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Deutschland such den Superstar: Der "Rock Doc" ist raus

Marco Angelini ist draußen. Doch sonst gab es bei der achten Mottoshow von "Deutschland sucht den Superstar" keinen Knick in der Stimmung. Pietro punktete mit XXL-Humor, Ardian mit XXL-Emotionen und Sarah – trotz Rhythmus-Legasthenie - mit XXL-Stimme.

Von Sylvie-Sophie Schindler

Die Regierenden in Deutschland sollten sich mal Gedanken machen. Auha! Ein politisches Statement in "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS). Von Dieter Bohlen. Das macht erstmal Hoffnung. Doch schon mit dem nächsten Satz war es damit vorbei. Bohlen wollte die Jugend der Republik nicht wachrütteln, nichts Ideologisches in Deutschlands Wohnzimmer hinaus blasen. Ihm ging es nur um die Sendung. Der Juror kritisierte die gesetzliche Regelung, der es zu verdanken ist, dass der noch minderjährige, bereits ausgeschiedene Kandidat Sebastian Wurth von 22 Uhr an von der Bühne ins Publikum verfrachtet werden musste. Diese Anordnung – ausnahmsweise mal keine aus dem eigenen strikten Show-Reglement – war Bohlen, so bekannte er, stets ein Dorn im Auge. Deshalb also sein Appell an die regierende Kaste. Atompolitik und anderer Kram, wen kümmert´s schon. Bei DSDS geht es um Unterhaltung. Basta. "Probleme, Probleme, überall Probleme. Ich will lachen und nicht immer diese Betroffenheitsscheiße", stellte Bohlen schließlich an anderer Stelle klar.

Stimmt schon. Deutschland sucht nun mal nicht den Super-Atomkraftgegner, sondern einen vermeintlichen Supersänger. Auch an diesem Samstag wurde in x Haushalten pünktlich um 20.15 Uhr eingeschaltet, um vor den Fernsehgeräten dabei zu sein, wenn sich wieder einmal mehr oder minder begabte Stimmen duellieren. Die achte Mottoshow lautete "Rock, Pop und Disco Fever" und war die letzte Mottoshow vor dem Einzug ins Halbfinale. Vier Kandidaten traten darin mit jeweils drei Songs gegeneinander an: Marco Angelini, Ardian Bujupi, Sarah Engels und Pietro Lombardi. "Heute wird es extrem schwer. Keiner ist sicher", unkte Bohlen. "Doch ich habe hier nichts mehr zu sagen. Die Leute müssen entscheiden." Per SMS- und Telefonvoting fällten die Zuschauer schließlich ihr Urteil: Marco musste raus.

Sakradi. Dabei hatte sich Marco so richtig ins Zeug gelegt und wandelte sich, wie Bohlen sagte, vom "lächelnden Hausarzt zum Revoluzzer". Er selbst nennt sich inzwischen der steirische "Rock Doc" und untermauerte sein selbst gewähltes Image mit "How You Remind Me" von Nickelback, "Angels" von Robbie Williams und "Born To Be Alive" von Patrick Hernandez. Mal mehr, mal weniger gelungen. "Wie eine Fahrt mit der Achterbahn", kommentierte Juror Patrick Nuo. Tänzerin Fernanda Brandao überlegte laut, welches Problem sie eigentlich mit Marco habe und schließlich wurde ihr klar: "Es liegt an deinem Wippen." Bohlen bemängelte "deftige Kunstfehler" und meinte: "Passiert dir das als Arzt, kann das tödlich enden." Alles in allem einigte sich die Jury im Hinblick auf Marcos Performances aber auf "solide". Für die Zuschauer war das aber zu wenig.

Sarah Engels im Boxtraining

Ins Boxtraining mit Weltmeisterin Regina Halmich wagte sich die zierliche Sarah Engels. Das kam nicht von ungefähr, denn die 18-Jährige wurde von der Jury wegen ihrer Bewegungsfaulheit auf der Bühne wiederholt kritisiert. Ausschnitte aus dem Training zeigte ein Einspieler. Darin bewies sie mal wieder ihre Selbstironie. Als ihr die Liegestützen nicht besonders gelangen, meinte sie grinsend: "Mein Busen ist wohl zu schwer." Doch immer nur auf den Busen rausreden, das funktioniert nicht. Sarah performte zu "The Eye Of The Tiger" von Survivor, "A Moment Like This" von Kelly Clarkson und "I'm So Excited" von The Pointer Sisters und hatte trotz Spezialtraining den Dreh noch immer nicht raus, sich auch nur annähernd rhythmisch zu bewegen. "Du bist ein Rhythmus-Legastheniker", urteilte Bohlen und riet ihr, es mit Tanzbewegungen dann doch lieber sein zu lassen. "Dein Plus ist eindeutig deine Stimme", war sich die Jury einig.

Tränenrühriges gab es diesmal von Pietro Lombardi. Ausgerechnet. Ist der doch sonst der Blödler in der Sangestruppe. Bei seiner Interpretation von Michael Jacksons "You Are Not Alone" zeigte sich Pietro von einer ganz anderen Seite, tanzte mit seiner elfjährigen Schwester Sara, knuddelte sie, bekam feuchte Augen, konnte kaum sprechen. Selten gabs so einhellige Kommentare. "Total süß" (Nuo), "Supersüß" (Brandao), "Süßer Auftritt" (Bohlen).

Ardian Bujupi schließlich ging mit "Here Without You" von 3 Doors Down, "Fairytale" von Alexander Rybak und "Sex Machine" von James Brown ins Rennen. Und überzeugte vor allem mit XXL-Emotionen. Völlig ins Schwärmen gerieten die Juroren bei "Sex Machine“. Fernanda jubelte: "Rattenscharf." Bohlen aus dem Häuschen: "Endlaser" - Glückwunsch. Weiter weg von "Betroffenheitsscheiße" hätte er kaum sein können.

  • Sylvie-Sophie Schindler