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ESC-Gewinnerin Jamala: Verwirrung um Regelverstoß, EBU lehnt Disqualifikation ab

Im Internet ist eine frühe Version des ESC-Siegersongs "1944" aufgetaucht. Sie belegt, dass Jamala das Lied bereits im Mai 2015 gesungen hat. Ein Regelverstoß? Die EBU winkt ab, Fans sind empört.

Jamala

Bleibt die Siegerin des ESC 2016: Jamala aus der Ukraine

Eines der ersten Opfer war Tony Marshall. Der deutsche Sänger wollte 1976 mit "Der Star" am ESC in Den Haag teilnehmen, konnte sich berechtigte Hoffnungen auf einen vorderen Platz machen. Doch eine unbekannte Sängerin aus München durchkreuzte seine Pläne. Sie konnte nachweisen, dass ihr der Song zuerst angeboten worden war und sie ihn bereits öffentlich aufgeführt hatte. Ein Regelverstoß, der die Disqualifikation Marshalls zur Folge hatte.

In Regel 1.2.1a des Eurovision Song Contest heißt es, dass die Teilnehmerlieder frühestens am 1. September des Vorjahres veröffentlicht worden sein dürfen. Die betreffenden Statuten wurden in den vergangenen Jahren leicht abgeschwächt. Inzwischen ist nur noch eine kommerzielle Verbreitung vor dem Stichtag verboten. Das scheint ESC-Siegerin Jamala jetzt zugute zu kommen.

ESC-Siegerlied "1944" bereits im Mai 2015 veröffentlicht

Auf Youtube ist ein Video (s.u,) vom Mai 2015 aufgetaucht. Es belegt, dass die Sängerin ihren Titel "1944" unter anderem Namen und in einer anderen Version bereits am 18. Mai 2015 öffentlich bei einem Konzert aufgeführt hat. Eigentlich hätte der ukrainische Sender NTU die Europäische Rundfunkunion (EBU) als Veranstalter des ESC darüber informieren müssen. Das unterblieb offenbar, weswegen im Internet über eine mögliche Disqualifikation spekuliert wurde.

Am Donnerstagmittag gab die EBU in einer Mitteilung bekannt, dass kein Regelverstoß vorliege. "Die Vorab-Veröffentlichung von Jamalas Song habe keinen unfairen Vorteil verschafft", heißt es in der Begründung. Zwar sei "1944" in einer früheren Version vor dem 1. September uraufgeführt worden, doch der Sinn der Regel sei, eine weite Verbreitung des Songs zu verhindern. Da das Video des Konzertes aber nur wenige Hundert Nutzer gesehen hätten, könne kein Regelverstoß erkannt werden. "Das Lied durfte am ESC teilnehmen."

Proteste gegen EBU-Entscheidung

Gegen die Entscheidung der EBU gibt es heftige Proteste. In Kommentaren auf der Facebook-Seite der Rundfunkunion behauptet eine Userin, das scheinbar "kleine Konzert" sei im ukrainischen Fernsehen übertragen worden. Deshalb hätten es sehr wohl viele Menschen gesehen und nicht nur diejenigen, die sich das Youtube-Video danach anschauten. Ob das Konzert tatsächlich im ukrainischen TV ausgestrahlt wurde, ist derzeit unklar.

Bereits kurz nach Jamalas Sieg hatte es Proteste gehagelt. In einer Online-Petition forderten mehr als 370.000 Menschen, die Regeln des Wettbewerbs nachträglich zu ändern und den Gewinner der Zuschauerabstimmung, also Russland, zum Sieger zu erklären. Auch dies hat die EBU in einem Statement bereits abgelehnt.

Ohnehin würde bei einer Disqualifikation der Ukraine nicht Russland, sondern Australien zum Zuge kommen. Denn Dami Im belegte mit "Sound of Silence" den zweiten Platz, nicht Sergey Lazarev.