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Dschungelcamp 2013: Bis einer heult

Sind die Dschungelspiele wirklich schon vorbei oder gehen sie in die Verlängerung? Beim "Großen Wiedersehen" der Kandidaten wurde jedenfalls wie in bester Camp-Manier gestritten und gekeift.

Von Mark Stöhr

Der Dschungel ist zu. Er ist jetzt wieder für sich. Das wurde auch höchste Zeit. Die Natur gab alles in den letzten zwei Wochen, um die Sommerfrischler aus Germany wegzumobben: mit extremer Hitze, umstürzenden Palmen und am Ende mit einer fiesen Feuchtigkeit, die unter jedes Make-up kroch. Doch die Deutschen quatschten munter weiter. Nicht einmal ein Kamel-Penis und eine Buschschwein-Vagina brachten sie zum Schweigen. Beim großen Wiedersehen der ganzen Bagage im Baumhaus startete der Dschungel einen letzten Versuch: Er schickte Windböen und lauten, prasselnden Regen. Und die Camper? Die redeten einfach lauter. Vor allem lauter hanebüchenen Unsinn.



Dass Claudelle Deckert, die Bronzegewinnerin, leichtes Doping einräumte (Silikonbrüste), war nicht weiter der Rede wert. Allein ein OP-Outing von Allegra Curtis, dem Kolosseum unter den Körperruinen, hätte wirklich Eindruck gemacht. Doch die beließ es bei einer allerdings irren Selbstcharakterisierung: "Ich bin ein sexy Walfisch." Patrick Nuo erhöhte die Drehzahl der Debilität. Er machte seine Pornosucht erst so groß wie Crackrauchen und eine schwere Bronchitis zusammen ("Ich habe viel Scheiße erlebt in meinem Leben, ich bin nicht nur der Schmusesänger") und verkündete anschließend, der einstige Masturbationszwang sei Thema seiner neuen Single. Was für ein Einfall: ein Song voller Schüttelreime. Verkauft sich bestimmt gut.

Olivia, Iris und Fiona gehen sich fast an die Gurgel

Nur noch ein bisschen peinlicher war Silva Gonzales. Peinlichkeit ist gewissermaßen das letzte Kapital der Hamburger Partywurst. Er bettelte fast auf Knien darum, das Gerücht zu bestätigen, er habe in Australien mit Georginas Schwester angebändelt. Wir stellen fest: Mit der Schwester der Frau, die er im Camp gerne auf das übelste beleidigte ("Georgina ist ein Totalschaden, die gehört verschrottet"). Silva lachte sein ätzendstes Lachsack-Lachen dazu. Der Typ hat einfach null Hemmungen, aber auch null Relevanz. Die Geschichte der siebten Staffel schrieben andere.

Bei der Reunion der Dschungelbande im Baumhaus wird normalerweise das Kriegsbeil begraben. Wer in den 16 Tagen Stress miteinander hatte, reicht sich zum Ende der Spiele entweder die Hand oder geht sich aus dem Weg. Gestern gingen sich Olivia, Iris und Fiona fast an die Gurgel, Allegra war teilweise starr vor Entsetzen. Selten wurde in einem Dschungelcamp so Foul gespielt wie in diesem. Die RTL-Regie frischte die Erinnerungen an die gnadenlosen Lästereien mit den betreffenden Einspielern auf. Olivia über Allegra: "Die landet entweder in der psychiatrischen Klinik oder in der Schönheitschirurgie." Iris über Fiona: "Die ist ein Supermodel für Hundeknochen." Iris über Fionas Mutter: "Wie kann man sein Kind so als Arschloch erziehen?" Schon harter Tobak, der nicht so schnell vergeht.

"Fettes Schwein" gegen "Bulimiekrank"

Fiona schossen ständig die Tränen in die Augen. Sie nannte die Sprüche "bösartig", sie selbst habe sich nie auf ein solches Niveau herabgelassen. Einspruch Mutter Katzenberger: "Du hast gesagt, ich bin ein fettes Schwein, das auf die Schlachtbank gehört." Fiona: "Stimmt nicht." Katzenberger: "Stimmt wohl." Fiona zu Iris: "Du hast mich im Bus hierher als Bulimiekrank bezeichnet." Olivia zu Fiona: "Du hast dir im Camp den Finger in den Hals gesteckt." Fiona: "Mir werden Krankheiten unterstellt, die nicht lustig sind. Das ist unter der Gürtellinie. " Olivia: "Ich weiß gar nicht, wo meine Gürtellinie ist." Es war wie im Kindergarten. Als Olivia Jones den Streit beenden wollte und ihr Glas erhob – "Lass uns anstoßen, Hase!" –, schaute Fiona in die andere Richtung. Freundinnen werden die drei Streithennen in diesem Leben nicht mehr.


Bei all dem Gezänk und Gerede gingen der alte König und sein Thronfolger fast unter. Helmut Berger, der bekanntlich schon nach drei Tagen abdanken musste, wedelte die meiste Zeit grenzdebil mit einem australischen Nationalfähnchen. Einmal hörte er damit auf und gab Olivia Jones einen Zungenkuss. Joey Heindle ("Ich bin jetzt mehr Mann geworden") musste seinen Regenschirm selbst tragen, als er durch den dichten Regenwald-Regen zu seinem Thron stapfte. Er wolle die Krone in dreizehn Teile zerschneiden, damit jeder ein Stück abbekomme, sagte er. Wieso in dreizehn Teile bei doch nur zwölf Kandidaten, wurde er gefragt. Da wusste er auch keine Antwort darauf, er hatte sich einfach nur verzählt. Höchste Zeit, dass der Dschungel für ein Jahr zumacht.