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Anti-Nacktscanner-Proteste in den USA: Im Schlüpfer zum Gate

Nach diversen Zwischenfällen mit der neuen Nacktscanner-Technik und rüdem Sicherheitspersonal an US-Flughäfen haben Aktivisten zu skurrilen Widerstandsaktionen aufgerufen.

Passagiere und Personal staunten nicht schlecht, als Jason Rockwood im La-Guardia-Flughafen von New York auftauchte. Lediglich mit Trägerunterhemd, Boxershorts und Schuhen bekleidet, stellte er sich zur Sicherheitskontrolle an. "Ich möchte den Jungs von der Sicherheitsbehörde einfach die Arbeit erleichtern", sagte Rockwood sarkastisch und erklärte seinen spektakulären Protest gegen den geplanten Einsatz von sogenannten Nacktscannern: "Ich glaube nicht, dass das Verfahren uns viel von unserer Würde lässt", meinte Rockwood. "Und deshalb habe ich mich unwürdig angezogen für alle, die ihre Bedenken gegen diese Regeln ausdrücken wollen."

Ganz und gar "unwürdig", aber ziemlich viel Aufmerksamkeit erregend, war auch die Aktion eines Mannes in Salt Lake City: Er betrat nur mit Badehose und Mütze bekleidet das Terminal. Vorausgegangen war den verrückten Aktionen das Inkrafttreten neuer Sicherheitsbestimmungen an vielen amerikanischen Flughäfen, wie der Einsatz der Nacktscanner oder das sorgfältige Körperabtasten. Das Thema beherrschte in den letzten Wochen und Monaten die US-Presse, Menschen fühlten sich vielerorts durch die Maßnahmen erniedrigt.

Demütigende Kontrollen an US-Flughäfen

So zum Beispiel ein 61-Jähriger mit einem künstlichen Harnblasenausgang, der kürzlich am Detroiter Flughafen von einem Kontrolleur so grob abgetastet worden war, dass sein Katheter riss und sich der in einem Beutel aufgefangene Urin über seine Kleidung ergoss. "Es war so demütigend", sagte er.

Daraufhin hatten die Gegner der verstärkten Sicherheitsmaßnahmen in den letzten Wochen im Internet vermehrt zum "Opt-Out Day", Verweigerungstag, aufgerufen. Die Flugpassagiere sollten demnach das Nacktscannen verweigern und sich abtasten lassen. Das langwierige Prozedere sollte den amerikanischen Flugverkehr erschweren und behindern. Ausgerechnet zu Beginn der beliebtesten amerikanischen Feiertage durfte ein Flugchaos erwartet werden.

Zu einiger Berühmtheit hat es bereits der Protestler John Tyner gebracht. Von dem Passagier aus San Diego kursiert ein Video im Internet, in dem er einem Sicherheitsbeamten droht: "Wenn sie mich angrapschen, lasse ich sie verhaften." Er weigerte sich von der Flughafensicherheit im Intimbereich berührt zu werden und wurde schließlich vom Gelände eskortiert.

Alles in allem gab es zu Beginn der Thanksgiving-Ferien jedoch nur vereinzelte Proteste, so die New York Times. Größtenteils fügten sich die Passagiere ohne Murren. Einige resignierten, viele unterstützen die Maßnahmen schlichtweg. Es kam nicht zu den erwarteten langen Schlangen, das Chaos blieb aus. Laut New York Times verweigerten am Donnerstag bis um fünf Uhr Nachmittags in Boston 300 Menschen den Nacktscanner. In Los Angeles wollten sich 113 Passagiere nicht körperscannen lassen, in Atlanta waren es lediglich 39. Zum Erntedankfest sind in den USA etwa 40 Millionen Amerikaner per Flugzeug unterwegs.

Sicherheit seit dem 11. September verschärft

Seit der Gründung der US-Verkehrssicherheitsbehörde (TSA) nach den Anschlägen am 11. September 2001 sind die Kontrollmethoden der US-Verkehrssicherheitsbehörde umstritten. 2004 war dem bekannten Senator Ted Kennedy fünfmal der Zugang zu einem Flugzeug verweigert worden, weil ein Mann mit gleichem Namen auf der Liste verdächtiger Passagiere stand. Zwei Jahre später hatte sich eine Frau aus dem US-Staat Maine über einen TSA-Kontrolleur beschwert, der sie gezwungen hatte, Kühlelemente aus ihrer Tasche mit abgefüllter Muttermilch zu entfernen.

Das Überprüfungssystem der TSA orientiere sich nicht an den Fluggästen, sondern an potenziellen Terroristen, sagt Professor Paul Light von der Universität New York. Das sei ein Konflikt, der nicht einfach zu lösen sei. "Nach dem 11. September hatten die Leute Angst und ängstliche Menschen tun alles, um sich sicherer zu fühlen", sagt der Sicherheitsexperte Bruce Schneier. Aber die neuen Kontrolltechniken griffen sehr tief in die Privatsphäre ein.

dab/DPA/AP / AP / DPA