VG-Wort Pixel

TV-Dokumentation Sie wurde Prostituierte, weil sie genug von miesen Tinder-Typen hatte

Alexis bei einem Fotoshooting für die Website ihrer Agentur.
Alexis bei einem Fotoshooting für die Website ihrer Agentur.
© Channel 5 / Hersteller
"Channel 5" hat die 22-jährige Alexis bei ihren ersten Treffen als Escort-Girl begleitet. Schockierend: Von ihren alten Kunden fühlt sich die junge Frau mehr respektiert und weniger ausgenutzt als von ihren Tinder-Dates.

Die Dokumentation "First Time Call Girl" vom britischen TV-Sender "Channel 5" folgt der jungen Studentin Alexis, 22, auf dem Weg in die Prostitution. Sie hat beschlossen, als Escort Girl zu arbeiten und heuert bei der größten Agentur dieser Art in ihrer Heimat Cardiff an.

Alexis' Motivation: "Ich möchte ein anderes Leben. Ich möchte Spaß, ich möchte mehr Aufregung. Ich habe genug davon, dass ich nur One-Night-Stands habe. Ich möchte mich neu erleben."

Der Sender begleitete die junge Frau von ihrem Entschluss bis zu ihren ersten Kunden. Alexis sieht nicht nur gut aus, sie tut auch einiges dafür, einen umwerfenden Eindruck zu hinterlassen. Rot gefärbte Haare und hellblaue Kontaktlinsen verwandeln die schwarze Frau in eine exotische Erscheinung. Es kann kaum ein Zufall sein, dass Alexis wie die schwarze Schwester der Schauspielerin Billie Piper in der bekannten TV-Verfilmung von "Secret Diary of a Call Girl" aussieht.

Frust im echten Leben

Trotz ihrer Attraktivität blickt Alexis auf eine wenig inspirierende erotische Vergangenheit zurück. "Wir Millennials haben verlernt, richtig zu daten", klagt sie.

"Das ist ein Grund, warum ich diese Escort-Sache mache. Wenn du einen Tinder-Typen triffst, tun die alle so, als wollten sie eine echte Beziehung mir dir. Und dann machst du dir Hoffnungen. Du denkst, vielleicht ist er derjenige. Und dann geht es doch nur um Sex. Das gibt es jetzt nicht mehr umsonst."

"Ich bin Single und habe keinen Freund. Anstatt auf Tinder abzuhängen, will ich das jetzt machen und damit Geld verdienen."

Dem Chef der Agentur, Lawrence, nennt sie ihr Ziel: 1000 Pfund die Woche. Kein Problem, meint Lawrence. Er will sie in seinem Online-Katalog als "Ebony Princess" anpreisen, und ist überzeugt, dass die junge Frau gut ankommen wird. Ihr Tarif sind 150 Pfund die Stunde, 30 Prozent davon gehen an die Agentur. Das ist das untere Ende der Preisspanne. Der Sender sprach auch mit einer jungen Russin, die pro Tag 3000 Pfund abrechnet.

Sehen Sie hier im Video: "Mein Job als Sexarbeiterin macht mich zu einer besseren Mutter"

"Mit diesem Glitzer bestreue ich meinen Po, weil ich es lustig finde und in einem Stripclub arbeite, in dem man vollständig nackt ist. Wenn Menschen ein überraschend glitzerndes Poloch sehen, lachen sie oder reagieren irgendwie."   Elle Stanger ist Sexarbeiterin. Als Stripperin, Webcam-Darstellerin, Eskortfrau, Schriftstellerin für Erotikliteratur oder Rezensentin für Sexspielzeug. Die 31-Jährige dreht auch Pornos – mit ihrem Partner Bryan. Und: Elle hat eine fünf-jährige Tochter.   "Was macht Papa beruflich?" "Er arbeitet am Computer." "Was macht Mama?" "Mama-Sachen."   Eigentlich weiß das Mädchen, dass seine Mutter an einer Stange tanzt.    "Ich glaube, die Menschen trauen mir nicht zu, mein Kind in einem sicheren und strukturierten Umfeld zu erziehen, weil sie ihre eigenen Ängste auf mich projizieren. Aber ich arbeite ja nicht vor ihren Augen. Ich bin erwachsen. Ich würde meine Eltern dabei auch nicht sehen wollen. Wenn ich als Mutter gefragt bin, bin ich Mutter. Wenn ich im Erotik-Business arbeite, bin ich Erotik-Arbeiterin. Da gibt es keine Schnittstelle."   "Elle ist eine wundervolle Mutter, weil das Wohl ihrer Tochter immer an erster Stelle steht."   Ursprünglich wollte Elle Polizistin werden, doch aus finanziellen Gründen ging sie in die Sexindustrie. Und bemerkte, dass der Job ihr viele Vorteile bot.   "Nach sechs Monaten als Stripperin fiel mir auf, dass ich mehr über die Menschen gelernt hatte, als es in jedem Psychologiekurs möglich gewesen wäre. Ich dachte: 'Wow, das gibt einem wirklich eine Menge. Es ist sehr menschlich. Es fühlt sich an, als würde ich helfen, als würde ich therapieren.'"   Genau deshalb fühlt sie sich auch als Mutter bestens vorbereitet.   "Meine Arbeit als Sexarbeiterin macht mich zu einer besseren Mutter, weil ich mehr Empathie entwickelt habe. Das bedeutet, dass ich dafür verantwortlich bin, einen Mensch so zu prägen, der er der Welt gut tut."
Mehr

