Bagci. Und wenn einer etwas über Vaginas erzählen kann, dann er, der Marc.

Keine Sorge, das geht jetzt nicht in die Fummel-Richtung. Die Rede ist von Delikatessen, die man hierzulande eher weniger zu schätzen weiß, und "kene Ehnung" wie es immer zugegangen ist, just Marc wurde immer wieder die Vagina eines toten Tieres serviert, zuletzt die eines Krokodils. Und wo er beim Nippel vom Kuheuter noch würgende Miene zur letzten und obligatorisch bösen Dschungelprüfung machte, und daran kaute und kaute und kaute, hörte es bei der Reptilien-Vagina einfach auf. So was nennt man auch Tierschutz "High Class". Immerhin bevölkern Krokodile bereits seit 200 Millionen Jahren die Erde.

"Ich habe Hanka überlebt"

Der moderne Mensch hat sich aus dem Homo erectus entwickelt. Ihn, den Homo sapiens, soll es seit etwa 200.000 Jahren geben. Homo Hanka gibt es seit 47 Jahren, auch wenn sie darüber nicht sprechen will, Frauen und das Alter, aber bevor sie in Rente geht, hat sie es nach ihrer "Schlimmerbecher"-Prüfung – mit Kakerlaken, Mehlwürmern und Glibberschleim in einem XXL-Becher- immerhin noch zur Dschungelprinzessin geschafft, Platz zwei. Was deshalb nicht so selbstverständlich ist, weil die bereits ausgeschiedene Kader Loth bereits laut überlegt hatte, Hanka Rackwitz "aufzufressen". Aus Gründen übrigens des auf Reis und Bohnen getrimmten und deshalb dauerhungrigen Magens. Und nicht etwa, weil die manisch redselige Hanka zu einer "Laber-Croft" mutiert war, wie Moderatorin Sonja Zietlow böszüngelte.

Dschungelcamp-Finale: Kamelhirn und Krokodilvagina - die Ekelprüfungen am letzten Tag
Dschungelcamp 2017

Pech für Marc: Der Amerikaner musste in seiner Prüfung "Ächz" verschiedene Dschungelköstlichkeiten verzehren. Dabei hatte er gesagt: "Essen ist nicht mein Ding." Entsprechend schwer tat sich der 38-Jährige. Auf der Speisekarte standen zwei Nippel vom Kuheuter, ein Glas pürierte fermentierte Eier, eine Krokodilvagina, eine lebende Spinne und ein Kamelgehirn. Terenzi erspielte sich zwei Sterne.

Denn mit ihren Ohnepunktundkomma-Monologen hatte die TV-Maklerin, die letztlich zugab, sich selbst nicht mehr reden hören zu können, wohl vielleicht tatsächlich in dem einen oder anderen Mitcamper heimliche Mordgedanken heraufbeschworen. Für Botox-Beau Florian Wess jedenfalls, der es im Finale auf den dritten Platz schaffte, schien die wahre Prüfung nicht in seiner letzten zu bestehen, in der er in einer Art Grabkammer mit Ratten, Spinnen und zig anderem Getier fünf Minuten lang ausharren musste, sondern in der Dauerpräsenz der anderen "Stars": "Die gehen nicht weg, die sind immer da." Schließlich verkündete er strahlend: "Ich habe Hanka überlebt".  

Suizidversuche und Schulden gehören zum Dschungelcamp

Und Sonja erinnerte ihn: "Und du hast Honey überlebt". Ja, der Honey. Mag sein, dass dessen Zahnpastawerbegrinsen den Florian immer noch schlecht schlafen lässt. Vergessen ist Honey jedenfalls nicht so schnell, erinnern doch alleine die Buchstaben an ihn, die er in einen Baumstamm ritzte: Honey. Als handle es sich, Trump pass auf, um eine neue Weltmacht. Hübsch übrigens die kurze Kameraeinstellung: Gezeigt wurde Florian, auf dem Baumstamm neben dem Honey-Namenszug sitzend, und Florians rechtes Bein mit einem Tattoo: Jesus. Tja, Honey, jetzt wärst dann du wieder am Zug.

Natürlich galt auch dieses Jahr: Die zwölf Menschen, die in den Dschungel zogen und die in manchen Kreisen als prominent gelten, hatten kein Leben im Schonwaschgang. Suizidversuche, Schläge und Schulden gehören in manch eine Vita. Was aber alle verbindet, und was letztlich nur menschlich ist, ist die Sehnsucht, geliebt zu werden. Insbesondere die unter Zwängen und Phobien leidende Hanka gestand, was sie mit einem Sieg beim Dschungelcamp verbindet: "Mein Ziel ist es, geliebt zu werden." Und fügte nach einer Sekunde an: "Oder gemocht, das würde schon reichen." Als sie schließlich nur noch mit Marc im Rennen war, jubelte sie: "Marcie, man mag uns gern leiden." Marc daraufhin: "Holy shit."

Marc Terenzi, der Philisoph

Warum Marc? Gegenfrage: Warum nicht? Immerhin kann er ein Glas mit pürierten fermentierten Eiern in zehn Sekunden austrinken. Er hat keinen Silikonbusen, keine aufgespritzten Lippen, auch ein Argument. Stattdessen: ein Sixpack. Nicht auszuschließen, dass Kader und zig andere Ladies ihn deshalb gewählt hätten beziehungsweise haben. Mehr Damenprogramm aber gab es nicht: Wie gut er strippen kann, hat er im Dschungel nicht unter Beweis gestellt. Wohl aber, dass er ein Teamplayer ist. Einer, der sich zwar beim Sprechen der deutschen Sprache nicht um "de Regels" schert, aber dafür umso mehr um die im Camp. 

Seine Devise: "We must them halten." Und weil Philosoph Kant nicht zu Wort kam in diesen 16 Tagen Dschungel-Marathon, soll er es wenigstens jetzt. Denn es ist zu vermuten, dass Marc auch deshalb gewonnen hat, weil er sich an dem von Kant formulierten "Kategorischen Imperativ" orientiert, der da lautet: "Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde." Könnte man jetzt ausführen. Will man aber nicht. Stattdessen das Schlusswort der königlichen Hoheit: "The Dschangl hat mich really zurück zu mir gebracht."