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Und jetzt... Django Asül: Überall Terror, überall Nacktscanner

Ein Segen, unsere Innenminister: de Mazière hat die Nacktscanner-Industrie gefördert, Friedrich ergänzt Anti-Terror-Ergänzungsgesetze.

Eine satirische Würdigung von Django Asül

Terrorismusbekämpfungs- ergänzungsgesetz. Woher mag diese schöne Vokabel stammen? Kenner der deutschen Kultur würden natürlich zu Loriot als Urheber tendieren. Kenner der Gesellschaft würden es als Beleg anführen, dass Alkohol und verschreibungspflichtige Medikamente sich mittlerweile eklatant im politischen Alltag ausgebreitet haben. An sich ist dieses Monsterwort natürlich leicht erklärbar. Quasi selbstredend. Weil Terrorismus die Steigerung von Terror ist, muss er bekämpft werden.

Als sich herausstellte, dass Terroristen sich nicht unterkriegen lassen, wurde die Bekämpfung rasch ergänzt. Und um sich halbwegs glaubwürdig von Bananenrepubliken abgrenzen zu können, gab es dazu ein Gesetz. Das Pech der Bundesregierung war jedoch, dass ihr souveräner Umgang mit den Themen Atom und illegale Doktortitel Deutschland doch bedrohlich in die Nähe von Bananenrepubliken rückten.

Deshalb will Schwarzgelb in der verbliebenen Restlaufzeit gerne noch ausführlicher in der ergänzenden Terrorbekämpfung aktiv sein. Schließlich hat es sich in den letzten Jahren überdeutlich gezeigt, dass Terroristen es nicht auf ein Land absehen, dessen Führungsduo Merkel/Westerwelle sich bei den großen Fragen des Weltgeschehens erst mal generös raushält, um sich anschließend in eine dialektische Warteschleife zu begeben.

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Weil Merkel eine intelligente Frau ist, hat sie die Zurückhaltung der Terroristen bezüglich Deutschland freudig zur Kenntnis genommen und dafür gesorgt, dass das sicherheitstechnisch zuständige Innenressort einem Polterdemokraten wie Schäuble entzogen wurde. So wurde der sachlich beschlagene und merkeltreue Antihektiker Thomas de Maizière Innenminister. Bei dem war sich jeder unaufgeregte Deutsche sicher: Wenn einer gerne ergänzt und dazu passende Gesetze macht, ist das de Maizière. Was jedoch die Allerwenigsten wussten: Dieser Mann hat durchaus einen Schalk im Nacken. Für Humoristen wurde er unsterblich, als er sich gleich mal in das Abenteuer Nacktscanner stürzte. Voyeurismus und Altherrenphantasien wurden ihm daraufhin unterstellt.

Diese unbotmäßigen Attacken konnte er elegant auskontern mit dem Hinweis, dass derlei Attribute sicherlich keinen Menschen dazu bringen würden, sich fast täglich mit Angela Merkel zu treffen. De Maizière war zwar fein raus. Aber das Image des Nacktscanners war ramponiert und irgendwo angesiedelt zwischen digitaler Peepshow und Genitalanalyse. Und so packte de Maizière der Ehrgeiz: Er wollte nicht ruhen, bis der geschlechtsteilfreie Nacktscanner in Betrieb war.

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Die Früchte seiner Anstrengungen durfte de Maiziere leider nicht mehr so richtig ernten. Kaum war der Nacktscanner jugendfrei, musste sich de Maizière der Rotation zum Verteidigungsminister beugen. Im Nachhinein mag das sogar von Vorteil sein. Denn der Nacktscanner beweist einmal mehr, dass selbst hochintelligente Hightechgeräte strohdumm sein können.

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Neueste Studien zeigen eindeutig: Der Nacktscanner hält Schweißflecken für gemeingefährliches Zeug und schlägt selbst bei Bügelfalten Alarm. Auf gut deutsch: Nur wer kaputte Schweißdrüsen und ungebügelte Hosen sein Eigen nennt, kriegt vom Nacktscanner die Absolution. Die Sicherheit wird zwar nicht erhöht, aber dafür die Aufenthaltszeit am Flughafen, was der dortigen selbstbewusst kalkulierenden Gastronomie unverhoffte Gewinne verschafft.

Deshalb werden im stillen Kämmerlein schon Pläne geschmiedet, um die ganze Technologie als Konjunkturpaket zu etikettieren, um sich nicht vollends lächerlich zu machen. Nötig wäre dazu allerdings selbstverständlich ein Konjunkturpaketumformulierungsergänzungsgesetz. Sonst steht de Maizière Nachfolger und oberfränkischer Guttenberg-Landsmann Friedrich gleich unter Beschuss.

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Friedrich sieht nun seit dieser Woche endlich einen vernünftigen Weg, um sich freizuschwimmen und zu profilieren. Er will das Terrorismusbekämpfungsergänzungsgesetz, das bald ausläuft, nicht nur verlängern, sondern nochmal zusätzlich ergänzen. Also praktisch ein Ergänzungsergänzungsgesetz kreiern. Geheimdienste sollen nach Lust und Laune Passagier- und Bankdaten abrufen können. Das ist natürlich ergänzend auch ein Aufruf an alle Terroristen, sich in Zukunft nur im Flughafen- und Bankbereich zu tummeln, damit die Friedrichschen Ideen sich nicht von Anfang an wie ein Nacktscanner der Gründerzeit präsentieren. Friedrich will eben anpacken statt tatenlos zusehen.

Jedoch läuft er Gefahr, von Terroristen ähnlich erfolgreich ignoriert zu werden wie sein Vorgänger. Das hat Friedrich bestimmt nicht verdient. Er will der deutschen Demokratie dienen. Folglich müsste er sich vielleicht eher Betätigungsfelder suchen, die der Politikverdrossenheit im Volk Paroli bieten. Nachdem jetzt nach und nach sogar Liberale als Plagiatoren am Pranger stehen, sollte sich Friedrich lieber fragen: Wenn schon Nacktscanner, wieso dann nicht für Doktorarbeiten? Erst wenn dieses Projekt scheitert, kann man sich Gedanken machen über ein Doktorarbeitenüberprüfungsergänzungsgesetz.