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Interview mit G.R.R. Martin Deshalb sterben in "Game of Thrones" so viele Figuren

Nikolaj Coster-Waldau als Jaime Lannister in "Game of Thrones"
Und wieder hat es eine "Game of Thrones"-Figur dahingerafft.
© Allstar
In den ersten fünf Staffeln von "Game of Thrones" sterben 704 Personen, darunter auch einige Hauptfiguren. Doch wieso lässt Schöpfer G.R.R. Martin so viele Figuren sterben? Das erklärt er in einem Interview.

Der König ist tot, lang lebe der König! Doch "Game of Thrones"-Fans wissen: Zu bequem sollte es sich auf dem Eisernen Thron niemand machen. Kein Wunder, sterben gehört in der Fantasy-Serie ebenso zur Tagesordnung wie Schwertkämpfe, Sex und Saufgelage. 704 Tote gab es in den ersten fünf Staffeln, und auch in der derzeit laufenden sechsten Staffel wurde bereits mächtig viel Blut vergossen.

Dabei ist es eine Besonderheit der Serie, dass nicht nur unwichtige Handlanger das Zeitliche segnen, sondern auch wichtige Hauptfiguren. Selbst vor Publikumslieblingen wie Ned Stark (Tod durch Enthauptung) oder Jon Snow (feige erdolcht) schreckt Autor George R. R. Martin nicht zurück. Und genau das macht den Reiz von "Game of Thrones" aus: Der Zuschauer weiß, dass jeder Schritt einer Figur der letzte sein könnte.

Doch warum lässt Martin seine mühsam aufgebauten Figuren immer und immer wieder sterben? Im Interview mit "Fast Company" spricht der Autor darüber, wie sich der Tod einer Serienfigur anfühlt - und woher er seine Inspirationen zieht.

G.R.R. Martin über den Tod der Serienfiguren

"Der Tod eines Charakters macht mich immer betroffen. Jede Figur wächst einem ans Herz", sagt Martin. Im Grunde gibt es zwei verschiedene Reaktionen: "Es kann Figuren treffen, die man nicht mag - etwa ein Bösewicht oder einen wirklich fiesen Typ -, die aber eine wichtige Rolle in der Handlung spielen. Dann weißt du, dass die Zuschauer glücklich sind, dass dieser Hurensohn endlich tot ist. Aber auf der anderen Seite muss man einen neuen Bösewicht einführen, der vielleicht noch schlimmer ist."

Schwieriger sei es dagegen, die wichtigen, sympathischen Figuren sterben zu lassen. "Ich bin in ihrem Kopf, ihrem Körper. Ich bin die Figur. Es fühlt sich jedes Mal an, als würdest du dich selbst töten."Auch bei den Fans sorgen die Tode wichtiger Serienfiguren oft für Empörung. Doch genau darin liegt offenbar der Reiz.

Die große Inspiration bekam er 1965

Sein Faible, entscheidende Figuren sterben zu lassen, hatte Martin jedenfalls schon immer. "Als ich 12 Jahre alt war, habe ich für Comic-Fanmagazine geschrieben. Eine der ersten Geschichten war über einen Superhelden namens White Raider. Er stirbt am Ende seines ersten Abenteuers. Das war wirklich beeindruckend!" Erst durch den überraschenden Tod entfaltet die Geschichte seine volle Wirkung.

Ebenfalls prägend sei ein Marvel-Comic aus der Avengers-Reihe gewesen, erklärt Martin im Interview mit "Fast Company". Konkret ging es um die Figur Wonderman, der sich als strahlender Kämpfer ausgibt und den Avengers beitritt, in Wirklichkeit aber ein Super-Bösewicht ist, der die Heldengruppe von innen heraus vernichten will. "Doch als er die Möglichkeit dafür hat, zweifelt er an seiner Mission - und er kann sie nicht zerstören. Stattdessen opfert er sein eigenes Leben und rettet die Gruppe."

Gut sein schützt vorm Sterben nicht

Für Martin war das ein einschneidendes Erlebnis: "Ich habe diesen Comic geliebt! Er war sagenhaft! Es ist eine großartige Figur: Sie sieht aus wie ein Held, ist aber eigentlich ein Bösewicht. Aber am Ende findet er Erlösung, weil er kein Fiesling sein will, und opfert sich heldenhaft. Alles, was ich an meiner Arbeit liebe, hat Stan Lee [der Marvel-Schöpfer, Anm. d. Red.] bereits 1965 getan."

Auch in "Game of Thrones" sind die Figuren oft nicht eindeutig gut und böse. Manche der edlen Charaktere etwa tun schlechte Dinge, um ihre Ziele zu erreichen - und werden dafür bestraft. Manchmal bezahlen sie dafür sogar mit ihrem Leben. Martin scheint jedenfalls Gefallen daran gefunden zu haben, die Zuschauer regelmäßig vor den Kopf zu stoßen - und so wird es die eine oder andere Figur wohl nicht in die nächste siebte Staffel schaffen.


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