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Und jetzt ... Django Asül: Oma in den Nacktscanner

Aufregung zwischen den Jahren: Die Beschäftigung mit dem Profiling soll der FDP mehr Profil verschaffen. Klappt aber nicht so ganz.

Von Django Asül

Negativ betrachtet haben die Schneemassen den Flugverkehr lahmgelegt und vielen Menschen die Feiertage versaut. Positiv betrachtet hat der Winter der sogenannten Aviation besinnliche Tage im sonst so turbulenten Jahresausklang beschert. Vor allem haben die Verantwortlichen dadurch die Gelegenheit geschenkt gekriegt, mal den Blick über den Tellerrand beziehungsweise Radarschirm hinaus schweifen zu lassen.

Besonders gut genutzt hat diese ungeplante Ruhephase ein gewisser Herr Blume, seines Zeichens Präsident des Deutschen Flughafenverbandes. Ihm war die Realität in seiner Sparte scheinbar zu widersprüchlich. Einerseits sollten Passagiere rasend schnell in weit entfernte Zielgebiete transportiert werden. Andererseits werden endlose Stunden verbummelt beim Einchecken und an diversen Kontrollen. Und weil keiner seinen Flug verpassen will, wird ein entsprechender Puffer eingeplant. Dabei schlägt Murphy's Law natürlich besonders gnadenlos zu: Je großzügiger die bemessene Karenzzeit bei der Fahrt zum Airport, umso größer die Wahrscheinlichkeit der Staufreiheit. Da lag es dem Flugfunktionär Blume nahe, der Warterei ein Schnippchen zu schlagen. Profiling lautet das Zauberwort in diesem Fall. Durch eine angemessene Einteilung der Fluggäste in Risikogruppen könnte eine drastische Reduzierung und sogar teilweise Annihilierung der Warterei ermöglicht werden, laut Herrn Blume.

Sarrazin der Lüfte

Ein paar offensichtliche Parameter wie Alter, Geschlecht oder ethnische Herkunft machen diese Einteilung zu einem Kinderspiel. Eine deutsche Oma, die mit einem Teddybären bewaffnet ihren halbdänischen Enkel in Norwegen besuchen will, muss nun wirklich kein Mensch am Frankfurter Flughafen kontrollieren. Wenn die deutsche Oma aber ein 28-jähriger Sudanese ist, der nur mit Onewayticket, aber ohne Handgepäck seinen 19-jährigen jemenitischen Großonkel in New York besuchen will, macht eine genauere Überprüfung durchaus Sinn. Warum soll also die ältere Oma aus einem sicheren Erstland ewig in der Schlange stehen, nur weil eine wesentlich jüngere Oma aus einem unsicheren Dritt- bis Fünftland entweder kein Geld für Gepäck oder kein Geld für einen Rückflug oder womöglich ganz andere Hintergedanken hat?

Aber weil Deutschland neuerdings und dank der Grünen eine Dagegen-Republik ist, wird dieser pragmatische Vorschlag von Herrn Blume in einem kollektiven Anfall von Entrüstung natürlich sofort geteert, gefedert und durch den Nacktscanner geschickt. Und diesmal sind die Grünen nicht mal dabei bei der neuesten Tiradenwelle! Völlig überwältigt von den Reaktionen muss Blume feststellen, dass er quasi als Sarrazin der Lüfte gehandelt wird. Vor allem die FDP empört und echauffiert sich nach Kräften. Jetzt könnte man selbstverständlich Wortmeldungen einer 3-Prozent-Partei geflissentlich ignorieren. Aber noch darf die FDP die Justizministerin stellen. Und Frau Leutheusser-Schnarrenberger muss jeden Strohhalm nutzen, um der Außenwelt zu signalisieren: Es gibt uns noch!

Genetisch sprengstofffrei

Also warnt sie vor einer Stigmatisierung, wenn man Fluggäste planmäßig nach Herkunft einteile. Das Profiling sei ein Verstoß gegen das europäische Gleichheitsgebot. Aber was will denn die Frau jetzt wirklich? Etwa eine außerplanmäßige Einteilung nach dem Zufallsprinzip? Und was bitte ist das europäische Gleichheitsgebot wert in einer Zeit, in der innerhalb Europas die Ungleichheit immer mehr dominiert?

Nein, mit diesem Vorstoß hat sich good old Schnarre keinen Gefallen getan. Im Gegenteil, sie liefert sich dadurch nur dem Verdacht aus, über die Feiertage einen Quaksalberlehrgang von Westerwelle besucht zu haben. Um als FDP-Ministerin wahrgenommen zu werden, hätte sie allenfalls auf eine Mehrwertsteuerbefreiung für Mitglieder potenzieller Risikogruppen mit Meilenkonto pochen können. Oder aber sie bringt umsetzbare Vorschläge zur wahren Gleichberechtigung ohne unsägliche Anflüge von Juristenpathos.

Dabei müsste die Justizministerin doch den Artikel 3 des Grundgesetztes kennen: Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. Nicht in der Warteschlange, nicht vor der Flughafenkontrolle. Sondern vor dem Gesetz. Wenn nun einer besonders genau gefilzt wird und sich als genetisch sprengstofffrei und nicht omniletal erweist, könnte er als Anerkennung ja so etwas wie eine TÜV-Plakette bekommen. So ein kleines Zeichen der Wertschätzung macht oft mehr her als eine juristisch eventuell vorhandene, aber subjektiv nie durchsetzbare Gleichberechtigung.

Detonal orientierte Airports

Und dennoch gibt es genug Ansätze, um einen hohen objektiven Gleichbehandlungsgrad gerade im Luftverkehr zu erreichen. Letzten Endes gibt es ja nur drei Gruppierungen: 1. Nichtflieger. 2. harmlose Fluggäste. 3. gefährliche Fluggäste. Wobei keine der ersten beiden Gruppen mit der dritten etwas zu tun haben will. Während die Letztgenannten vor allem den Zweitgenannten einen Denkzettel verpassen wollen und völlig ignorieren, dass in Zeiten von Bordentertainment und Autopilot Denken und Fliegen sowieso nur mehr schwer in Einklang zu bringen sind.

Somit ist der Königsweg eindeutig asphaltiert: Man braucht verschiedene Terminals, wenn nicht gar verschiedene Flughäfen. Wenn es nur noch pazifistische auf der einen und detonal orientierte Airports auf der anderen Seite gibt, wird dem Argwohn und der Skepsis das Wasser beziehungsweise Kerosin abgegraben. Dann muss sich niemand mehr Gedanken machen, ob es sich nun um echte oder falsche Omas handelt oder ob im Handgepäck tatsächliche oder nur Kalorienbomben versteckt sind. Bei der einen Sorte Flughafen ist die Kontrolle höchst entspannt. Bei der anderen kann man sich sogar jegliche Kontrolle schenken, weil das Personal schlicht zu schade ist, um als Einwegkontrolleure eingesetzt zu werden.

Der Flughafenkontrolleur der Zukunft hat also keinen Ganztagsjob mehr, sondern einen Halbjahresjob. Im Sommer hat er frei, im Winter muss er Schnee räumen, damit ein Chaos wie in diesem Winter die Ausnahme bleibt. Ein völlig neuer Arbeitsrhythmus, der nach der nächsten Bundestagswahl auch die FDP-Schnarre betreffen dürfte. Was wiederum eine Ode an die Gleichheit wäre.