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Dschungelshow, Tag 3 "Die Langeweile ist schon ein hartes Stück", klagt Frank Fussbroich. Jetzt kann er wieder Stühle verkaufen

RTL-Dschungelshow-Kandidat: Frank Fussbroich
Frank Fussbroich musste die RTL-Dschungelshow verlassen
© Stefan Gregorowius / TV Now / PR
Heiter, heiter geht’s weiter: Provinz-Beau Mike ist im Halbfinale, mit ihm It-Girl Zoe, das statt spitzer Schreie auch mal ein paar Sterne einsammelte. Doch der Spaßfaktor der Show bleibt übersichtlich. Daran änderte auch eine Riesenkakerlake, die sprechen konnte, nichts.
Von Mark Stöhr

"Was machst du?", fragt Frank. "Bin auf’m Klo", antwortet Mike. "Bist du am Kacken?" – "Yo." Mit Stühlen kennt sich Frank Fussbroich als Stuhlvertreter gut aus. Er sitzt auch sehr gerne. Geht man nach seinem Körperprofil, sogar ausschließlich. Aber selbst einem Sitzbroich werden 18 Quadratmeter Anti-Happening nach drei Tagen fad. Da packt ihn die Sehnsucht nach der Dürener Fußgängerzone und er wuchtet sich aus seiner Pritsche – und steht rum wie ein Bergbau-Kumpel, dem sie die Zeche dicht gemacht haben. Maximale Tagesfreizeit, null Ideen. "Die Langeweile ist schon ein hartes Stück", stöhnt er. Stimmt. Frag mal uns, Alter!

Neuschwanstein sehen und sterben

In dieser Dschungelshow ist alles megagelockdownt: der Promifaktor, der Beef, der Gossip, die Gags. Selbst Dr. Bob sitzt im Studio wie ein selig-debil grinsender Rentner, der sich endlich seinen Deutschland-Traum erfüllt. Neuschwanstein sehen und sterben. Und wenn er vor den Dschungelprüfungen kultmäßig ins Bild springt, springt er eben in eine grün angepinselte Bretterbude mit Baumarkt-Palmen davor. Das ist keine Show, mehr so eine Check24-Sitcom, in der ein ehemaliger Verkehrsminister auf einer Orgel die Nationalhymne spielt und eine Riesenkakerlake – mach das bitte nie wieder, liebes RTL – auf Ruhrpottplatt spricht.

Aber: Das runtergefahrene Entertainment entspricht dem Zeitgeist. Wir sollen uns ja nicht aufregen. Und so wärmen wir unsere Seelen still an den Rückblenden, in denen nur der Klimawandel das Dschungelcamp mit Buschfeuern und Regengüssen in seinem Bestand gefährdete. Plus eine wild gewordene "Schwarze Witwe" aus Mallorca. Danni Büchners Furor und Falschheit sind legendär, komprimiert in der einen Szene im Dschungeltelefon, als sie sich an die Regie wandte: "Authentisch bin ich, oder? Wollte nur kurz nachfragen."

Parodontose der schlechten Laune

Gestern war sie zu Gast mit ihrer ganzen Grundbockigkeit und diesen permanent angefletschten Zähnen, so einer Art Parodontose der schlechten Laune, und dudelte zum fünfmillionsten Mal ihre Leier von der Mutter, die für ihre Kinder Geld verdienen musste und emotional noch nicht bereit war. Die Drittplatzierte der letzten Staffel schloss ihre Ausführungen mit dem kuriosen Fazit: "Für mich habe ich gewonnen, ich bin Dschungelprinzessin geworden." Daniel Hartwich konterte in Anspielung auf ihren neuen Lover: "Die Dschungelkrone hat sie nicht bekommen, aber den Wanderpokal, den Ennesto Monté." Eisiges Lächeln, Abgang.

Aber wen aus dem ersten Trio im Tiny House werden wir nächstes Jahr möglicherweise im richtigen Camp wiedersehen? Mike Heiter, der tätowierte Provinz-Beau, wäre durchaus denkbar. Er hat nicht übertrieben viel in der Birne, verfügt aber über einen spitzbübischen Charme. Kein Superheld in Prüfungen, auch kein Totalversager, Preisklasse fünfter bis siebter Platz. Auch Zoe Saip hat Dschungel-Potenzial. Sie ist der Typ hysterisches GNTM-Girl, das an seinen Aufgaben wächst.

Dr. Bob, der am Ende der gestrigen Folge Noten verteilte und jeden Kandidaten beurteilte – alles ein bisschen seltsam –, gab der 20-Jährigen eine 2 und hob ihren Teamgeist hervor. Sie hatte Frank Fussbroich zwei Kippen gepumpt. Und was wird aus dem? Im Fernsehen wahrscheinlich nichts mehr. Er flog gestern raus und muss jetzt wieder Stühle verkaufen. Er sah nicht sehr glücklich darüber aus. Aber immerhin hat er trotz Lockdown die Haare schön. Fussbroichs Frau ist Friseurin.

Die komplette dritte Folge der RTL-Dschungelshow können Sie bei TV Now sehen.


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