Dschungelcamp, Tag 7 Essen, Deep Talk, Harmonie – aber Strafe muss sein

  • von Ingo Scheel
Deep Talk im Dschungelcamp: Hier diskutieren Gil und Patrick über Liebe
Deep Talk im Dschungelcamp: Hier diskutieren Gil und Patrick über Liebe
© RTL
Das Ende der ersten Dschungelcamp-Woche naht, man könnte meinen, es hält eine gewisse Normalität Einzug. Selbst Ariel wächst über sich hinaus – doch das dicke Ende kommt noch.
 

Irgendwann nach sieben, acht Tagen kann es passieren, dass im Dschungelcamp eine Art Vakuum entsteht, das all den Ärger, den Tumult, die Verwerfungen einsaugt, zumindest für eine gewisse Zeit. Dann ist Ruhe unter den Palmen und die persönlichen Baustellen werden abgearbeitet. Hardy erzählt vom Tod seines Vaters und davon, dass am Ende eine gewisse Distanz zwischen Junior und Senior herrschte, und das nicht nur weil dazwischen der Atlantik lag. Man hatte sich ohne erkennbaren Grund irgendwie auseinandergelebt. Heute weiß der Sohn nicht einmal, wo genau der Vater begraben ist.

Eine traurige Familiengeschichte, die so ähnlich auch Simone zu erzählen hatte. Das Verhältnis zur Mutter war früh belastet, zuhause herrschte bis zur Scheidung – da war Simone gerade mal sieben Jahre alt – "Krieg", so drastisch drückte sie es aus. Ihr Bruder starb in jungen Jahren, später verlor sie selbst einen Sohn. Die nächtlichen Gespräche am Lager, in diesem Fall zwischen Simone und Mirja, haben einen besonderen Vibe. "Nachts bist du immer so süß", sagt die eine zur anderen.

Hubert würde man so etwas zu später Stunde eher nicht sagen, er würde es wohl auch gar nicht hören. Die zweitlauteste Lärmquelle im Camp, gleich nach Ariels Geschrei: Wenn sich bei Hubert Gaumensegel und Zäpfchen zum sinnlichen Waldabholzen, vulgo Schnarchen, vereinen. So hört es sich an, wenn man sich den ganzen Tag auf diese offizielle Schlafenszeit vorbereitet und zwar mit Liegen, Liegen und nochmals Liegen. Wie sagte Simone es so schön: "Wir sind alle schon ausgezogen, dann liegt der immer noch da." Irgendwo in der Ferne hört man leise Rainer Langhans kichern. Also theoretisch, wenn Hubert nicht so laut sägen würde.

Dschungelcamp: Es geht um die Wurst

Und sonst? Ging es um die Wurst, und zwar in diversen Facetten. Bei Umut müffelte es schon aus dem Dschungeklo, obwohl der sie noch nicht mal abgeseilt hatte. Auch die Kamel-Würste waren etwas gewöhnungsbedürftig, gerade in Kombi mit Feigen, Austernpilzen, Spinat und Kaktusblättern. Irgendwann wurde lecker gespeist, kein Vergleich jedoch zu dem, was bei der nächsten Mahlzeit auf die Camper wartet, denn Ariel – die Scream-Queen, Lady Schrei, die Tinnitussi – entpuppte sich in luftiger Höhe zur Performerin mit ungeahnten Nehmer-Qualitäten. Auf dem "Traumaschiff "balancierte, zeterte, kreischte sie und sackte dabei sage und schreibe neun Sterne ein. Davon wird man sich ein paar schmucke Kamelwürste leisten können. Irgendwo in der Ferne läuft Markus Söder das Wasser im Mund zusammen.

In seiner kurzen Wachphase erzählte Hubert beim Abwasch die langweiligsten Anekdoten der Welt, bevölkert von Promis wie Brigitte Nielsen und Ex-Kanzlerin Merkel, Steven Spielberg und Karl Lagerfeld. Man könnte meinen, der Schmuhbert hätte sich auf eine Promidouble-Convention verirrt. Dann doch lieber schnarchen. Patrick schwärmte von seiner Liebsten, nur 1,43 Meter groß, aber jongliert mit den Heuballen wie eine Große, führt kompetent den Joystick – nicht das, was Sie jetzt denken – und sollte von Patrick so langsam mal die Frage aller Fragen gestellt bekommen. Irgendwie ging es auch noch um Pferde, die Rökvaldur, Gerda und Rippa heißen, oder so ähnlich. Und jetzt alle: Old McPatrick has a farm, Ee-aye, ee-aye, oh.

Burgfrieden zwischen Eva und Ariel

Zwischen Eva und Ariel kam es zu einer Art Versöhnung, einem Burgfrieden, der für den Moment einen tragfähigen Eindruck macht, zumindest solange sich die Elektrolyte-Versorgung weiterhin sättigend gestaltet. Kurz mal knirschte der dünne Firnis der Zivilisation, als Simone offenbarte, Gils Ex-Frau Verena zu kennen und über das nicht ganz astreine Handling der Kinder-Verteilung zwischen den beiden einiges zu erzählen hätte. Gerade hatte man die Chipstüte aus der Hand gelegt, um jetzt raschelfrei und hochkonzentriert bereit zu sein, da zerstob die Vorfreude wie Zigarettenrauch im Abendwind.

Apropos – gerade als man dachte, dass soviel Harmonie und Gleichklang gar nicht sein könnten und sich fragte, wo denn jetzt die schöne Friktion herkommen soll, da schlug der lange Arm des Lagergesetzes unbarmherzig zu: 146 Regelvorstöße würden vorliegen, das hat die Überwachungszentrale festgestellt – tagsüber ratzen, nachts Tiere quälen, das Feuer unbewacht lassen, alles nicht comme il faut. Die Konsequenz: Die Nikotineur*innen mussten ihre Dippen, Zichten, Fluppen abgeben und zwar sofort. Ein paar hastige Lungenzüge noch und schwupps, war das Camp zum Nichtraucherabteil verkommen. Wie schnell das zu Übersprungshandlungen führen kann, zeigte sich am Beispiel Nicole, die nach kurzer Zeit schon solch einen Schmachter hatte, dass sie wohl ihre Brille geraucht hätte – wenn sie denn wüsste, wo sie das Teil gelassen hat. Brille? Verlegt, Mann.

Soweit die Lage im Lager, nach einer Sieben-Tage-Woche, bei der kein Ohr trocken blieb, dafür noch einmal "Danke, Ariel!" Und während die sich erneut – diesmal zusammen mit Gil – erneut in den Kampf um Sterne begeben darf, wird es heute Abend zum ersten Mal so richtig brenzlig, denn es wird jemand das Camp verlassen müssen. Wir bleiben dran.

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