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Fünf Jahre Fußball-TV: "Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs" feiert Jubiläum

Skurrile Fan-Geschichten und kuriose Videos: "Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs" zeigt, was rund um die Bundesliga noch wichtig und witzig ist. Sonntag wird die Sendung stolze fünf Jahre alt.

Es gibt Fußball live, es gibt ernsthafte Bundesliga-Berichterstattung in dutzenden TV-Sendungen quer über das Wochenende und alle Kanäle hinweg - und für jeden Fan, der danach immer noch nicht genug hat, gibt es Arnd Zeigler. Seit genau fünf Jahren schaltet der WDR jeden Sonntagabend um 23.45 Uhr live in das Wohnzimmer des Bremer Sportjournalisten und Stadionsprechers. Mit skurrilen Aktionen wie allen Transfers von Trainer Felix Magath als Fotos an einer Wäscheleine, Zuschauern und Fußballstars gleichermaßen am Telefon und jeder Menge kurioser Einspielfilme und Souvenirs hat sich die mehrfach für den Grimme-Preis nominierte Nischen-Sendung eine feste Fan-Gemeinde erarbeitet. Am Sonntag (26. August) startet "Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs" nach einer Sommerpause in die sechste Saison.

Die Basis der Sendung, die bis zu 250.000 Zuschauern regelmäßig einschalten, sei "exzessive Archiv-Buddelei", sagt der 47-jährige Zeigler. Dazu kommen aktuelle Themen. "Wir freuen uns jeden Spieltag wieder neu über den ganzen Wahnsinn, den das Fußballgeschäft Woche für Woche produziert." Wichtig sei die richtige Relation: "Fußball ist wunderschön und macht Spaß, manchmal jedenfalls, und Fußball ist für uns Fans eine sehr wichtige Sache. Aber ganz wichtig ist, den Fußball weder zu wichtig zu nehmen, noch ihn abzuwerten und lächerlich zu machen."

Konditionstraining mit Schaaf, Toreschießen mit Ailton

Daraus entstehen dann Dinge wie das inzwischen legendäre gespielt-traurige Interview mit Trainer Jürgen Klopp nach einer Siegesserie seiner Mannschaft Borussia Dortmund. "Das war zwar heute ein glatter Sieg auf dem Papier mit 4:0, aber der BVB hat zeitweise wie eine Auswärtsmannschaft gespielt, das kann dem Trainer nicht gefallen haben", sagt Zeigler zu Klopp in dem Filmchen, das bei YouTube längst mehr als eine Million Klicks hat. "Ja, wir haben Probleme und müssen ganz schnell ganz viel ändern", antwortet Klopp todernst. Spieler der späteren Dortmunder Meistermannschaft wie den Torwart Roman Weidenfeller müsse man "durchschleppen" und "sich schönsaufen". Nichts sei vorher vereinbart gewesen, schwört Zeigler. "Als ich mit ihm ein paar Eckdaten absprechen wollte, sagte Klopp: "Nee, komm - lass uns einfach loslegen!"

Immer wieder schmeißt sich Zeigler mitten ins Geschehen. Lässt sich beispielsweise von Werder-Trainer Thomas Schaaf durchs Konditionstraining quälen oder versucht, mit Fußballprofi Ailton dessen Meistertor 2004 nachzustellen. "Es war Januar, der Boden war knüppelhart gefroren, ich stand mit einer Olli-Kahn-Gummimaske im Tor, und ein dick vermummter Ailton, der ja ganz ohne Winterkleidung schon dick vermummt aussieht, schoss anfangs ungefähr 20 mal neben das Tor. Ich musste nach jedem Ball hechten und hatte anschließend eine schwere Hüftprellung."

Neue Wohnung, neues Studio

Die Entstehung der Sendung sei mittlerweile eine "ausgewachsene Legende", sagt Zeigler. Angeblich sei einem WDR-Redakteur die Idee für eine Fußball-Sendung, bei der die Zuschauer im Studio anrufen können, während eines Karibik-Urlaubs gekommen. Zeigler war als Stadionsprecher und Radiojournalist in Erscheinung getreten - lebte aber in Bremen und wollte vor allem wegen der Fußballspiele seines Sohnes nicht jedes Wochenende nach Köln zum WDR fahren. "Okay, dann kommen wir eben zu dir nach Hause", soll WDR-Sportchef Steffen Simon gesagt haben. "Das war sehr mutig, und die Sportredaktion des WDR hat das anfangs sicher auch mehr als Experiment angedacht. Dass wir irgendwann unser fünfjähriges Jubiläum feiern würden, hat 2007 wohl keiner von uns geglaubt."

Pünktlich zum Jubiläum ist Zeigler umgezogen - und die Kulisse mit ihm. Weil ihm und seiner Familie gekündigt wurde, musste er innerhalb weniger Monate eine neue Wohnung und ein neues Studio in einem finden. Die knapp 300 Meter entfernte neue Bleibe sehe der alten allerdings recht ähnlich. "Das Fernsehbild wird also ganz leicht wiedererkennbar sein."

Allerdings könne die Regie, die jedes Wochenende eigens von Köln nach Bremen reist, nun in einer Wohnküche direkt neben dem Schreibtisch sitzen und nicht wie vorher hinter einer Tür im Wohnzimmer. "Wenn ich also während der Sendung mal Mist baue, was ja recht häufig vorkommt, bin ich meinem Redakteur sehr viel unmittelbarer ausgeliefert. Die Sendetechnik kann in der Wohnküche auch dauerhaft stehen bleiben und muss nicht, wie bisher, im Wohnzimmer zusammengeklappt und per orangenem Plüsch-Überwurf versteckt werden."

Christina Horsten, DPA / DPA
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