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"DSDS": Die Kandidaten im verbalen Nacktscanner

Wer bei "Deutschland sucht den Superstar" mitsingen will, bekommt einen Fragebogen vorgelegt: In mehr als 100 Fragen werden intime Details abgefragt.

Was darf eine Produktionsfirma die Kandidaten eines Casting-Wettbewerbs fragen? Alle 120 Kandidaten, die die erste Runde von "Deutschland sucht den Superstar" überstanden haben, werden mit über 130, zum Teil sehr intimen Fragen konfrontiert, auf insgesamt 17 Seiten. Die Kölner Fernsehproduktionsfirma Grundy Light Entertainment, die "DSDS" im Auftrag von RTL produziert, kundschaftet so aus, was man höchstens der besten Freundin anvertraut. Hier die pikantesten Fragen im Überblick:

- Warst du in den letzten fünf Jahren wegen einer schweren körperlichen oder psychischen Krankheit in Behandlung? Falls ja, bitte detaillierte Angaben.
- Hast du jemals Schönheitsoperationen in Betracht gezogen? Was findest du sexy?
- Hast du schon einmal Nacktfotos machen lassen? Wer hat die Abzüge/Negative? Gibt es ungewöhnliche Videoaufnahmen von dir?
- Gibt es Personen, mit denen du ernsthaft zerstritten bist oder die mit dir noch eine Rechnung zu begleichen haben?
- Wie lange hat deine letzte Beziehung gedauert, und warum ist sie gescheitert?
- Seit wann bist du Single?
- Bist du deines Wissens nach derzeit schwanger? Falls ja, in welchem Monat?
< - Nimmst du regelmäßig Medikamente ein?
- Warst du jemals aufgrund von Depressionen in Behandlung?
- Wurdest du jemals aufgrund einer Straftat verurteilt (Vorstrafen)?
- Gefällt dir dein Körper? Bitte detaillierte Begründung. - Falls du Kinder hast, nenn bitte den Namen und die Anschrift der Mutter/des Vaters deiner Kinder.
- Lebt ihr als Familie zusammen?
- Gab oder gibt es Konflikte? Wenn ja, in welcher Form?
- Gibt es Personen oder Bereiche deines Lebens, die du nicht der Öffentlichkeit preisgeben willst? Bitte detaillierte Erklärungen.

Muss das sein? Warum fragt eine Produktionsfirma so sensible Daten ab? Das sagen die Produktionsfirma Grundy und RTL:

Simone Lenzen, Pressesprecherin der Firmas Grundy Light Entertainment

erklärt hierzu:
"Das Konzept DSDS ist u.a. deshalb so erfolgreich, weil die Zuschauer und Fans in der Sendung nicht nur die oder den Musiker oder Sänger kennen lernen - sondern in so genannten Einspielern auch den Menschen dahinter. Mit seinen Hobbies, Familie, Freunden und auch Problemen, die zum Alltag dazu gehören. Deshalb interviewen wir die Kandidatin sehr ausführlich zu all diesen Themen. Nach Krankheiten oder gesundheitlichen Gefährdungen müssen wir fragen, um eventuellen Bedarf an ärztlicher Versorgung sicherzustellen. Aufgrund eines Herzfehlers einer Kandidatin der aktuellen Staffel war zur Sicherheit etwa ein Arzt vor Ort. Bei den über 100 Fragen nach allen möglichen Themen fragen wir auch und gerade nach kritischen Themen wie den o.g., weil wir wissen, dass nicht nur die Boulevardpresse genau danach suchen und recherchieren wird - und sich die Kandidaten so besser darauf vorbereiten können. Sie müssen sich dessen bewusst sein, das Details aus ihrem Leben an die Öffentlichkeit kommen."

Für den Sender RTL, der nach eigenen Angaben den Fragebogen bis vor kurzem nicht in Gänze kannte, erklärt die

Pressesprecherin Anke Eickmeyer

:
"Natürlich interviewt eine Produktion Kandidaten zu ihrer Person. Davon wissen wir, wenn auch nicht im Detail. Die Fragebögen der Kandidaten liegen uns nicht vor. Auch wir sprechen mit den Kandidaten von DSDS über Themen, die sie öffentlich machen wollen und solche, die vertraulich bleiben sollen. Aber je weiter die Kandidaten kommen, desto unwahrscheinlicher ist es, dass Privates wirklich privat bleibt. Wer Woche für Woche vor sieben Millionen Zuschauern auftritt, wird interessant, auch für die Berichterstattung in der Presse. Schulkameraden, falsche Freunde oder der Ex melden sich mit manchmal pikanten Geschichten zu Wort. Nachbarn und Behörden werden zu einfachen Informations-Quellen für Journalisten. Auch über Internetforen gelangen Informationen an die Öffentlichkeit. Darauf bereiten wir die Kandidaten vor."

Von Kester Schlenz und Hannes Ross
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