HOME

Stern Logo Germany's Next Topmodel

TV-Kritik

GNTM 2020: Klum im Koffer und ein plötzlicher Abgang – ein Finale mit Absurditäten und echten Emotionen

Ein GNTM-Finale ohne Fremdscham-Momente wäre kein richtiges GNTM-Finale. In dieser Hinsicht hat die Show mal wieder nicht enttäuscht. Positive Überraschungen gab es aber auch.

GNTM FInale 2020

Ein GNTM-Finale ohne Heidi Klum, ohne Publikum, aber mit Obermacho Philipp Plein und "vielen Überraschungen": Nach dieser Ankündigung waren die Erwartungen doch ganz schön niedrig, dass es eine gute Show werden würde. Tatsächlich gab es einige gute Momente. Manches aber blieb doch beim Alten.

Vor allem eine inoffizielle Regel wurde traditionsgemäß eingehalten: "Ein GNTM-Finale ohne Fremdscham-Momente ist kein echtes GNTM-Finale". Daran hatte besonders Heidi Klum ihren Anteil, die wegen der Corona-Pandemie nicht einreisen konnte. Natürlich ließ sie es sich nicht nehmen, trotzdem gefühlt die Hälfte der Sendezeit mit ihrer Visage zu füllen, und zwar – und jetzt kommt's – aus einem Koffer heraus. Klingt absurd, war es auch. Was sich ein wenig nach "Siebenstein" anhört, hatte tatsächlich ähnlich skurrile Momente wie die TV-Kinderserie mit dem verstörenden Raben-Koffer-Duo. 

Heidi spricht aus einem Koffer im GNTM-Finale

Nicht nur, dass bei Heidi Klum alles zeitversetzt ankam – was irgendwann an eine Video-Konferenz im Homeoffice erinnerte, bei der man froh ist, wenn sie vorbei ist. Viel schlimmer war der Heidi-Ersatz Christian Anwander, der so fehl am Platz wirkte, dass man sich tatsächlich gewünscht hätte, Heidi wäre aus dem komischen Koffer geklettert und hätte den Kerl aus dem Studio geschmissen.

Der Fotograf, der die Chefjurorin in ihrer Pandemie-Zwangspause schon einmal (und damals ganz gut) vertreten hatte, zeigte weder Wortwitz, noch richtig Bock. Und man fragte sich: Hätte ProSieben nicht irgendjemanden nehmen können, der neben etwas Spaß auch Erfahrung hat? Vielleicht war das aber auch nur Taktik, damit man Heidi Klum in der nächsten Staffel noch besser ertragen kann. 

GNTM: Fotograf Christian Anwander muss für Heidi Klum bei der Umstyling-Folge einspringen.

Lijana schmeißt im Finale hin

So führte ein lustloser Fotograf durch eine Finalshow, die weniger Überraschungen parat hatte als angekündigt. Die vier Finalistinnen Jacky, Maureen, Lijana und Sarah mussten sich in den bekannten Disziplinen (Fotoshooting und Live-Walk) beweisen, rückten insgesamt aber völlig in den Hintergrund. Stattdessen zeigte man lieber Pannen und Highlights der aktuellen Staffel und holte bekannte GNTM-Gesichter wie Micaela Schäfer oder Sara Kulka ins Studio, die erzählen, was sie heute tun. Wenn man sonst nicht weiß, wie man die Sendezeit füllen soll, bitteschön. Spannend ist anders.

In Erinnerung bleiben solche Szenen sicher nicht. Sondern die, die berührt haben. Davon gab es im Finale nur eine: Kandidatin Lijana erklärte nach ihrem Walk, in dem sie das Mobbing gegen sie thematisierte, dass sie hinschmeißt. Und sprach sich in einer emotionalen Rede gegen Hass aus. Die umstrittenste und nervigste Kandidatin zeigte am Ende Stärke und dass sie nicht alles mit sich machen lässt. Zwar ließ sie damit viele im Studio und vorm Fernseher geschockt zurück. Man kann ihr aber nur wünschen, dass ihre Botschaft bei denen angekommen ist, die Hass im Netz verbreiten und sie nun ihre Ruhe vor ihren Hatern hat.

Jacky ist "Germany's next Topmodel" 2020

Nach diesem Paukenschlag plätscherte das Finale nur noch dahin. Was am schlimmsten war, kann man gar nicht sagen: Heidi aus dem Koffer, der völlig fehl platzierte Christian Anwander, die furchtbaren Einspieler der Familien von Jacky und Sarah, die sich nach Maureens Ausscheiden um den Titel bemühten, der Proll-Auftritt von Philipp Plein oder die Tatsache, dass das Finale eigentlich null komma null spannend war, weil man schon vor Wochen wusste, wer den Personality Award (Tamara) und wer das Finale (Jacky) gewinnen würde.

Philipp Plein hat sich bei Tamara entschuldigt

Es gab aber tatsächlich Momente, die man ruhig mal wertschätzen darf: Philipp Plein hat sich für sein Verhalten gegenüber Tamara entschuldigt; Heidi Klum kann ganz gut über sich selbst lachen; es gab für GNTM-Verhältnisse überraschend wenig Werbung; die Corona-Maßnahmen wurden weitgehend vorbildlich eingehalten.

Was am Ende bleibt, sind dennoch die Erkenntnisse: Egal, wie sehr sich Philipp Plein bemüht, er ist und bleibt unsympathisch. Auf das ganze Gekreische und die Küsschen aus den vergangenen Finalshows kann man prima verzichten. Und: In zwei Wochen weiß doch sowieso keiner mehr, wer gewonnen hat.