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Dschungelshow, Tag 2 Die Macht von zwei Zigaretten oder warum twerkt Fussbroich?

Saip verfällt dieses Mal nicht in Schockstarre, sondern beißt sich durch. So nah war sie einem Stern noch nie.
Saip verfällt dieses Mal nicht in Schockstarre, sondern beißt sich durch. So nah war sie einem Stern noch nie.
© TVNOW / Stefan Gregorowius / MG RTL D
Da fallen Frank Fussbroich fast die Tränensäcke aus dem Gesicht: Panik-Princess Zoe überrascht ihn mit einer noblen Geste. Seinen Kumpel Mike Heiter will der 52-Jährige Kölner hingegen nur noch "weg klatschen".
Simone Deckner

"Wenn du verkackt hast, haste verkackt", sagt Frank Fussbroich. Et kütt wie et kütt. Shit happens, auch wenn man ihn im Tiny House nur mit Sägespänen notdürftig begraben kann. Mitbewohnerin Zoe Saip suchte dennoch das Gespräch mit dem fiesen Möpp. Weil sie mitbekommen hatte, wie der gelästert hatte: über ihre Schreie in der Prüfung, ihre fehlenden Sterne, ihr Zoe-Sein. "Darf ich dir was sagen, Frank? Ich habe einfach verkackt, weil ich in Panik geraten bin", warb das Model um Verständnis. Sie sei seit sechs Monaten in Therapie, erklärte Zoe. Sie wolle lernen, ihre Emotionen besser in den Griff zu bekommen. Zu ihrer Mutter und Schwester habe sie seit zwei Jahren auch keinen Kontakt mehr. Es sei alles etwas schwierig.

Das war eindeutig zu viel Input für Fussbroich: "Du hast aber echt ein Problem, Mädchen!", blaffte er Zoe an und stellte die für ihn einzig folgerichtige Frage: "Bist du balla balla?" Es war leider nicht das letzte Wort von Hilfsdoktor Haudruff. Sein Vorschlag, tief aus der Schwarze-Pädagogik-Hölle: "Mach‘ doch mal den Kopf an die Wand, vielleicht hilft das." Falls sich noch jemand fragt, wieso Menschen mit psychischen Erkrankungen so viel Angst davor haben, mit anderen darüber zu sprechen ...

So viele Jugendsünden

Ein Erklärungsversuch: Das Fernsehen ist schuld am moralischen Verfall des Frank F. Bereits 1979 filmte der WDR in das Kinderzimmer des damals 11-jährigen Arbeitersohnes hinein – und fand: eine psychedelisch anmutende Tapete, "Grease"-Poster und einen ständig laufenden Fernseher. Klein Frank guckte "Daktari" und "Dalli Dalli" und schmetterte inbrünstig die Werbung von "Underberg"- und "Sana Tchibo Schonkaffee" mit. Von 1989 bis 2001 wurden "Die Fussbroichs" die Wegbereiter für "Die Wollnys" und "Die Geissens" von heute.

Franks Mutter wünschte sich damals, ihr Sohn möge nicht in der Fabrik arbeiten, sondern einen "irgendwie besonderen Beruf" finden – Frank lernte Betriebsschlosser. Wenn er nicht gerade im TV junge Frauen vor den Kopf stößt, arbeitet er "als Verkäufer von verschiedenen Stühlen im Außendienst". Betrug, Urkundenfälschung und Hehlerei finden sich ebenfalls in seiner Vita, laut Fussbroich alles "Jugendsünden".

"Dat Mädchen hat Charakter"

Gerade, als man sich schon vor seinen zotigen Zwangsjackenwitze über Zoe fürchtete, passierte etwas Unerwartetes: Damit Frank in den Genuss einer persönlichen Überraschung kommen konnte, schenkte Zoe ihm wortlos zwei ihrer Zigaretten. Keine Kippen mehr, dafür Burgfrieden mit dem Fussbroich. Der war komplett geplättet: "Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll", stammelte er, "dat hat aber Charakter dat Mädchen." Die Überraschung entpuppte sich als Videobotschaft von Franks Frau Elke – immerhin harren die Kandidaten ja schon 24 Stunden im Tiny House aus, also ewig.

