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Streaming "Gomorrha" – die beste Mafia-Serie der Welt geht ihrem blutigen Ende entgegen

Zwei Männer in einem dunklen raum vor einem roten Hintergrund
In Staffel 5 von "Gomorrha" sind die Helden sind schwer und müde geworden
© PR
In fünf Staffeln und einem Film schildert die Serie "Gomorrha" die Unterwelt Neapels – so authentisch und brutal wie keine andere. In der letzten Staffel heißt es Abschied nehmen von den Todgeweihten.

Der folgende Text enthält leichte Spoiler – wer gar nichts über die Handlung der fünften Staffel wissen möchte, sollte nicht weiterlesen

Die TV-Serie "Gomorrha" läuft in der fünften und finalen Staffel. Sie basiert auf dem Roman von Roberto Saviano – dessen authentische Schilderung der Mafia haben ihm Todesdrohungen und lebenslangen Polizeischutz eingetragen. Die Handlung der Serie endet nun dort, wo sie begonnen hat: in den verfallenen, brutalistischen Sozialbauten von Scampia in Neapel. Und das ist gut so, denn die eigentliche Stärke von "Gomorrha" waren nie subtile Charakterzeichnungen oder komplizierte Plots. Die Serie überzeugte in der dichten und detaillierten Beschreibung des kriminellen Milieus von Neapel. Bei den Begegnungen, den Gesten, den Kleidern und den Inneneinrichtungen. Wenn sich in einem versifften Elendsbau eine Tür öffnet und man sich dahinter in einer monströsen Explosion von Gold, Spiegeln und Antiquitäten wiederfindet.

Zurück im Dreck von Scampia

Die fünfte Staffel führt am alten Ort erneut das Traumpaar der Serie zusammen, Ciro Di Marzio und Gennaro "Genny" Savastano. Regelmäßig pendeln die beiden zwischen Erzfeinden und Brüdern hin und her. Die letzte Staffel steht im Zeichen der Feindschaft. Es kommt zum unvermeidlichen Showdown der beiden.

Wie es sich für diese Art von Serien gehört, gibt es bei den Personen keinerlei Entwicklung. Ciro ist nach wie vor der eiskalte Killer und überlegene Stratege. Wie er es schon war, als er zum Kindermädchen für den damals jungen Genny ernannt wurde. Und ihm seinen ersten Mord abnahm, als dem Teenager die Nerven versagten. Ciro trägt den Namen "L'Immortale", der Unsterbliche, weil er als Baby als einziger den Zusammenbruch eines Wohnhauses überlebte. Diesem Namen macht er alle Ehre – er übersteht jeden Mordversuch, auch wenn er durch wundersame Fügungen des Drehbuches aus dem Grab geholt werden muss.

Gennaro ist und bleibt, was er schon der ersten Staffel war, der unglückliche dickliche Sohn seines Vaters, wenn er auch seinen Babyspeck gegen Muskeln eingetauscht hat und seine Hilflosigkeit gegen Sadismus. Schauspielern muss keiner der beiden. Der Unsterbliche blickt leicht vornübergebeugt traurig aus seinen treuen Dackelaugen, bevor er seine Waffe zieht. Und Gennaro schaut finster aus tiefen Augenringen und reibt nervös an seinen Ringen – und schlägt dann seine Gegner mit einer Eisenstange zu Brei, so wie schon in den vier Staffeln zuvor.

Starke Schauspieler in den Nebenrollen bei "Gomorrha"

Die anspruchsvollen Aufgaben übernehmen die Nebenrollen. Donna Nunzia etwa, die Frau eines Clanführers. Sie wirkt exakt so, als wäre sie einer altmodischen Werbung für hausgemachte Pasta entsprungen. Und doch wird die kleine Alte von einem unheimlichen Feuer angetrieben. Einer ihrer Bravi zögert, weil er ein Kind töten soll. Eine Sünde, die nicht vergeben werden kann, so der Volksglauben. Denn vom Kindermörder wird sich die Heilige Jungfrau am jüngsten Tag abwenden und keine Fürbitte für ihn einlegen. Da vertraut die nette Oma ihrem Capo an, dass der Hass wie ein unheimliches Tier tief in ihrem Inneren lebe. Dieser Hass würde sie verschlingen, wenn sie ihn nicht permanent füttern würde – eben auch mit einem fünfjährigen Kind. Überhaupt sind es die Frauen, die der Story Tiefe verliehen. Azzurra etwa als Ehefrau von Don Gennaro, die die mörderischen Umstände erneut in die Nähe ihre entfremdeten Gatten treiben.

O' Maestrale ist einer der Hauptleute von Gennaro. Er versteht sich als Mann von Ehre, stapft steif von Szene zu Szene und kennt nur einen Gesichtsausdruck. Seine Frau jedoch, die ebenso hagere wie ehrgeizige Luciana macht das mehr als wett, wie sie gierig an ihren Zigaretten saugt und langsam und dosiert das Gift des Verrats in die Ohren ihres Mannes träufelt.

Trotz der einfachen Typenzeichnung muss der Zuschauer aufpassen, um nicht die Fäden der Handlung zu verpassen. In der Staffel zuvor hatte Gennaro seine Vertraute Patrizia Santoro, die ehemalige Geliebte seines Vaters, erschossen. Nur aus einem Nebensatz erfährt er und damit der Zuschauer nun, wie sinnlos diese Tat war.

Endspiel mit Todes-Lyrik

Die Handlung läuft auf das Unvermeidliche hinaus – der Unsterbliche sammelt die Unzufriedenen, die ihn geradezu religiös verehren. Es gibt ein Wiedersehen mit alten Bekannten wie dem tragischen Hochwohlgeborenen und dem treuen Schläger Pitbull und jede Menge Intrigen und Action. Am Ausgang kann es kaum Zweifel geben. Männer wie Ciro und Gennaro sind für den Tod geboren, in fünf Staffeln mussten sie lernen, dass sie für das Leben nicht taugen.

"Gomorrha" läuft auf Sky.


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