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Fernsehfilm "Die Säulen der Erde": Mittelalter schlägt Landidylle

Das Mittelalter-Epos "Die Säulen der Erde" hat Sat.1 einen Riesenerfolg beschert: Mehr als acht Millionen Zuschauer wollten den ersten Teil der Verfilmung von Ken Folletts Bestseller sehen. Und die bekamen einiges an Spektakel geboten.

Von Carsten Heidböhmer

Das Mittelalter zieht: Gut einen Monat nach dem gewaltigen Erfolg der "Wanderhure" ist Sat.1 ein neuer Quoten-Coup gelungen: 8,10 Millionen Zuschauer wollten den ersten Teil der Verfilmung von Ken Folletts Bestseller "Die Säulen der Erde" sehen - mehr als das RTL-Erfolgsformat "Bauer sucht Frau", das nur auf 7,48 Millionen Zuschauer kam. Bei der werberelevanten Altersgruppe von 14 bis 49 Jahren erreichte das Mittelalter-Epos sogar einen Marktanteil von 28,5 Prozent.

Zwar erreichte der mit viel Aufwand beworbene Vierteiler nicht ganz die Werte des Event-Movies "Die Wanderhure", die damals auf 9,87 Millionen Zuschauer kam. Doch dass man gegen einen Quotenrenner wie "Bauer sucht Frau" den Tagessieg holen konnte, darf Sat.1 als Erfolg verbuchen. Auch qualitativ war die Buchverfilmung ansprechend: War "Die Wanderhure" mit zahlreichen Sex-, Gewalt- und Vergewaltigungsszenen sehr lüstern dahergekommen und hatte vornehmlich auf niedere Triebe gezielt, so wartet "Die Säulen der Erde" mit einem komplexen Handlungsgerüst auf.

Bisweilen war die Handlung sogar zu komplex: Wer Ken Folletts Buchvorlage nicht kannte, hatte Probleme, sich einzufinden: Zu viele Personen, Intrige und Orte wechselten sich in rasantem Tempo ab. Für den Zuschauer war nur schwer nachzuvollziehen, wer aus welchem Grund Anspruch auf den englischen Königsthron erhebt - und wer gerade auf welchem Schiff flieht oder gestrandet ist.

Aufwendige Kulissen, erstklassige Schauspieler

Es dauerte eine gute Stunde, bis sich das Dickicht gelichtet hatte: Dann endlich durfte der Baumeister Tom Builder damit beginnen, die im Titel angedeutete Kathedrale zu errichten. Insgesamt 20 Millionen Dollar hat diese internationale Produktion verschlungen - und das kommt dem Film zugute. Kulissen und Kostüme sind aufwendig gestaltet, die Schauspieler erstklassig.

Allerdings mussten auch wieder jede Menge Klischees vom grausamen Mittelalter bedient werden: Blut floss hier nicht, es spritzte. Kein Wald ohne böse Räuber, die auf Beute lauerten. Und auch Sex gab es hier nur in roher Ausführung - bevorzugt im Stroh. Zu allem Überfluss wird in der Verfilmung eine Inzest-Geschichte angedeutet, die es im Buch nicht gibt.

Das alles schien das Interesse der Zuschauer nur noch beflügelt zu haben. Wie sehr, sah man auch an dem Erfolg der im Anschluss gezeigten Sendung: "Das Mittelalter - Die Sat.1 Dokureihe" wollten immerhin 3,51 Millionen Menschen sehen - für eine Dokumentation nach 22.30 Uhr ein hervorragender Wert. Das Mittelalter, so viel scheint klar, ist ein Quotenmagnet erster Güte. Stärker noch als Landliebe und Bauernidylle.