Nicht nur Fussbroich zeigte sich beeindruckt von der noblen Geste. Stargast Désirée Nick, Dschungelkönigin der 2. Staffel, outete sich ebenfalls als Zoe-Fan. "Sie ist Hot-Girl-Shit", fachsimpelte die Nick. Sie habe sich hier nur auf etwas eingelassen, was sie noch überfordere. "Sie ist sich selbst noch im Wege. Ich würde sie gern coachen. Vier Wochen würden reichen", so Nick. Für ihre ehemalige Camp-Mitbewohnerin Dolly Buster, die neben Willi Herren ebenfalls zu Gast im Studio war, hatte die Kabarettistin hingegen nur ein vergiftetes Lob parat: "Ich habe mit einem neuen Gesicht gerechnet, aber sie sieht eigentlich so aus, als sei die Zeit stehen geblieben", scharfzüngelte die Nick. Ex-Pornostart Buster war mit ihrem Katja-Burkhard-Gedächtnis-Look tatsächlich kaum wiederzuerkennen.

Hauptsache, die Frisur sitzt

Auch für Publikumsfavorit Mike Heiter hatte Nick nicht nur warme Worte übrig: Die Sanierung seiner Zähne erinnere sie "mehr an eine Kachelarbeit aus der Fliesenabteilung", spottetet sie. Auf Instagram machen sich die Follower des heiteren Mike aber ganz andere Sorgen: "Er sieht so dünn im Gesicht aus!" Immerhin gibt es bislang frisurentechnisch nichts zu beanstanden: Das rote Bandana sitzt tadellos wie dereinst bei Tupac. Mike selbst war auch gut drauf, wäre da nicht die Langeweile im Tiny House und das lange Warten auf die nächste Prüfung. Versonnen sah man ihn an der Tür den Sonnenstand und die Uhrzeit schätzen. "Im Westen geht die Sonne auf, wisst ihr Bescheid", zeigte sich der 28-Jährige nicht ganz sattelfest, aber hey, so lange die Frisur sitzt.

Die saß auch bei der Prüfung an Tag 2 namens Decodieren. Aus einer Plexiglasbox mit Getier galt es Zahlencodes auszugraben, sich zu merken und Schlosser für Sterne zu öffnen. Zoe hatte sich vorgenommen, dieses Mal mutiger zur Tat zu schreiten. Ihre erste Frage beim Anblick einer mit Kakerlaken und Fleischresten gefüllten Box: "Sind das Organe?" Nach einer zögerlichen ersten Minute griff die 21-Jährige dann doch beherzt zu – allerdings ohne nachhaltigen Erfolg. Auch Frank und Mike gingen leer aus. Frank legte seine altbekannte Platte auf: "Wir haben einfach verkackt!"

Fussbroich will strippen

Damit die Zuschauer ihn weiter wählen, setzte Frank nicht mehr nur auf dumme Sprüche, sondern auch auf seinen Körper. Schon im Haus hatte er sich plötzlich in Hockstellung geworfen und den Allerwertesten geschüttelt, als twerkernder Fussbroich. "Ich ziehe mich jetzt aus", kündigte er später an, damit die Zuschauer für ihn anrufen, entledigte sich dann aber doch nur seines Pullovers. Wie am Vortag landet er in der Publikumsgunst auf dem 2. Platz hinter Mike Heiter. "Ich muss dich weg klatschen, Alter!" kündigte er danach an.

Denn: Morgen fliegt schon der erste Bewerber fürs Dschungelcamp 2022 aus dem Rennen. Bis dahin bleibt noch etwas Zeit, sich mit drängenden Fragen zu beschäftigen: Wird der Vater von Zoe bald Frauke Ludowig ein Exklusiv-Interview über seine Erziehungsmethoden geben? Wann erklärt Lars Tönsfeuerborn endlich, wo man so geile Nachnamen wie den seinen kaufen kann? Und hat Dr. Bob sein Lieblingsaccessoire, die Goggles, womöglich in Australien vergessen? Bleiben sie dran!


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