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MDR-Intendantenwahl Die bisherige Stellvertreterin Karola Wille kandidiert


Nachdem sich für den ersten Kandidaten Bernd Hilder keine Zwei-Drittel-Mehrheit fand, wurde nun Karola Wille als neue MDR-Intendantin nominiert. Die Wahl soll am 23. Oktober stattfinden.

Die bisherige stellvertretende MDR-Intendantin und juristische Direktorin Karola Wille (52) soll neue Chefin des Senders werden. Auf diese Kandidatin einigte sich der MDR-Verwaltungsrat am Sonntag einstimmig und in geheimer Wahl. Es ist der zweite Anlauf, einen neuen Intendanten zu finden.

Wille muss aber noch Ende des Monats - voraussichtlich am 23. Oktober - vom Rundfunkrat mit Zwei-Drittel-Mehrheit gewählt werden. An dieser Hürde war der erste Kandidat, Chefredakteur Bernd Hilder von der "Leipziger Volkszeitung", Ende September gescheitert. Gründungsintendant Udo Reiter (67) scheidet auf eigenen Wunsch Ende Oktober aus.

Die gebürtige Chemnitzerin Karola Wille galt bei der Kandidatenwahl für die Spitzenposition beim fünftgrößten ARD-Sender als Favoritin. Sie studierte von 1978 bis 1982 in Jena Rechtswissenschaften und promovierte 1986. Von 1991 bis 1993 absolvierte sie ein juristisches Fernstudium an der Fernuniversität Hagen. Nach einem kurzen Zwischenspiel als Justiziarin im Rechtsamt der Stadt Leipzig trat sie 1991 die Stelle einer Referentin in der Juristischen Direktion des MDR an. 1993 wurde sie Stellvertreterin des Direktors, seit November 1996 ist sie selbst Juristische Direktorin. Seit 2003 vertritt sie auch den Intendanten Udo Reiter. Karola Wille hat eine Tochter und ist Honorarprofessorin für Medienrecht an der Universität Leipzig.

Wille hatte sich bereits im September zusammen mit dem stellvertretenden WDR-Fernsehdirektor Helfried Spitra im Verwaltungsrat vorgestellt. Beide waren aber Hilder unterlegen. Wille ist im Sender sehr beliebt. Kritiker hatten ihr vorgeworfen, dass sie in ihrer Position eine Mitverantwortung für die Skandale beim MDR habe.

So hatte der MDR seinen Unterhaltungschef Udo Foht entlassen, der in undurchsichtige Finanztransaktionen verwickelt gewesen sein soll. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen sechs Beschuldigte wegen Betrugs, Untreue, Bestechung und Bestechlichkeit. Zuvor war ein Millionenbetrug beim ARD/ZDF-Kinderkanal aufgedeckt worden, für den der MDR die Federführung hat.

Reiter ist seit 20 Jahren Intendant der Anstalt, die für die Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zuständig ist. Er hatte im Mai überraschend seinen vorzeitigen Rückzug angekündigt. Der Verwaltungsrat schlägt den Kandidaten für die Intendantenwahl vor. Außerdem hat er die Aufgabe, die Verwendung der Gebühren zu überprüfen und die Geschäftsführung des Intendanten zu überwachen. Seine Mitglieder werden vom Rundfunkrat gewählt, der sich wiederum aus Angehörigen gesellschaftlich relevanter Gruppen wie Parteien, Verbänden und den Kirchen zusammensetzt.

kgi/DPA/AFP DPA

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