HOME

Interview Sandra Maischberger: Deutschen Politikern fehlt es an "Enthusiasmus"

Der Countdown läuft - in wenigen Stunden wird sich womöglich entscheiden, wer der nächste US-Präsident wird. Die deutschen Medien sind vor Ort - auch Sandra Maischberger, die ihre Talkshow aus New York sendet. Was bewegt die Gastgeberin?

Sandra Maischberger, 42, ist irgendwo in New York unterwegs, dienstlich; Amerika wählt einen neuen Präsidenten, sie hat eine Sendung vorzubereiten. Ein kleines Gespräch? Gern, sagt Maischberger, aber nur per E-Mail, "die Zeit ist knapp!", schreibt sie.

Frau Maischberger, Ihre Sendung "Menschen bei Maischberger" kommt an diesem Dienstag live aus New York: Ihr Thema ist natürlich die Wahl des US-Präsidenten. Welche Menschen hätten Sie gern zu Gast gehabt - Hillary und Bill Clinton?

Hillary und Bill gehen am Dienstag abend zu unserer Sendezeit nicht einmal zu den Kollegen der US-amerikanischen Sender. Wir senden im Rahmen der ARD-Wahl-Nacht bis zur Schließung der ersten Wahllokale um ein Uhr nachts deutscher Zeit. Selbst wenn wir Hillary gefragt hätten: Sie wäre nicht gekommen.

Ihre Gäste sind unter anderem Otto Schilly, Florian Henckel von Donnersmarck und der Wall Street-Experte Markus Koch. Warum haben Sie nicht nach Washington geladen, wo die amerikanische Politik zuhause ist?

Weil am Wahlabend nicht einmal die amerikanische Politik in Washington ist! Die Kandidaten sind in Ihren Bundesstaaten, wie der größte Teil der politischen Klasse. Die gesellschaftliche Klasse ist in New York. Alle Wahlsendungen der großen amerikanischen Sender kommen ebenfalls aus New York.

Die New Yorker wählen traditionell demokratisch, Sie wünschen sich Barack Obama ins Weiße Haus. Sie auch?

Mal abgesehen davon, dass meine Wünsche bei dieser Wahl keine Rolle spielen - die Frage war rhetorisch, oder?

Glauben Sie denn, dass es eine historische Nacht wird und die Amerikaner den ersten schwarzen Präsidenten ihres Landes wählen? Den jüngsten Umfragen zufolge liegt Obama fünf Prozentpunkte vor McCain, aber ein bisschen Restangst hat man schon noch nach den Erfahrungen der letzten beiden US-Wahlen, oder?

Alle meine Quellen lassen die Vermutung zu, dass Obama der nächste Präsident der Vereinigten Staaten wird. Aber natürlich ist eine Wahl erst gelaufen, wenn die letzten Stimmen ausgezählt sind. Überraschungen sind nicht ganz ausgeschlossen, wenn auch diesmal: ziemlich unwahrscheinlich.

Mit diesem Dienstag gehen 22 Monate US-Präsidentschaftswahlkampf zu Ende. Wie unterscheidet sich der amerikanische Wahlkampf vom deutschen?

Der amerikanische Wahlkampf unterscheidet sich in so vielen Punkten vom deutschen - das füllt ganze Bücher und ist in zwei Sätzen nicht zusammenzufassen. Wenn ich die drei wichtigsten Elemente benennen müsste, würde ich sagen: Primaries...

...die ewig langen Vorwahlen...

...Personalisierung und Fundraising.

Was können sich die deutschen Politiker für den Bundestagswahlkampf 2009 von ihren amerikanischen Kollegen abgucken?

Enthusiasmus.

Ihre Sendung wird gegen 18 Uhr Ortszeit in New York vorbei sein - wenn die ersten Wahllokale im Osten des Landes schließen und die ersten Prognosen folgen. Wie werden Sie die Wahlnacht verbringen – im Hotelzimmer vor dem Fernseher? Auf dem Times Square, wo New York feiern wird, wenn es Barack Obama zu feiern gibt?

Unsere Sendestrecke geht bis 19 Uhr Ortszeit. Wohin wir danach gehen, haben wir noch nicht entscheiden. Times Square wird sicher dabei sein, das Hotelzimmer für den größten Teil der Nacht sicher nicht.

Interview: Ulrike von Bülow, New York