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GNTM 2021 Warum Alex Mariahs Sieg vorhersehbar, aber genau die richtige Entscheidung war

Alex ist Gewinnerin von "Germany's Next Topmodel 2021".
Sehen Sie im Video: "Der Sieg von Alex war bereits klar" – Twitter-Nutzer meinen, Heidi musste Alex zur Gewinnerin küren.
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Mit Alex Mariah Peter hat Heidi Klum erstmals ein Transgender-Model zur Siegerin von GNTM gekürt. Die Entscheidung war für unsere Autorin vorhersehbar – aber dennoch das Beste, was der Show passieren konnte. 

Wenn man an das "Germany's Next Topmodel"-Finale im vergangenen Jahr denkt, kann man sich vielleicht noch an Heidi Klum im Koffer erinnern. Oder an Lijana Kaggwas dramatischen Ausstieg nach etlichen (Cyber-)Mobbing-Attacken. Aber an die Siegerin aus dem Jahr 2020 erinnern sich sicherlich nicht die meisten auf Anhieb. So ging es mir zumindest. Und dabei gucke ich die Show Jahr für Jahr (warum eigentlich, frage ich mich immer und immer wieder) regelmäßig. Nach einigem Überlegen fiel mir zwar der Name Jacky wieder ein – aber viel mehr als ein hübsches Mädchen, das sich vor der Kamera und auf dem Laufsteg gut macht, kam mir nicht unbedingt in den Sinn. Und neben Drama und Scheinheiligkeit gab es auch sonst nicht viel, an das ich mich aus der vergangenen Staffel erinnere. Keine motivierenden Persönlichkeiten, wenig Neues und Überraschendes. 

In diesem Jahr sollte es aber mal anders laufen als in den Jahren zuvor: Größe, Alter, Gewicht – alles egal. Diversity war das Stichwort. Heidi Klum wollte zeigen, dass sie mit der Zeit geht; dass Models auch Statements setzen und nicht einem längst überholten Schönheitsideal und veralteten Model-Klischees entsprechen müssen. Und dieses Motto nahm die GNTM-Chefjurorin auch sehr ernst. Schließlich weiß die 47-Jährige, dass ihre Show schon lange in der Kritik steht und sicherlich keinen Vorbildcharakter für junge Frauen hatte.

Alex Mariah Peter trifft das GNTM-Motto Diversity

Für den Vorsatz, sich von veralteten Denkmustern etwas mehr zu lösen und Models eine Bühne zu geben, die mit einem starken Charakter und einer Botschaft daherkommen, gab es aus meiner Sicht schnell die ideale Kandidatin: Alex Mariah Peter aus Köln. Das Transgender-Model hat sich, anders als etwa Lucy im vergangenen Jahr, nicht allzu sehr auf das Thema Geschlechtsidentität reduzieren lassen, sondern es zwar thematisiert – aber eben ohne großes Tamtam, so wie es eben auch gehandhabt werden sollte: selbstbewusst, souverän und selbstverständlich. "Anderssein ist viel gewöhnlicher als wir uns oft eingestehen", sagte sie passenderweise im GNTM-Finale dazu.

In den vergangenen Wochen mauserte sich die 23-Jährige bereits zur Favoritin. Nicht nur, dass sie mit ihrer Leistung überzeugte und dabei immer in sich ruhte. Man merkte auch als Zuschauer:in, dass sie während der Show noch mehr reifte, noch mehr zu sich gefunden hat und sich in keinem Moment verstellt hat. Wenn es Drama gab, hat sich Alex Mariah Peter immer gut distanziert, aber dennoch ihre Meinung ehrlich kundgetan. Als traditionell kurz vor dem Finale Post von Freunden und Familie ankam und der Moment normalerweise bei den Kandidatinnen in Tränen ausartet, wehrte sich die Kölnerin gegen den aufgesetzten Show-Moment und erklärte cool: "Öffentlich Emotionen zulassen – nicht mein Ding." Tradition und Show-Effekt mal eben schön den Garaus gemacht. Ein weiteres erfrischendes Zeichen gegen künstlich erzeugte Emotions-Highlights.

Alex Mariah Peter hat es im Finale von "Germany's Next Topmodel" noch einmal deutlich gemacht: Es geht ihr ums Modeln, aber auch darum, Sichtbarkeit zu schaffen für Transmenschen. Und das auf eine Art, die nicht besser hätte sein können: mit super Model-Leistungen, keinem künstlichen Drama, sondern Ehrlichkeit, Authentizität und Vertrauen in sich selbst – auch wenn man von dem abweicht, was man bei GNTM noch immer gewohnt war.

Heidi Klum hat sich an das Motto gehalten

In den vergangenen Wochen wurde klar, dass wenn Heidi Klum das Motto Diversity wirklich durchziehen will, Alex Mariah den Titel bekommen muss. Nicht nur, weil sie den Diversitäts-Aspekt so herrlich selbstverständlich und authentisch verkörpert. Sondern auch, weil sie der so verstaubten Show mit ihrer ruhigen, starken Art guttut und etwas Frische einhaucht.   

Hätte etwa Soulin Omar den Titel bekommen, wäre das aus leistungstechnischer Sicht sicherlich ebenfalls verdient gewesen. Dass Heidi Klum aber unbedingt eine Gewinnerin wollte, die das Motto deutlich verkörpert, war klar, als sie Dascha statt Soulin weiterkommen ließ – ohne jegliche Begründungen. Denn wenn es nur nach der Leistung gegangen wäre, war das sicherlich nicht die beste Entscheidung. Mit Alex Mariah Peter hat Heidi Klum sich nun für eine Siegerin entschieden, die noch mehr vorweisen kann als nur Model-Leistungen: tatsächlich Diversität, klare Worte und eine ganz besondere Ausstrahlung, die vielleicht auch mal länger in Erinnerung bleiben wird.

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