Nervös vor dem ersten Mal

Vor dem ersten Kunden gibt es einen Rat für das Äußere: Ein Escort dürfe nichts anziehen, was billig wirke. Kleidung müsse exklusiv sein und Klasse zeigen. Das zahle sich aus. Lawrence Agentur vermittelt ausschließlich die "Girlfriend Experience". Rough Sex, Fetisch-Fantasien oder Ähnliches hat Lawrence nicht im Programm. "Das ist einfacher Sex, so wie mit deinem Freund."

Vor ihrem ersten Kunden ist Alexis sichtlich nervös. Sie betrachtet den Schritt in die Prostitution als persönliche Befreiung. "Vor dieser Escort-Sache habe ich nur für andere gelebt. Ich habe nur gemacht, was ich dachte, dass ich es tun müsste. Diese Idee von mir will ich mit dem Escort-Ding zerstören. Es soll nur um mich gehen".

Sie macht sich Sorgen um den Kunden. "Er hat mich aus einer ganzen Auswahl von Mädchen ausgesucht. Das ist schon mal ein Plus für mich. Ich hoffe, dass ich ihn nicht enttäusche. Ich bin so nervös, dass es nicht so sein wird, wie ich es mir vorgestellt habe."

Hinterher ist sie sichtlich erleichtert. "Ich kann es kaum beschreiben. Er war wirklich sehr nett. Was nicht so toll war: Er ist ziemlich dick. Er sah definitiv nicht gut aus."

"Ich fühlte mich nicht billig oder schlampig, so wie ich es befürchtet hatte. Ich hatte Angst, dass ich nur ein 'Fun Ride' für so einen alten Typen sei. Aber so war das nicht. Ich habe mich wie auf einem teuren Date gefühlt. Fast wie seine Frau. So wie er mit mir gesprochen hat."

Schock am Anfang

Zuerst war Alexis schockiert. "Kaum hatte ich das Geld in der Hand, begann er seine Schuhe und seine Hose auszuziehen. Ich dachte nur: 'Okay, das geht aber schnell'. Ich dachte, wir würden erst reden."

Die Sache selbst lief besser, als Alexis erwartet hatte. "Das hört sich jetzt übel an, aber als er mit mir schlief und auf mir lag, die Sachen, die er in mein Ohr flüsterte, das fühlte sich alles gut an.

Das war das erste Mal in einer langen Zeit, dass ich Sex hatte und ich nicht hinterher das Gefühl hatte, dass ein Mann etwas von mir genommen hatte, was ich ihm nicht geben wollte."

Zurück in der Agentur strahlt Alexis die Geldscheine in ihrer Hand an. 100 Pfund bleiben ihr, für eine Stunde Arbeit: "Das ist ein einfacher Job."

Vier Wochen später sprach der Sender noch einmal mit Alexis. Es gab nicht nur lustige Erlebnisse, aber Alexis ist kurz davor, aus ihrer Nebenbeschäftigung einen Vollzeitjob zu machen. "Ein Typ war ein kompletter Arsch. Ich habe es Lawrence gesagt und das war es. Mit dem muss ich nie wieder arbeiten."

Ein anderer Kunde war 72. "Er war ein netter Typ. Aber als er sich ausgezogen hatte, posierte er, als wollte er fragen: 'Sehe ich gut aus? Bin ich sexy?' Und ich dachte nur 'Du siehst so alt und schrumpelig aus." Aber ich saß auf dem Bett und sagte ihm: 'Yeah, du siehst so toll aus.' Das mache ich auch nicht noch einmal."

Lesen Sie auch:

Ein Anwalt gibt Tipps: So bleibt eure Beziehung "scheidungssicher"

Warum schlaue Frauen sich am Ende den Mann fürs Leben angeln

13 Männer sagen, was sie wirklich denken: "Die Ehe ist was für Volltrottel"

Sie wurde Prostituierte, weil sie genug von miesen Tinder-Typen hatte

Heirat in die Schulden? Mit diesen Tipps verhindern Sie ein Debakel

Sexversessen, betrunken und geldgierig – das törnt Männer beim Daten ab


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker