HOME

Hilder oder keiner: MDR-Rundfunkrat wählt neuen Intendanten

Am Montag entscheidet der Mitteldeutsche Rundfunk über die Nachfolge des langjährigen Intendanten Udo Reiter. Mit Bernd Hilder steht nur ein einziger Kandidat zur Verfügung. Ein Bericht der "Magdeburger Volksstimme" könnte den Chefredakteur der "Leipziger Volkszeitung" allerdings noch in Bedrängnis bringen.

Für Bernd Hilder, dem einzigen Kandidaten bei der MDR-Intendantenwahl am Montag, könnte es womöglich enger werden als erwartet. Wie die "Magdeburger Volksstimme" am Samstag berichtet, soll sich der Chefredakteur der "Leipziger Volkszeitung" mehr als ein Jahr vor der Zahlung seiner Rundfunkgebühren gedrückt haben. Obwohl Hilder nach eigenem Bekunden seit Ende 2003 in Leipzig wohne, habe er erst am 5. Februar 2005 einen entsprechenden Anmeldebogen ausgefüllt. Der Zeitung liege ein dementsprechendes und mutmaßlich von Hilder unterschriebenes Dokument vor. Zudem soll Hilder hinter der Frage "Zahlen Sie Rundfunkgebühren?" handschriftlich ein "leider" vermerkt haben.

Hilder bestritt gegenüber der "Volksstimme" die Echtheit des Dokuments und spekulierte, es handele sich um eine Fälschung. "Ich kann dazu nichts sagen", sagte er. "Ich kenne das nicht."

Vor der Intendantenwahl gab es hinter den Kulissen seit Wochen ein heftiges politisches Gerangel. Wenn die Wahl nicht gelingen sollte, wird der Verwaltungsrat am selben Abend über das weitere Verfahren entscheiden. Der Verwaltungsratsvorsitzende Gerd Schuchardt hat für diesen Zeitpunkt eine Sondersitzung des Gremiums einberufen. Die Personalie eilt, denn der neue Intendant soll bereits am 1. November beginnen.

Reiter hinterlässt schweres Erbe

Der künftige Intendant wird zunächst die Affäre um den entlassenen MDR-Unterhaltungschef Udo Foht weiter aufklären müssen. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob beim MDR Sendezeit gekauft werden konnte. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft Leipzig gegen sechs Beschuldigte wegen Bestechung, Untreue, Betrugs und Bestechlichkeit.

Der 52-jährige Bernd Hilder ist seit fast acht Jahren Chefredakteur der "Leipziger Volkszeitung". Darüber hinaus ist er Sprecher des Selbstkontrollorgans der gedruckten Medien, des Deutschen Presserats. Als Jurymitglied des Theodor-Wolff-Preises entscheidet er mit darüber, welche Journalisten für die besten Reportagen, Essays und Kommentare ausgezeichnet werden. In seinem Berufsleben war er außerdem 13 Jahre lang bei der ARD, dabei auch Hörfunkkorrespondent in Washington und Mexiko-Stadt.

Hilder nimmt öfter im ARD-Presseclub zu politischen Fragen Stellung, ist Gast-Kommentator für den Deutschlandfunk und moderiert die Leipziger Gespräche im Gewandhaus. Er ist parteilos, verheiratet und hat zwei Kinder.

jwi/DPA / DPA
Themen in diesem Artikel