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RTL verfilmt Goethe: Der letzte Bulle von Berlichingen

Leck mich im Arsch: RTL hat den Haudegen Götz von Berlichingen aus der Mottenkiste der Literatur geholt und zum Actionhelden gemacht. Henning Baum gibt den edlen Ritter mit der eisernen Faust.

Henning Baum als Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand

Henning Baum als Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand

Götz von Berlichingen war vor 500 Jahren ein Haudegen, ein Gesetzloser, ein Frauenheld und nicht zuletzt der Mann, dem die deutsche Sprache den Fluch "Leck mich doch am Arsch" verdanken soll. Dass sein Schicksal viele öde Abende an Stadttheatern gefüllt und nicht schon viel früher den Weg ins Privatfernsehen gefunden hat, ist daher eigentlich bemerkenswert. RTL holt das jetzt nach. "Götz von Berlichingen" ist an diesem Donnerstag um 20.15 Uhr RTL dort zu sehen. Der "letzte Bulle" Henning Baum steigt dafür in die Rüstung.

Der historische Reichsritter Götz von Berlichingen, den einst der Dichter Johann Wolfgang von Goethe mit einem Drama aus dem Jahr 1773 verewigt hat, lebte etwa von 1480 bis 1562. Wir sind also im finstersten Mittelalter, und entsprechend deftig geht es auch los: Bei einem Überfall auf eine schwer bewachte Kutsche fallen dem Raubritter Götz (Baum) und seinen Mannen drei Kisten mit französischen Goldmünzen und dem Siegel des Königs in die Hände.

Starker Tobak

Auf seiner Burg wird Götz und seiner Schwester Maria (Maria Ehrich) schnell klar, dass es sich um eine brisante Beute handelt. Adelbert von Weislingen (Johann von Bülow), ein Kindheitsfreund, rät dringend, den Schatz so schnell wie möglich zurückzugeben. Doch in Wahrheit führt er Böses im Schilde. Denn auf Geheiß seiner Geliebten Adelheid von Walldorf (Natalia Wörner) soll er Götz in eine Falle locken und den Schatz an sich reißen. Dieser kann immerhin sein Leben retten, doch verliert er bei einem heimtückischen Angriff die rechte Hand. Bevor Wundfieber ihn töten kann, wird die geheimnisvolle Heilerin Saleema (Dennenesch Zoudé) herbeigeschafft, um Götz zu helfen.

Sie kann den Ritter tatsächlich heilen. Er lässt sich später seine berühmte eiserne Faust anfertigen - und macht Saleema zu seiner Geliebten. Das ist natürlich starker Tobak, denn diese Heilerin hat es weder im Leben des Götz von Berlichingen noch in Goethes Stück (da war er glücklich mit seiner Elisabeth verehelicht) gegeben. Die Figur der Saleema wirkt schon etwas fehl am Platz in der oft dschungelartigen Kulisse, wo sie zumeist nur spärlich bekleidet herumläuft. Überhaupt ist in dem Film viel nackte Haut zu sehen.

Eine sehr dreckige Figur

Darstellerin Dennenesch Zoudé, 47, Gattin von "Götz"-Regisseur Carlo Rola, erzählt: "Diese Heilerin ist schwarz, sie hat eine unglaubliche physische Präsenz, ist quasi immer auf dem Sprung. Es ist eine sehr dreckige Figur, die sich leidenschaftlich in die nächste Pfütze wirft. Zurückgezogen lebt sie mit den Ausgestoßenen und Kranken im Schutz des Waldes und trifft dann auf den bekannten Ritter. Götz und Saleema sind wie zwei Magneten, die sich umkreisen, aber eigentlich zueinander wollen."

Da ist dann Drehbuchautor Christian Schnalke doch etwas die Fantasie durchgegangen, und so ist der Film leider beileibe nicht klischeefrei geraten. Er bietet jedoch ordentlich gemachte Unterhaltung und kreist stets um die Themen Kameradschaft, Macht, Loyalität und Vertrauen.

Geschichtliche Zusammenhänge werden eher beiläufig in so manchem Dialog vermittelt. Das berühmte Götz-Zitat - im echten Leben fluchte der Ritter wohl, man solle ihn "hinden leckhenn" - wird deutlich ausgesprochen. Insgesamt hält der Film zumeist die Balance zwischen dem altmodischen Sprachgebrauch und der heutigen Sprachfärbung. Natürlich gibt es viel Action in Form von Gelagen, Orgien und Raubzügen. Missliebige Mitmenschen werden rücksichtslos gemeuchelt, auch wenn es sich um den eigenen Gatten (bei Adelheid) oder den Vater (bei Adelbert) handelt. Es waren wahrlich heftige Zeiten.

Was will der Götz hier?

Klar ist auch, dass Henning Baum, 42, in der Titelrolle als Kraftkerl eine Idealbesetzung ist, physisch wie psychisch. "Ich habe mich sehr wohlgefühlt mit dieser Rolle, denn ich wusste sofort, mit diesem Charakter kann ich etwas anfangen, und er mit mir. Das Drehbuch war relativ klar, dennoch habe ich mich in jeder Szene gefragt: Was will der Götz hier? Worum geht es ihm? Was treibt ihn an?", erzählte Henning Baum.

Baum beschreibt seine Rolle so: "Es ist genau dieser Typ, der nicht aufgibt, der uns über Jahrhunderte hinweg so fasziniert. Das ist ein Archetyp, der sich seinem Schicksal nicht geschlagen geben will. Und ein Mythos ist er natürlich auch. Er ist ein Vorbild in seiner Kraft, sich aufzulehnen gegen Bedingungen, die ihm nicht passen. Ich glaube schon, dass dieser Charakter auch richtungweisend für junge Menschen sein kann. Ich hätte mich als junger Mensch davon beeinflussen lassen, ich hätte auch so sein wollen wie der junge Götz. Der hatte überall seine Händel, der hätte tausendmal abgestochen werden können, und dann ist der Kerl über 80 Jahre alt geworden. Unglaublich, ein Wahnsinnstyp!" Dem ist nichts hinzuzufügen.

Klaus Braeuer, DPA / DPA