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TV-Kritik

"GNTM": Ein unfairer Like-Wettbewerb, das übliche Gezicke und jede Menge Engstirnigkeit

Bei "GNTM" lernen die Mädchen vor allem eins: Sei eine Marke und mache dich von der Zuneigung deiner Follower abhängig. Natürlich ist Profi Enisa in dieser Woche die erfolgreichste Modelanwärterin.

Von Andrea Zschocher

Diese Woche drehte sich bei "GNTM" alles um Instagram und influencen

Diese Woche drehte sich bei "GNTM" alles um Instagram und influencen

It´s Social Media Week! Diese Woche drehte sich bei "GNTM" alles um Instagram und influencen. Denn Models vermarkten mittlerweile nicht nur die Kleidung, die sie tragen, sondern eben auch sich selbst. Eine, die das natürlich schon perfekt beherrscht: Enisa Bukvic. Die 24-Jährige hat auf Instagram fast 500.000 Follower und damit bei der Challenge einen riesigen Vorteil. Beim Fotoshoot, bei dem die Mädchen als Stewardessen im Weltraum posen mussten, durften die Fans am Ende entscheiden, welches Bild das Siegerinnenfoto der Woche ist. Dieses Mädchen war automatisch eine Runde weiter. Tja, wer selbst sehr viele Follower hat und mit jemandem zusammen ist, der noch mehr Fans hat, der hat da schon einen kleinen Vorteil. Und während Enisa im Interview noch behauptete, diesen nicht nutzen zu wollen, sah das beim Telefonieren mit ihrem Freund schon ganz anders aus. Aber hey, Heidi Klum fand's gut. Wer einen Vorteil hat, so Klum, der sollte den doch auch nutzen. Am Ende gewann Enisa natürlich, mit 46.000 Likes. Und der Modelaspirantin war die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. "Nur 46.000?", schien sie zu denken. Und erklärte im Deutsch-Englischkauderwelsch dann, es wären "fortysixthousand". "Also 64.000?", fragte Freundin Vanessa. "Ja", gab Enisa zurück. Na, wir sind ja auch nicht wegen Mathematik hier.

Follower oder echtes Können?

Und auch nicht wegen irgendeiner Vorbildfunktion. Denn was für ein Bild wird da gezeichnet? Im Leben wird Erfolg heute anscheinend ausschließlich an Likes von Followern gemessen. Und in ist, wer virtuell geherzt wird. Nur wer es schafft, sich selbst als Marke zu etablieren, wird im Modelbusiness erfolgreich sein können. Kleine Randnotiz: Lena machte sich große Sorgen zu verlieren. Sie hat eine Freundin mit 1000 Followern, erzählte sie, und hoffte, dass die wenigstens ein paar ihrer Fans dazu bringen konnte, für sie abzustimmen. Ob Lena ein gutes Foto abgeliefert hatte, darum geht es nicht. Sondern nur um das Generieren von Herzen. Schade, dass sie nicht mehr auf sich vertraute, denn mit über 43.000 Likes war ihr Foto, ohne Hunderttausende Follower, das zweiterfolgreichste.  

Heidi Klum hat ihre angehenden Topmodels auf die Alm geschickt.

Vielfalt? Eher Engstirnigkeit

Bei "Germany´s next Topmodel" geht es ja angeblich auch ganz viel um Diversity, Vielfalt. Und dann wurde eine Journalistin von einem Online-Klatschmagazin eingeladen um alles, was die Chance auf Vielfalt böte, im Keim zu ersticken. Sie sollte sich mit den Modelanwärterinnen unterhalten und sie, natürlich, aus der Reserve locken. Die Frau freute sich vor allem auf Theresia, weil die einen älteren Freund hat, auf Catherina, weil ihr Freund ein bekannter Fußballer ist, und auf Tatjana "weil sie ja eine Geschlechtsumwandlung hatte".

Wo ist denn da die Vielfalt? Transmenschen werden sicher nicht nur über ihr Transsein definiert, und trotzdem wurde Tatjana nur danach gefragt. Auch Melissa, die aus ihrer Bisexualität kein Geheimnis machte, musste sich unpassende Fragen gefallen lassen. Die Journalistin erdreistete sich gar zu fragen, ob Melissa bei all den hübschen Mädchen um sie herum nicht vielleicht schwach werden würde. Melissa erklärte, sehr souverän, dass sie sich nicht in das Aussehen, sondern in einen Menschen verlieben würde. Die Herangehensweise der Journalistin ist da statt vielfältig und weltoffen doch ziemlich engstirnig.

Negative Kritik? Zickt mal los!

Selbstverständlich wurde auch in dieser Sendung wieder gekreischt (wieso?), geweint und gezickt. Oh, dieses Gezicke. Eine Mädchengruppe verlor gegen die andere und musste zusehen, wie die unter Gekreische  (wieso?) eine Garage voller Klamotten in Minuten leer räumten. Am Ende bekamen bis auf eine, Simone, dann doch alle irgendein Geschenk. Simone war enttäuscht und traurig und machte ihrem Ärger Luft. Nicht gegenüber den anderen (sagte sie), sondern so in den luftleeren Raum hinein. Führte natürlich zu Riesenzoff. Weil: man muss ja gönnen können und das wäre ja so schlimm und überhaupt. Sarah, das Mädchen, was sich von Simone am meisten angepikst fühlte (und mehr Klamotten aus der Garage schleppte, als sie eigentlich tragen konnte) rief zur großen Aussprache. Also eigentlich zum Auf-Simone-Herumhacken. Die flüchtete weinend, verständlicherweise. An der Stelle hätte Heidi etwas wirklich Sinnvolles mit ihrer "Social Media Week" machen können und den Mädchen was über Hasskommentare und den Umgang mit negativer Kritik erklären können. Aber ach, das wäre ja wertvoll und hätte Tiefgang. So wahrten am Ende alle den schönen Schein und jedes der Mädchen bleibt sich mit ihrem Kummer selbst überlassen.

Übrigens, nächste Woche ist das große Umstyling dran. Für die meisten ZuschauerInnen DAS Highlight von "Germany´s next Topmodel". Nur für den Fall Sie lieben Tränen, Drama und "interessante" Frisuren.

Sechs der GNTM-Kandidatinnen